Fußball

Keine Lust auf den FC Bayern Warum Havertz im Transfer-Dilemma steckt

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Für Kai Havertz ist ein Abgang bei Bayer 04 Leverkusen derzeit nicht allzu vielversprechend.

(Foto: imago images/Eibner)

Auf einen Abgang von Kai Havertz hat sich Bayer Leverkusen längst eingestellt. Der Fußball-Bundesligist wittert das ganz große Geld. Doch die Coronavirus-Pandemie könnte einen Rekordtransfer verhindern. Und das ist nicht der einzige Grund, warum es womöglich ganz anders kommt.

Bei Bayer Leverkusen träumten sie schon von einem Rekordtransfer. Endlich würde es mal so richtig in der Kasse klingeln. Dann nämlich, wenn Toptalent Kai Havertz im Sommer den Fußball-Bundesligisten verlässt. Ein Verbleib des 20-jährigen Offensivmanns? Ausgeschlossen. "Er kann im nächsten Sommer nicht gehalten werden. Das wird eine Überweisung von über 100 Millionen Euro", sagte Peter Bosz dem "Algemeen Dagblad" noch Mitte März.

Ein Weggang sei schade, denn: "Kai ist 20 Jahre alt, aber dies ist bereits seine vierte Saison in der Bundesliga. Das sagt viel aus. Jeder in Deutschland sieht ihn als Wunderkind." Doch viel Geld lässt auch viele Abschiedsschmerzen vergessen.

Nun ist plötzlich alles anders. Die Coronavirus-Pandemie befällt auch den Fußball. Allerdings ist nicht nur die Corona-Krise schuld daran, dass ein Deal in solcher Höhe für Leverkusen ausgeschlossen erscheint. Der "Kicker" berichtet, dass es schon im Februar aussichtslos für Bayer erschien, so viel Geld für Havertz zu bekommen. Das Maximal-Angebot sei eine "hohe achtstellige Summe plus Boni" gewesen. Eine Chance, dass Havertz bei der Fußball-EM im Sommer brilliert und damit seinen eigenen Preis hochtreibt, ist nun aufgrund der Verschiebung des Turniers um ein Jahr verloren.

"100-Millionen-Euro-Transfers kann ich mir nicht vorstellen"

Die Pandemie kommt erschwerend hinzu. Viele Vereine bangen um ihre wirtschaftliche Existenz, da sind keine großen Deals drin. Nicht wenige Experten erwarten, dass der Transfermarkt einbricht. So sagte auch der Ex-Präsident des FC Bayern, Uli Hoeneß, jüngst dem "Kicker": "Man kann es nicht vorschreiben, aber 100-Millionen-Euro-Transfers kann ich mir in der nächsten Zeit nicht vorstellen. Die Transfersummen werden fallen, die Beträge werden sich in den kommenden zwei, drei Jahren nicht mehr auf dem bisherigen Niveau bewegen können."

Ganz von der Krise abgesehen, das kommt für den 20-Jährigen erschwerend hinzu, haben ihn nur wenige Klubs auf ihrer Wunschliste. Der FC Barcelona, Real Madrid, Juventus Turin, sie alle haben ihre Topstars bereits, oder gieren - wie Barça mit dem verlorenen Sohn Neymar - nach anderen Superstars. Und auch Havertz selbst hat allen Grund, wählerisch zu sein: Was soll er bei Manchester City, das aufgrund von Verstößen gegen das Financial Fairplay von der Champions League ausgeschlossen ist? Was soll er bei Tottenham Hotspur oder gar beim FC Chelsea oder Manchester United, die nicht einmal einen Platz in der Königsklasse sicher haben? Was soll er bei Paris St. Germain, das zwar die französische Liga dominiert, international aber nach wie vor nicht mithalten kann?

Macht es Havertz wie Timo Werner?

Bleiben zwei Klubs, die Havertz' eigenen Ansprüchen genügen dürften: der FC Liverpool und der FC Bayern München. Doch im Team von Jürgen Klopp scheint sowohl wegen seines Spielstils als auch wegen des Interesses etwa an Timo Werner oder Jadon Sancho für den 20-Jährigen kein Platz zu sein. Und der FC Bayern? Ein Klub, auf den Havertz selbst offenbar gar keine große Lust hat. Dem "Kicker" zufolge ist der eher zurückhaltende Spieler nicht an der "Münchner Ellenbogengesellschaft" interessiert. Liga-Konkurrent Borussia Dortmund wiederum kann wohl mit einer derart hohen Ablösesumme, wie sie sich Bayer vorstellt, nicht dienen. Dabei hatte BVB-Kapitän Marco Reus bereits um seinen Nationalmannschaftskollegen geworben. Und mit Julian Brandt spielt ein guter Freund wie ehemaliger Bayer-Teamkollege in Dortmund.

Da bleibt im Grunde nur noch eine Option, die der "Kicker" aufwirft: Havertz' Vertrag läuft noch bis 30. Juni 2022, er muss also nicht zwingend in dieser Saison verkauft werden. Doch ein Poker um möglichst hohe Summen läuft für den Verkäufer bekanntlich besser, wenn der Verhandlungspartner nicht bestens darüber informiert ist, dass es einen Abschluss geben muss. Und so bringt das Magazin eine Art Werner-Variante ins Spiel: Genau wie Timo Werner bei RB Leipzig könnte auch Havertz bei Leverkusen für eine Saison verlängern und dafür eine hohe Ausstiegsklausel zugesagt bekommen. Das würde Bayer das Vertragspoker erleichtern - und der Offensivmann bekäme die Chance, dass tatsächlich viele Klubs um ihn buhlen. Denn dann wird seine Leistung bei der verschobenen EM 2021 plötzlich doch wieder ein Faktor.

Quelle: ntv.de