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"Jetzt bin ich frei im Kopf" Warum Schalkes Amine Harit aufblüht

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Sichtlich gelöst: Amine Harit.

(Foto: imago images/RHR-Foto)

Beim mühevollen Heimsieg in der Fußball-Bundesliga gegen Mainz ist Amine Harit Vorbereiter, Kunstschütze und Matchwinner. Selbst der Trainers des Gegners lobt ihn. Der Matchwinner gibt sich gelöst und geläutert, bedankt sich bei seinem Trainer David Wagner - und bei seiner im Mai geborenen Tochter.

Es ist die Geschichte von einem, der gar nicht mehr richtig zur Mannschaft gehörte. Nun aber gibt sich Amine Harit geläutert und hat dem FC Schalke 04 in der ersten Begegnung des fünften Spieltages der Fußball-Bundesliga sportlichen Erfolg gebracht. Der 22 Jahre alte Marokkaner avancierte mit seinem Treffer zum 2:1 über den 1. FSV Mainz 05 in der 89. Minute zum Matchwinner. "Am Ende können wir uns bei Amine bedanken", sagte Abwehrspieler Benjamin Stambouli. Selbst der Kontrahent lobte. Man habe "durch eine herausragende Einzelleistung" von Harit das Spiel noch verloren, befand der Mainzer Trainer Sandro Schwarz am Freitagabend. "Das ist ärgerlich."

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"Es war insgesamt keine gute Partie von uns": David Wagner.

(Foto: imago images/Contrast)

Schon die 1:0-Führung durch den Ex-Mainzer Suat Serdar (36.) hatte Harit mit einem feinen Pass in die Schnittstelle der Abwehr eingeleitet. Mit dem Siegtor bescherte er seinem Klub den dritten Erfolg nacheinander. Fans und Spieler feierten danach ausgelassen den vorübergehenden Sprung auf zweiten Tabellenplatz, wissen ihn aber korrekt einzuordnen. "Die zweite Hälfte war 40 Minuten lang nicht gut, wir waren im Ballbesitz sehr fehlerhaft und fahrig. Es war insgesamt keine gute Partie von uns", kritisierte Schalkes Trainer David Wagner.

Sein Resümee fiel sehr gemischt aus. Erst in den letzten fünf Minuten sei wieder "extrem viel Energie im Stadion" gewesen. "Die Nordkurve war voll da. Und ich habe den Willen gespürt, dass wir dieses Spiel noch gewinnen können - und das hat Amine dann mit diesem genialen Moment geschafft." Nach dem 1:1 durch den kurz zuvor eingewechselten Karim Onisiwo (75.) keimte bei den in dieser Phase drückend überlegenen Gästen Hoffnung auf einen Punktgewinn auf, die erst Harit zunichtemachte. Schon fünf Tage zuvor beim 5:1 in Paderborn hatte er mit einem Doppelpack geglänzt. "Es war ein tolles Tor, aber man muss auch Glück dabei haben."

"Jetzt bin ich frei im Kopf"

Schalke - Mainz 05 2:1 (1:0)

Tore: 1:0 Serdar (36.), 1:1 Onisiwo (74.), 2:1 Harit (89.)
FC Schalke 04:
Nübel - Kenny, Stambouli, Salif  Sane, Oczipka - Serdar (60. Uth), Mascarell - Caligiuri, McKennie  (76. Nastasic), Harit - Burgstaller (81. Kutucu); Trainer: Wagner.
1. FSV Mainz: Zentner - Brosinski, St. Juste, Niakhate, Martin - Malong  (58. Baku) - Latza (58. Maxim), Boetius, Fernandes - Szalai (71.  Onisiwo), Quaison; Trainer: Schwarz.
Schiedsrichter: Schlager (Hügelsheim)
Zuschauer: 58.687

Gründe für sein befreites Auftreten und seinen krassen Wandel seit Saisonbeginn sieht Harit in der Geburt seiner Tochter Alijah im Mai und der Unterstützung von Trainer Wagner. "Er gibt mir viel Selbstvertrauen. Und wenn du ein Baby bekommst, hast du mehr Verantwortung. Das ändert die Sichtweise." Zudem habe er die Geschehnisse um den Verkehrsunfall mit Todesfolge vor einem Jahr in seiner Heimat aufgearbeitet. "Jetzt bin ich frei im Kopf, fokussiert und arbeite viel. Das ist der Lohn."

Was die ganze Mannschaft anders als im Vorjahr ausgezeichnet, ist die ständige Suche nach Lösungen für den Weg nach vorn. Auch Rückschläge wie das 0:1 in Paderborn oder den Ausgleich gegen Mainz steckt das Team weg. "Wir haben Spaß auf dem Platz", sagte Serdar, der einen neuen Teamgeist beschreibt: "Wir sind als Mannschaft zusammengerückt, jeder kämpft für jeden. Das hat man gerade nach dem Gegentor gesehen. Jetzt bin ich einfach nur glücklich, dass uns der Start mit zehn Punkten aus fünf Spielen gelungen ist." Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte Schalke zum selben Zeitpunkt nicht einen Zähler auf dem Konto.

Quelle: n-tv.de, Ulli Brünger, dpa

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