Fußball

"Als läge alles unter Mehltau" Warum spielt der "neue BVB" so hässlich?

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Der BVB entdeckt den Delaney in sich.

(Foto: AP)

Das Fußballjahr 2021 startet erfolgreich für Borussia Dortmund. Gegen den VfL Wolfsburg gibt es einen souveränen Erfolg. Spektakulär ist der Auftritt des BVB aber nicht, die Mannschaft von Edin Terzic setzt auf Malocher-Tugenden. Ein Plan auch für die Zukunft?

Immerhin: Den sich langsam auswachsenden Heimfluch von drei verlorenen Spielen in Folge hat Borussia Dortmund am späten Samstagnachmittag hinter sich gelassen und gleich noch drei wichtige Punkte gegen einen Mitkonkurrenten im Kampf um die Champions-League-Plätze in der Fußball-Bundesliga eingefahren. Doch ein Auftritt an den man sich noch länger erinnern wird, war der 2:0-Erfolg der Mannschaft von Edin Terzic gegen den VfL Wolfsburg nicht. Wieder einmal nicht. Das allerdings waren, das gehört zur Wahrheit, die letzten Spiele unter Lucien Favre ebenfalls nicht, was letztlich auch zur Trennung führte.

"Wir haben uns zuletzt schwergetan, leichtfüßig zu spielen, Ideen zu entwickeln, kreativ zu sein. Als läge alles unter Mehltau begraben", sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke zu Beginn der Woche dem "Kicker". Jenen "Mehltau" muss nun Terzic in seiner neuen Rolle als Chefcoach erst einmal abtragen. Ein nicht so leichtes Unterfangen, das der 38-Jährige mit dem Fokus auf "Erwachsenen-Fußball" angehen will. Bei den Dortmundern soll nun vorerst mit viel Arbeit und Pragmatismus agiert werden.

Das bedeutet nicht, dass die Stars nun nur noch die Grätschen auspacken und die Bälle lang nach vorne hauen sollen. Es bedeutet aber sehr wohl eine Besinnung auf die grundsätzlichen Tugenden des Fußballs: Robuste Zweikampfführung, intensive Läufe, einfache Pässe und den einen oder anderen Schnörkel weniger. Diese Herangehensweise dürfte ganz besonders Watzke gefallen, der hatte nämlich gerade erst angemahnt: "Es fehlten zuletzt Form und Fokussierung. Daran müssen wir im neuen Jahr weiterarbeiten. Dann werden wir auch wieder besser Fußball spielen."

Mehr Delaney, weniger Brandt

Zwei, die sinnbildlich für den derzeitigen Weg des BVB stehen, sind Thomas Delaney und Julian Brandt. Während der Däne genau jene klassischen Eigenschaften mitbringt, die im Moment gefragt sind, hat es Freigeist Brandt schwer. Gegen Wolfsburg saß der Hochbegabte mit der riskanten Spielweise 90 Minuten lang auf der Bank, während Delaney über die volle Spielzeit auf dem Feld stand und überzeugte. "Thomas ist ein absolut stabilisierender Faktor bei uns - und er ist berechenbar", sagte Sportdirektor Michael Zorc dem "Kicker" und fügte an: "Du weißt, was du bei ihm bekommst." Was Zorc damit meint: Du bekommst keinen Zauberfußball, dafür Leidenschaft, Einsatz und Gradlinigkeit.

Unter Favre waren Delaneys Qualitäten nur selten gewünscht, der Schweizer vielmehr setzte auf technisch feinere Spieler. Dass der 29-Jährige allerdings auch einen guten Ball spielen kann, bewies er zuletzt gegen Wolfsburg. "Thomas hat sich auch spielerisch entwickelt", lobte Zorc. Nicht umsonst wählten die Leser der Dortmunder "Ruhr Nachrichten" den Dänen mit 44 Prozent zum Mann des Spiels, vor Torschütze Manuel Akanji (41 Prozent), einem, der ebenfalls die derzeitige Spielweise der Borussia verkörpert. Abgeschlagen dahinter: der formverbesserte Jadon Sancho (15 Prozent).

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Doch die klaren Strukturen, die Delaney fördert, sollen nur das Fundament für den Übergang zur neuen Spielweise des BVB sein. Diese soll die Fans an den TV-Geräten oder im Stadion - so sie denn irgendwann wieder hinein dürfen - wieder begeistern. Weniger mit Ballbesitzfußball bis fast ins Tor hinein, wie Favre es zelebrierte, als mit dem einen oder anderen Überraschungsmoment aus dem gepflegten Spiel heraus. Dafür soll Terzic in den nächsten Wochen sorgen, wie Watzke betonte, der "Edins Aufgabe" so umschrieb: "Wir müssen ein bisschen weg vom geduldigen Spielaufbau und hin zu mehr Kreativität. Da sind wir uns in der Analyse alle einig."

Dann werden auch wieder Spieler wie Julian Brandt, der auf dem Platz nicht selten den Prototyp des unkonventionellen Einfalls verkörpert, wieder mehr gefragt sein. Doch auch der 24-Jährige wird sich in seiner Spielweise anpassen müssen, denn: Ein Kreativkopf zu sein, soll dieser Tage beim BVB nicht mehr genügen. Ein bisschen mehr "Delaney" sollte es schon sein.

Quelle: ntv.de