Fifa will sich nicht dazu äußernWegen Donald Trump: Britische Abgeordnete fordern WM-Ausschluss der USA

Die Gefangennahme von Venezuelas Präsident Nicolas Maduro scheint nur ein Zwischenschritt für US-Präsident Donald Trump zu sein, sich auch in anderen Staaten gewaltvoll einzumischen. Britische Abgeordnete richten sich deshalb mit klaren Forderungen an die Fifa.
Knapp fünf Monate sind es noch, bis am 11. Juni in Mexiko-Stadt erstmals bei der Fußball-WM 2026 der Ball rollen soll. Co-Gastgeber Mexiko eröffnet das Turnier gegen Südafrika, am Tag darauf steigen dann auch die weiteren Ausrichter Kanada und USA ein. Eine parteiübergreifende Gruppe von Parlaments-Abgeordneten aus Großbritannien verlangt nun laut BBC jedoch von der Fifa, die USA von der Weltmeisterschaft auszuschließen. Der Grund: Donald Trump.
Denn, so argumentieren die 23 Abgeordneten von Labour, Liberal Democrats, Green Party und Plaid Cymru: Die Politik des US-Präsidenten "untergräbt die regelbasierte internationale Ordnung". Sie fordern deshalb den Ausschluss von der Fußball-WM und auch von allen anderen großen Sportereignissen, damit solche Veranstaltungen "nicht dazu benutzt werden, um Verstöße gegen das Völkerrecht durch mächtige Staaten zu legitimieren oder zu normalisieren".
Exemplarisch dafür wird "die Eskalation im US-amerikanischen Handeln gegen Venezuela" angeführt, insbesondere "die Entführung von Präsident Nicolas Maduro", die "eine direkte Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates" darstelle. Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte sich "sehr besorgt" darüber gezeigt, dass "die Regeln des Völkerrechts nicht beachtet worden sind". Die Trump-Regierung hatte die Gefangennahme Maduros dagegen als Schlag gegen den internationalen Drogenhandel und den entmachteten Staatschef als Terroristen bezeichnet.
Trump bedroht auch Co-Gastgeber Mexiko und Kanada
Die britische Abgeordnetengruppe bezieht sich außerdem auf die "wiederholten versteckten und offenen Drohungen" gegen WM-Teilnehmer Kolumbien, Playoff-Teilnehmer Dänemark sowie Kuba, die eine scharfe Reaktion der internationalen Sportverbände nach sich ziehen müssten. Den drei genannten Ländern hatte Trump jeweils mit Gewalt gedroht, sollten sie seinen Forderungen nicht nachkommen. Kolumbiens Präsident Gustavo Petro sieht der BBC zufolge eine "echte Gefahr" einer militärischen Eskalation durch die USA.
Auch die Co-Gastgeber blieben von Trumps Äußerungen nicht verschont: Kanada wollte der 79-Jährige zum 51. US-Bundesstaat machen, gegen Mexiko müsse aufgrund von dort in die USA "strömender" Drogen "etwas unternommen werden". Gemeint war auch hier die Entsendung von Truppen, was die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum scharf zurückgewiesen und abgelehnt hat.
Die Fifa wollte sich dem BBC-Bericht zufolge nicht zur Initiative und den Forderungen der britischen Abgeordneten äußern. Ein Ausschluss der USA oder auch ein nur irgendwie geartetes Vorgehen gegen Donald Trump ist jedoch nicht zu erwarten: Die Fifa hatte dem US-Präsidenten im Dezember den eilig erfundenen Fifa-Friedenspreis verliehen und Gianni Infantino sucht seit Monaten regelmäßig und explizit die Nähe des Republikaners. Formell unterliegt die Fifa eigentlich einer selbst auferlegten Neutralitätspflicht.
Berater sieht "gewaltige Kopfschmerzen" auf Fifa und IOC zukommen
Es ist auch nicht das erste Mal, dass die Fifa in den Verdacht gerät, die politischen Handlungen eines WM-Ausrichters nicht angemessen zu sanktionieren. 2018 hatte das Turnier in Russland stattgefunden, obwohl bereits 2014 die ukrainische Krim völkerrechtswidrig annektiert worden war. Die Suspendierung des russischen Fußballverbandes erfolgte erst 2022 nach Russlands Angriff auf die Ukraine, sie gilt bis heute.
Der Labour-Abgeordnete Brian Leishman sagte dem "Daily Mirror", er erwarte von der Fifa vor allem "Konsequenz" hinsichtlich des Umgangs des US-Vorgehens in Venezuela: "Es handelt sich um eine Invasion eines souveränen Staates und die Entführung eines Präsidenten." Bei aller berechtigten Kritik an Maduro sei dessen Festnahme "ein Verstoß gegen das Völkerrecht. Wenn man sich anschaut, wie Russland behandelt wird, und das richtigerweise, dann wünsche ich mir einfach nur Konsequenz."
Die Diskussion um den Umgang des Sports mit der Trump-Regierung dürfte in den kommenden Monaten Fahrt aufnehmen, sagt auch John Zerafa, laut BBC "ein erfahrener Berater für Länder und Städte, die Sport-Großveranstaltungen ausrichten wollen". Er sieht auf die Fifa und auch das Internationale Olympische Komitee "gewaltige Kopfschmerzen" zukommen: Schließlich setzen sich beide offiziell für Frieden, Souveränität und Anti-Diskriminierung ein: "Wenn die USA schlimmstenfalls militärisch gegen Grönland vorgehen, das Gebiet eines Nato-Verbündeten, [...] würden dann europäische Politiker dann die Teilnahme an Veranstaltungen in den USA verweigern?"