Fußball

"Warum sollten wir nicht?" Weißrussische Fans trotz Corona im Stadion

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Den empfohlenen Mindestabstand von 1,5 Metern hält so niemand ein.

(Foto: AP)

Während ein Land nach dem anderen aufgrund des Coronavirus das öffentliche Leben einschränkt, rollt in Weißrussland noch der Fußball. Doch stehen dabei nicht nur 22 Spieler auf dem Feld, auch die Tribünen sind geöffnet. Staatspräsident Lukaschenko wagt eine abenteuerliche Aussage.

Gegen den europäischen Trend ist der Fußball in Weißrussland trotz Coronavirus-Pandemie planmäßig in die Meisterschaft gestartet - mit Fans auf den Stadiontribünen. 730 Zuschauer kamen zum Spiel von Energetik-BGU und dem früheren Champions-League-Teilnehmer BATE Borisow, wie Medien in der weißrussischen Hauptstadt Minsk berichteten. Mehr als 1400 Fans besuchten die Begegnung von Schachtjor und Torpedo-BelAS, das 1:1 des Titelverteidigers Dinamo Brest gegen FK Smolewitschi verfolgten 3648 Fans im Stadion. Präsident Alexander Lukaschenko, oft als "Europas letzter Diktator" bezeichnet, hatte Einschränkungen in anderen Ländern als Panikmache kritisiert.

Die Fußballvereinigung ABFF hatte den Start der nationalen Meisterschaft nach Plan und mit Zuschauern angekündigt. "Warum sollten wir nicht starten?", fragte Verbandspräsident Wladimir Basanow, der bei drei Begegnungen persönlich im Stadion sein will: "Es gibt keine kritische Situation. Wir haben alle Umstände sorgfältig untersucht und sind zum Schluss gekommen: Es gibt keinen Grund, dass die Meisterschaft nicht beginnt."

Fans würden ja sowieso kommen

Es werde genau auf die Ausbreitung des Coronavirus in Weißrussland geachtet, teilte die ABFF mit. Falls notwendig, sollten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Da viele Anhänger sowieso zum Stadion kommen würden, ergebe es keinen Sinn, die Zuschauer auszusperren, sagte Basanow auf der Verbandswebsite. In der deutschen Bundesliga hatten die Vereine für den Geisterspieltag ihre Anhänger darum gebeten, eben nicht wie gewohnt zum Stadion zu pilgern, sondern zu Hause zu bleiben.

"Ich nenne dieses Coronavirus nicht anders als eine Psychose und lasse mich auch nicht davon abbringen", sagte Lukaschenko in dieser Woche. "Die zivilisierte Welt ist verrückt geworden, und die Politiker haben schon damit angefangen, die Situation für ihre Interessen auszunutzen." Es sei eine "absolute Dummheit", etwa Grenzen zu schließen.

Lukaschenko regiert so lange wie niemand sonst in Europa - seit mehr als 25 Jahren. Weißrussland, Nachbar von EU-Mitglied Polen, hat nach offiziellen Angaben bisher rund 70 Coronavirus-Fälle - aber noch keinen Todesfall. Es gebe keinen Grund, drakonische Maßnahmen zu ergreifen, sagte der Präsident der staatlichen Nachrichtenagentur Belta zufolge.

Quelle: ntv.de, tsi/dpa/sid