Fußball

Buli-Klubs gegen Solidarbeitrag Werder muss Polizeieinsätze allein zahlen

Blau-Weiß ist auch bei Spielen in Bremen eine präsente Farbkombination - auch, wenn die Anhänger des Nordrivalen aus Hamburg nicht in der Stadt sind.

Blau-Weiß ist auch bei Spielen in Bremen eine präsente Farbkombination - auch, wenn die Anhänger des Nordrivalen aus Hamburg nicht in der Stadt sind.

(Foto: imago/MIS)

Fußball-Bundesligist Werder Bremen muss zusätzliche Kosten für Polizeieinsätze bei Risikospielen selbst tragen. Die übrigen deutschen Profiklubs lehnen eine solidarische Beteiligung ab. Damit leitet die Liga die Gebührenbescheide der Länder wie zuvor weiter an die Vereine.

Ein von Bundesligist Werder Bremen beantragter Solidarfonds zur Finanzierung einer Kostenbeteiligung an Polizeieinsätzen bei Hochrisikospielen ist auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga abgelehnt worden. Die Mehrheit der 36 Erst- und Zweitligisten votierte bei dem Treffen in Neu-Isenburg gegen eine Umlage der zusätzlichen Kosten auf alle Vereine. Wie die DFL mitteilte, sollen künftig fällig werdende Gebührenbescheide in gleicher Weise behandelt werden wie bisher. Ein wie auch immer geartetes Fonds-Modell stehe für die DFL weiterhin nicht zur Debatte.

Das Urteil aber stachelte die Bremer nur noch mehr an: "Um die Interessen von Werder zu vertreten, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als den Rechtsweg zu beschreiten. Wir hätten diese Situation gerne vermieden. Aber wir müssen alles dafür tun, dass der Schaden, den das Land Bremen uns aufbürdet, so gering wie möglich ausfällt", erklärte Klaus Filbry, Werders Vorsitzender der Geschäftsführung, in einer Vereinsmitteilung. "Wir haben heute gemerkt, dass es keine Solidarität mit Werder Bremen gibt. Werder steht isoliert da", resümierte Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald beim Verlassen des noblen Tagungshotels vor den Toren Frankfurts.

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Hess-Grunewald fühlt sich allein gelassen.

(Foto: picture alliance / Carmen Jasper)

"Wir können mit Werder Bremen nicht solidarisch sein, weil es das völlig falsche Zeichen wäre. Wenn wir einen Fonds gründen würden, wäre das eine offene Tür und ein Muss für alle Länder, die Bundesliga zur Kasse zu bitten", begründete Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Ablehnung. "Das können wir nicht akzeptieren." Unterstützung erhielt er von Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Es gibt keinen Grund, den Alleingang der Bremer Landesregierung von Seiten der DFL zu subventionieren. Ich bin der Meinung, dass sich das Land Bremen auf dem Holzweg befindet."

RB Leipzig enthält sich der Stimme

Werder Bremen hatte den Antrag gestellt, in Zukunft nicht allein auf den Kosten für den zusätzlichen Einsatz von Sicherheitskräften bei Hochrisikospielen sitzen zu bleiben. Der Verein appellierte stattdessen an das Solidaritätsprinzip und wollte erreichen, dass es zu einer "angemessenen Teilung" dieser Kosten unter den Erst- und Zweitliga-Klubs kommt. Von den 34 anwesenden Vereinen - nur die Vertreter der Zweitligisten Hannover 96 und VfL Osnabrück fehlten bei der rund zweistündigen Versammlung in Neu-Isenburg - votierten 32 gegen den Bremer Antrag. RB Leipzig enthielt sich der Stimme.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte im März entschieden, dass die Bundesländer die zusätzlichen Polizeikosten bei Hochsicherheitsspielen grundsätzlich der Deutschen Fußball Liga in Rechnung stellen dürfen. Das Land Bremen hat seitdem bereits Gebührenbescheide an die DFL verschickt. Die leitete diese dann weiter an Werder Bremen.

Verein will Rechtsweg beschreiten, weitere Rechnungen auf dem Weg

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Auch auf Mainz 05 könnten zukünftig Kosten für Polizeieinsätze bei Risikospielen zukommen.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Wie die DFL mitteilte, gehen die aktuellen Gebührenbescheide der Freien Hansestadt Bremen für Polizeikosten nun in voller Höhe von rund 1,17 Millionen Euro zulasten von Werder Bremen. Ein Teilbetrag von 50 Prozent gegenüber dem Verein soll bis zum endgültigen Abschluss des Rechtsstreits vor dem Bundesverfassungsgericht gestundet werden, wie die DFL mitteilte. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer hat bereits angekündigt, dass er weitere Rechnungen schicken wird. Drei Bescheide in Höhe von 1,12 Millionen Euro sind bereits in Arbeit - ganz abgesehen von Gebühren für kommende Partien.

Dass diese Praxis rechtens ist, hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Ende März festgestellt. Werder erwägt nun, bei Hochrisikospielen künftig keine Tickets mehr an Gäste-Fans zu verkaufen. "Das ist keine Drohung von uns. Wir sind schon im April von der Polizei Bremen mit diesem Thema konfrontiert worden", sagte Hess-Grunewald. Wäre es damals im Halbfinale des DFB-Pokals zum Nord-Derby gegen den Hamburger SV gekommen, hätten die Bremer 1200 Gäste-Karten nicht verkaufen dürfen.

Derzeit werden Gebührenbescheide nur vom Bremer Senat erhoben. In Rheinland-Pfalz und Hamburg soll es aber zumindest Überlegungen für eine ähnliche Regelung geben. Ab Mittwoch treffen sich die Innenminister in Lübeck. Dort wird sich zeigen, ob noch weitere Länder auf den Bremer Kurs einschwenken. Mäurer und sein rheinland-pfälzischer Kollege Roger Lewentz fordern nach wie vor die Einrichtung eines Fonds durch den Profifußball. Das lehnen die meisten Klubs, die nicht für die Fanprobleme ihrer Konkurrenten zahlen wollen, aber strikt ab.

"Ich glaube, wenn auch andere Vereine davon betroffen wären, müsste man die Situation noch einmal neu bewerten", sagte Werder-Präsident Hess-Grunewald. Bayern-Boss Rummenigge lehnt das rundweg ab. "Grundsätzlich haben wir kein Verständnis dafür, an den Polizeikosten beteiligt werden zu sollen. Wir zahlen alle wahnsinnig viele Steuern. Ich habe da dreistellige Millionenbeträge im Hinterkopf, die Bayern München abliefert. Wir sind uns mit dem Innenminister einig, dass dies in Bayern auf keinen Fall passieren wird."

Quelle: n-tv.de, ter/ara/dpa

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