Fußball

Harte Kritik am Blitz-Abgang Werner "hätte großer Sportler sein können"

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Timo Werners Siegtreffer aus dem Achtelfinal-Hinspiel in Tottenham bleibt sein letzter Champions-League-Treffer für Leipzig.

(Foto: imago images/Colorsport)

Fußball-Nationalspieler Timo Werner wechselt zum 1. Juli von RB Leipzig zum FC Chelsea - und keinen Tag später. Dafür kassiert der Stürmer jetzt viel Kritik, denn im August steht noch ein Highlight in der Vereinsgeschichte an. Das findet ohne den Torjäger statt.

Der ehemalige Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Andreas Rettig, kann die Entscheidung von Nationalspieler Timo Werner, in der entscheidenden Phase der Champions League im August nicht mehr für RB Leipzig aufzulaufen, nicht nachvollziehen. "Er ist ein klasse Spieler, aber er hätte auch ein großer Sportler sein können, indem er das richtige Signal gesendet und die Saison mit seinem Klub zu Ende gespielt hätte", sagte Rettig im Fußball-Talk Doppelpass bei Sport1.

Werner hatte am Donnerstag seinen Transfer zum englischen Premier-League-Klub FC Chelsea bekannt gegeben. Auf eigenen Wunsch wollte er in der Königsklasse nicht mehr für Leipzig antreten, sondern sich voll und ganz auf die Herausforderung bei den Blues konzentrieren. Rettig: "Bei den Verhandlungen hätte er auch mal den Rücken gerade machen müssen. Er hätte sagen können: 'Passt mal auf, das ist mein Klub und dem habe ich etwas zu verdanken: Ich spiele!' Ich war überrascht, dass er so eine Chance wegschmeißt."

"Das schmeißt du doch nicht weg"

Auch Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg beurteilte die Entscheidung des Ex-Stuttgarters Werner kritisch: "Das ist ein Champions-League-Viertelfinale. Das schmeißt du doch nicht weg. Da lässt er eine große Möglichkeit liegen und lässt auch seine Kollegen ein Stück weit im Stich, mit denen er das erreicht hat."

In Leipzig ist man naturgemäß nicht völlig begeistert von der Entscheidung, die mit Blick auf das erste Champions-League-Viertelfinale der Vereinsgeschichte einen harten Rückschlag bedeutet: "Die Entscheidung wurde uns mitgeteilt, wir müssen das so akzeptieren", sagte RB-Sportdirektor Markus Krösche. "Er will sich mit Chelsea auf die Saison in der Premier League vorbereiten."

Trainer Julian Nagelsmann dagegen ergriff Partei für den Nationalspieler: "Ich kann es nicht nachvollziehen, dass er an den Pranger gestellt wird. Er ist ein großer Sportsmann, und ich kann seine Entscheidung verstehen." Nagelsmann weiter: "Er kommt in ein anderes Land mit einer anderen Sprache. Da ist es klar, dass er nicht mittendrin spielen und sich einem Verletzungsrisiko aussetzen will."

Die Fifa empfahl vergangene Woche "eindringlich, dem ehemaligen Verein Vorrang einzuräumen, damit dieser seine nationale Spielzeit mit dem ursprünglichen Kader abschließen kann und die Integrität seiner Wettbewerbe gewahrt wird." Die Parteien "sollten (...) unbedingt den laufenden Vertrag verlängern und den Beginn des neuen Vertrags aufschieben" schrieb der Weltverband, schränkte aber auch ein: "Den Parteien steht es aber auch frei, den neuen Vertrag durchzusetzen."

Eine verbindliche Vorgabe konnten aber weder Fifa noch die Uefa machen. Der europäische Verband stellte nur klar, dass Werner in der laufenden Champions-League-Saison nicht mehr für seinen neuen Arbeitgeber auflaufen darf. Die "Blues" haben nach einer 0:3-Hinspiel-Niederlage gegen den FC Bayern nur noch theoretische Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale. Für RB hatte Werner in acht Spielen in dieser Saison viermal getroffen. Ersetzen dürfen ihn die Sachsen in der Champions League erst in der nächsten Saison durch einen Neuzugang.

Quelle: ntv.de, ter/sid