Fußball

So wird der FCB noch reicher Wie Infantino den Klubfußball zerstört

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Schützenfest gegen Mainz: Der FC Bayern demonstriert seine Macht. Hier jubeln Leon Goretzka , James Rodriguez, Kingsley Coman und David Alaba.

(Foto: imago images / MIS)

Gianni Infantino macht das, was er am besten kann: Er verspricht und besorgt Geld. Der Präsident der Fifa plant eine Klub-WM. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der FC Bayern und andere Großklubs mitmachen. Nicht nur für die Bundesliga ist das eine Gefahr.

6:0 gegen Mainz und davor 6:0 gegen Wolfsburg: Mit einem Zwischensprint geht Bayern München als Tabellenführer der Fußball-Bundesliga in die Länderspielpause. Die zwei Kantersiege waren eine Machtdemonstration: Während Borussia Dortmund als Verfolger inzwischen jeden einzelnen Sieg "erarbeiten" muss, wie Sportdirektor Michael Zorc zugab, tänzelt der Titelverteidiger durch die Abwehrreihen seiner Gäste in der Allianz-Arena.

Das ist auch kein Wunder. Die Bayern haben sich ihre Überlegenheit, das muss man anerkennen, über Jahre verdient. Mit den sechs Meisterschaften in Folge flossen Hunderte von Euro-Millionen in die Ausstattung dieser Mannschaft. Bundesliga-Vermarktung, Champions League, Großkaliber als Sponsoren: Wer als Branchenprimus großzügig kassiert, zögert nicht lange, wenn junge Nationalspieler auf dem Markt zu haben sind.

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Es geht um sein Vermächtnis: Gianni Infantino.

(Foto: imago images / UPI Photo)

Nun verspricht Gianni Infantino das noch größere Geld: 100 Millionen Euro soll allein die Siegprämie bei der Klub-WM betragen, die der Fifa-Präsident und seine dubiosen Geldgeber ab 2021 ausschütten wollen. Es geht um nicht weniger als ein Vermächtnis: Infantino will einen Wettbewerb in seinem Namen schaffen, der den Klubfußball, wie wir ihn kennen, auf Jahre verändern und womöglich zerstören wird.

Noch sperrt sich der europäische Kontinentalverband Uefa gegen diese Klub-WM mit 24 Teilnehmern und will keine acht Mannschaften entsenden. Man kennt das offizielle Argument: Man wolle die Spieler nicht zusätzlich in den Sommermonaten belasten. Die Wahrheit ist: Natürlich stört die Uefa vor allem, dass sich der Weltverband in die Belange der Vereine einmischt. Das war in Europa bisher Sache der Uefa.

Wann knickt die ECA ein?

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin aber wird größte Mühe haben, die Phalanx der europäischen Vereine gegen die Fifa-Pläne geschlossen zu halten. Die ersten deutschen Klubrepräsentanten, Karl-Heinz Rummenigge und Hans-Joachim Watzke, äußerten inzwischen vorsichtig ihre Sympathie mit dem Vorstoß auf dem Fifa-Council in Miami. Gebannt schaut man auf die europäische Klubvereinigung: Wann knickt die ECA ein?

Man darf sich nichts vormachen: Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Bayern München und andere Großklubs wie Real Madrid und Juventus Turin irgendwann jeden Widerstand aufgeben und dem Lockruf des Geldes folgen. Im Fall des deutschen Meisters ist der Gedankengang, so sehr es schmerzt, nachvollziehbar. Eine Bundesliga, in der Rivalen serienmäßig mit einem halben Dutzend Toren abgefertigt werden, verliert ihren Reiz.

In der Champions League, und das zeigt das 1:3 gegen Liverpool unter der Woche, spielt der FC Bayern aber die zweite Geige. Besserung ist nicht in Sicht: International erschleichen sich Großklubs mit staatlicher Hilfe (Paris Saint-Germain) oder TV-Milliarden (FC Liverpool) einen Vorsprung, wie es Bayern umgekehrt in der Bundesliga schafft. Wenn Bayern den Rückstand verkürzen will, kann eine Klub-WM eine willkommene Geldquelle sein.

Hoeneß wird nicht tatenlos zuschauen

Oder meint irgendjemand wirklich, dass Bayern-Präsident Uli Hoeneß jetzt tatenlos zuschaut, wie die Premier League die Champions League erobert und sein FC Bayern das Nachsehen hat? Er wird, man kann es ihm nicht verdenken, jede Chance nutzen wollen. Dazu gehört eine Schamfrist, in der man über den neuen Wettbewerb fachsimpelt - und am Ende dankend teilnimmt. 100 Millionen Euro alle vier Jahre: macht 25 Millionen Euro extra per anno. Nach dem 6:0 gegen Mainz am Sonntagabend hatte Hoeneß sich positioniert und gesagt: "Die Klub-Weltmeisterschaft finde ich super. Dieser Confed Cup ist für die Katz. Eine Klub-WM mit tollen Mannschaften alle vier Jahre statt Confed Cup - das ist wunderbar."

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"Die Klub-Weltmeisterschaft finde ich super": Uli Hoeneß.

(Foto: imago images / MIS)

Hier beginnt die Gefahrenzone für die Bundesliga. Schon jetzt kassiert der FC Bayern dank Champions League und einer ungerechten Geldverteilung in der Bundesliga so viel mehr Cash als die deutsche Konkurrenz, dass eine Klub-WM den Vorteil potenziert. Kein anderer Klub sollte sich Hoffnung machen, dass er teilnehmen darf. Ein globaler Wettbewerb mit globaler Vermarktung will globale Marken. Das erfüllen nur Bayern und bedingt BVB.

Von einem DFB-Präsidenten, der Reinhard Grindel sein will, würde man sich jetzt Statur erhoffen: glasklare und unverrückbare Stellungnahmen, einen orchestrierten Schulterschluss in aller Öffentlichkeit, eine breite Front, die der weltweit größte Fußballverband gegen die WM-Pläne organisiert und zum Erfolg führt. Damit man als Deutscher das Gefühl gewinnt: Da kämpft einer im Sinne des Fußballs. Zugegeben, der Gedanke klingt lächerlich.

Pit Gottschalk, 50 Jahre alt, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit'ch erhalten Sie hier.

Quelle: n-tv.de