Fußball

Polarisierender Sprücheklopfer Wie Mehmet Scholl die (Fußball)-Welt spaltet

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Lässiger Typ, bis heute.

(Foto: imago images)

Der ewig junge Mehmet Scholl, der Fußball-Europameister von 1996, feiert tatsächlich bereits seinen 50. Geburtstag. Besonders durch seine unzähligen Sprüche ist er bekannt geworden. Doch nicht immer hat er sich mit seiner offenherzigen Art Freunde gemacht!

Er ist einer der größten Geschichtenerzähler und Sprücheklopfer, die die Bundesliga je hatte. Mal spontan, mal überlegt, aber immer humorvoll liefert Mehmet Scholl Zitate für die Ewigkeit. Einer seiner bekanntesten Sprüche sorgte damals für einen riesigen Eklat. Scholl hatte gesagt: "Hängt die Grünen, solange es noch Bäume gibt!" Die Reaktion eines Grünen-Abgeordneten war anschließend auch nicht schlecht: "Zieht dem Scholl die Vorderzähne, solange es noch Nagetiere gibt!"

Der Bayern-Profi hatte seinen Satz eigentlich "als Plädoyer für vernünftigen Umweltschutz gedacht", aber die Sache ging nach hinten los. Ein grüner Politiker zeigte Scholl wegen "Anstiftung zum Mord" an. Scholl räumte die Sache schließlich mit einer Spende aus der Welt. Als ihn später einmal ein Journalist fragte, was er denn wählen würde, antwortete der Europameister von 1996 ("25 Jahre alt und schon keine Ziele mehr") mit einem typischen Scholl-Satz: "Grün natürlich, ich kann sie ja nicht hängen lassen."

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Im nächsten Leben möchte der gebürtige Karlsruher dann "als Hund von Uli Hoeneß" wiedergeboren werden. Warum das eine typische Scholl-Idee ist? Na, das hat Uli Hoeneß selbst einmal über seine private Situation zu Hause erzählt: "Wenn der Hund und ich mit 40 Fieber krank im Bett liegen, kriegt zuerst der Hund einen Tee."

Unrühmliche Verbalattacke gegen Gomez

Schon früh hatte Mehmet Scholl einen festen Plan von seinem späteren Leben. So hat er einmal gemeint, falls er je Kolumnen schreiben würde, dürfte man ihm die Frage stellen: "Braucht der Mann Geld?" Mittlerweile hat Scholl nicht nur ein viel beachtetes Abenteuer als ARD-Experte hinter sich (unrühmlicher Höhepunkt dabei seine Kritik bei der EM 2012 an Mario Gomez: "Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund liegt und mal gewendet werden muss"), sondern ist aktuell auch für die "Bild"-Zeitung aktiv. Das Leben ist eben teuer - und selbst die Automarke ("Das Statussymbol für alle, die kein Statussymbol brauchen") für die Scholl in seiner Freizeit grinsend von der Plakatwand wirbt, hat wohl nichts zu verschenken.

Es wäre in der Tat auch ein Frevel gewesen, wenn Mehmet Scholl nach seiner aktiven Karriere als Fußballprofi nicht etwas aus seinen überragenden sprachlichen Qualitäten gemacht hätte. Er war schon immer der geborene Unterhalter, wie diese kleine Anekdote zeigt. Als Scholl einmal auf einer Pressekonferenz zwei Fragen auf einmal gestellt wurden, kokettierte er mit seinem Job auf dem grünen Rasen: "Wie war noch die zweite Frage? Das ist nicht so einfach, ich bin schließlich Fußballer!"

Dabei reflektierte er wie kaum ein zweiter Fußballer schon immer den Sport, den er ausübte und das Geschäft drum herum. Als ihn ein Reporter fragte, wie er sich als seit Wochen verletzter Fußballprofi fühle, der tagelang mit Ehe- und anderen Privatproblemen die Schlagzeilen in den deutschen Boulevardzeitungen beherrsche, antwortete Scholl: "Wichtig. Immerhin habe ich vergangene Woche die Süssmuth-Affäre und das Flüchtlingselend in Afrika locker verdrängt."

Angenehme Distanz zum Fußball-Business

Seine angenehme Distanz zum Fußball-Business mag auch an seinem eigenen Schicksal liegen. Immer, wenn es irgendwie gerade richtig losgehen sollte in seiner Karriere, stoppte ihn das Leben ("2000: Da werd' ich von den Bundesligaprofis zum Spieler der Saison gewählt - und beim Spiel, bei dem ich meine Urkunde kriege, sitze ich natürlich nur auf der Bank. Am Tag der Ehrung.") oder noch viel häufiger: eine Verletzung. Deshalb sorgte er sich um sein körperliches Wohl stets ganz besonders. An den berühmten Montagabend-Spielen ehemaliger Bayern-Größen nahm er lieber nicht mehr teil: "Ich hab da ja schon mal mitgespielt, und da wäre Uli Hoeneß beinahe auf mich drauf geflogen - fast wäre also das passiert, was man an der Börse Kapitalvernichtung nennt. Uli Hoeneß ist ein sehr netter Fußballer, aber das Bremsen ist nicht mehr so seine Sache. Da ist mir meine Gesundheit zu wichtig."

Mehmet Scholl mag den feinen Humor, wie die zahlreichen Sprüche zeigen, die mittlerweile zu echten Evergreens geworden sind: "Ich hatte noch nie Streit mit meiner Frau. Bis auf das eine Mal, als sie mit aufs Hochzeitsfoto wollte." Das eine oder andere mag er sich dabei sogar von seinen Vorbildern abgeschaut haben: "Prinzessin Fergie möchte an einem Kamelrennen teilnehmen. Nicht entschieden ist, wer sie reitet. Das ist Harald Schmidt, das sind Meilensteine guten Humors."

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Bens aktuellem Buch und seinem gleichnamigen Tourprogramm ("Fußball. Die Liebe meines Lebens") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Auch auf dem Platz hörte Scholl genau hin - und erzählte hinterher die Geschichte (hier die seines Mannschaftskameraden Willy Sagnol) umso pointierter nach: "Wir spielen in Stuttgart, Schiedsrichter ist Markus Merk. Irgendwann steht Willy mal neben dem und sagt: 'Schiri, wir wechseln.' Merk schaut zum Spielfeld und antwortet: 'Da steht aber keiner.' Und Willy sagt: 'Nee, wir wechseln Dich!' Normalerweise hätte der Merk da erst einmal unterbrechen müssen, bis sich jeder wieder vor Lachen beruhigt hatte."

Alles andere als hölzern

Als ARD-Experte hob sich Mehmet Scholl mit seinen feinen Bemerkungen wohltuend von einigen eher hölzern wirkenden Kollegen ab. Als einmal der damalige Trainer des frisch qualifizierten Pokalfinalisten MSV Duisburg, Milan Sasic, nach einer Bierdusche ins Studio kam und Reinhold Beckmann leicht die Nase rümpfte, meinte Scholl spitzbübisch: "Ich kenn das auch. Ich arbeite beim Fernsehen, da riechen alle so." Seine Spontanität bewies der ehemalige Fußballnationalspieler auch 1996. Als er gefragt wurde, wie es denn nach dem Titelgewinn in der Kabine mit Kanzler Helmut Kohl gewesen sei, antwortete Scholl: "Eng."

Nach der Saison 2006/07 beendete der Mittelfeldspieler von Bayern München seine Karriere und verabschiedete sich standesgemäß mit einem Spruch von seinen Fans: "Wir heulen heute Abend alle. Wir werden was trinken, und dann heulen wir alle. Und dann tauschen wir die Frauen, und dann geht's weiter." Eins versprach er der interessierten Öffentlichkeit schon Jahre vorher für die Zukunft: "Ich werde nie Golf spielen. Erstens ist das für mich kein Sport, und zweitens habe ich noch regelmäßig Sex." Weiß einer, ob das mit dem Verzicht aufs Golfen immer noch so ist? Wie dem auch sei: herzlichen Glückwunsch, alles Gute und Glück auf zum 50. Geburtstag, lieber Mehmet Scholl!

Quelle: ntv.de