Fußball

Fußball-Zeitreise, 23. 2. 1991 Wie Uli Hoeneß den FC Schalke 04 narrte

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Uli Hoeneß fädelte damals den Mihajlovic-Deal zum FC Schalke 04 geschickt ein.

(Foto: imago/WEREK)

Der Wechsel von Radmilo Mihajlovic vom FC Bayern zum FC Schalke 04 ist in die Geschichte der Fußball-Bundesliga eingegangen. Dank eines teuflischen Tricks von Uli Hoeneß. Mihajlovic' Glück auf Schalke verhinderte dann allerdings der legendäre Dr. Steadman.

Es klingt fürchterlich abgedroschen, stimmt aber: Der Fußball schreibt die verrücktesten Geschichten. Am 23. Februar 1991 schoss tatsächlich ein gerade eben erst vom FC Bayern verpflichteter Spieler das 1:0 für den FC Schalke 04 bei Eintracht Braunschweig. Doch es war nicht der mit viel Tamtam in die zweite Bundesliga transferierte Jugoslawe Radmilo Mihajlovic, sondern der große Unbekannte, ein 23 Jahre junger Mann namens Thorsten Wörsdörfer. Sein Treffer in der 83. Minute sollte sein einziger für die Königsblauen bleiben. Bereits im Sommer verließ er den S04 wieder gen Süden zu den Stuttgarter Kickers.

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Radmilo Mihajlovic ist dank seines Wechsels zum FC Schalke 04 zur Legende geworden.

(Foto: imago sportfotodienst)

Heute ist Worsdörfer vergessen. Die Geschichten über Radmilo Mihajlovic hingegen erzählt man sich in München und auf Schalke stets immer wieder aufs Neue und mit wachsender Begeisterung. Als die Königsblauen damals im Februar 1991 den Bayern-Spieler in der Winterpause verpflichteten, kam es zu einer kleinen, aber umso legendäreren Privatfehde zwischen dem Schalker Präsidenten Günter "Sonnenkönig" Eichberg und Uli Hoeneß. Die Geschichte des Streits gelangte an die Öffentlichkeit, weil sich der Manager der Münchner im Nachhinein diebisch freute, dass er die Ablösesumme durch einen Trick um eine halbe Million hatte anheben können.

Eigentlich war schnell alles klar gewesen zwischen den Vereinen: Schalkes Manager Helmut Kremers hatte als fixen Betrag 2,5 Millionen Deutsche Mark mit den Bayern ausgehandelt. Doch Eichberg wollte lieber selbst ran und verkündete, noch bevor die Verträge unterschrieben waren, etwas voreilig den Wechsel des Jugoslawen nach Gelsenkirchen. Das passte Hoeneß überhaupt nicht. Er ließ Eichberg ausrichten: So nicht! Der konterte selbstsicher: "Der Hoeneß glaubt immer noch, dass er der Größte ist. Der kann mich mal am Hobel blasen."

"Der Hoeneß kann mich mal am Hobel blasen"

München stellte sich ein wenig bockig, Eichberg legte noch etwas drauf, und Mihajlovic bekam schließlich doch noch die Erlaubnis zum Wechsel. Hoeneß jubilierte: "Hätte der Kremers die Verhandlungen geführt, wäre Mihajlovic eine halbe Millionen billiger gewesen. Wenn wir mit solchen Komödien immer 500.000 Mark verdienen, dann darf mich der Eichberg so oft am Hobel blasen, wie er will. Er braucht nur Ort und Zeitpunkt bekannt geben. Ich bin sofort bereit." Das war weitgehend die Version, die Hoeneß verbreitet hatte. Doch viele Jahre später erzählte Eichberg seine Sicht der Dinge. So berichtete er unter anderem, dass es weit mehr als die kolportierten 2,5 Millionen gewesen seien.

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Er habe damals nämlich fünf Millionen Mark bezahlen müssen. Das wisse er deshalb noch so genau, weil er sie aus seiner Privatschatulle entrichtet hatte. Und auch das Handgeld, das Mihajlovic kassierte und nicht versteuerte hatte, habe er bezahlt. Viel Geld sei das gewesen - selbst für ihn. Das wäre allerdings alles nicht so schlimm gewesen, hätte der Jugoslawe ihn und den FC Schalke 04 damals nicht so teuflisch geschickt ausgetrickst. Die Geschichte werde ihn, so Eichberg, sein Leben lang verfolgen, denn bei der Realisierung dieser Sache sei der FC Bayern nicht ganz unschuldig gewesen. Als es bei den Gehaltsverhandlungen stockte, habe Mihajlovic immer wieder eine Münchener Nummer angerufen: die Geschäftsstelle des FC Bayern. Und dort berieten ihn mit viel Geduld und Feuereifer Präsident Fritz Scherer und Manager Hoeneß. Irgendwann sei es ihm zu bunt geworden, erzählte Eichberg, und da habe er zu Mihajlovic gesagt, dass er jetzt aufs Klo ginge und wenn er wiederkomme, dann habe er entweder unterschrieben oder eben nicht.

Mihajlovic' heißer Draht nach München

Und tatsächlich hatte der Jugoslawe beim Handgeld eine Summe eingesetzt, die sehr nah an dem Wert war, den er, also Eichberg, vorgeschlagen hatte. Das habe ihn natürlich gefreut, berichtete der damalige Präsident des FC Schalke 04. Doch dann kam das große Erwachen: "Erst drei Tage später habe ich dann bemerkt, als ich mir das noch einmal angeguckt habe, dass dieser kleine Sausack ein Dollarzeichen davor gemacht hatte." Und ob DM oder Dollar - das war damals ein Riesenunterschied.

Auf Schalke wurde der Stürmer jedoch nicht recht glücklich. Und das lag an einer anderen kuriosen Geschichte, die bereits in München ihren Ursprung hatte. Anfang der neunziger Jahre reiste die Bundesliga bei speziellen Verletzungen neuerdings immer nach Colorado zu Dr. Richard Steadman. In seinem Amerika-Urlaub hatte Bayerns Mannschaftsarzt Dr. Müller-Wohlfarth einen Fachmann für Knieverletzungen kennengelernt, und nun wurden die maladen Stars per Flugzeug nach Vail geschickt. Angeblich sollten die Operationsnarben von Dr. Steadman schneller als die bei seinen deutschen Kollegen verheilen. Doch genau diese fanden die neue Konkurrenz aus Übersee natürlich nicht ganz so prickelnd.

Plötzlich auch am anderen Bein operiert

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23. Februar 1991: Mihajlovic spielt mit den Schalkern in Braunschweig. Das Tor aber schießt ein anderer.

(Foto: imago sportfotodienst)

Vor allem, weil der Arzt aus Colorado spezialisiert war auf die Knie von Footballern. Doch Müller-Wohlfarth ließ dieses Argument nicht gelten und entgegnete spitzfindig: "Steadman hat selbst Fußball gespielt, als er mit der US Army in Bad Tölz stationiert war." Mihajlovic wünschte sich allerdings nach seiner Reise in die USA, er wäre nie dort gewesen.

Eigentlich hatte er sich nur mit einem Schaden an der linken Patellasehne auf den Operationstisch gelegt; als er aber aufwachte, musste er feststellen, dass auch sein anderes Bein schmerzte: "Steadman hat mich auch gleich am rechten Knie operiert, weil das angeblich in zwei Jahren auch fällig gewesen wäre. Mit diesem Knie habe ich die größten Probleme." Und genau diese Probleme sollte er nie mehr loswerden. Auf Schalke schoss er in 58 Spielen immerhin noch zwölf Tore. Danach wechselte er in der Bundesliga zu Eintracht Frankfurt, aber auch dort wurde Mihajlovic nicht recht glücklich. Auf ewig unvergessen bleibt jedoch seine irre Wechselgeschichte, die man sich auch in fünfzig Jahren noch gerne erzählen wird. Auch wenn bei seinem Debüt auf Schalke damals am 23. Februar 1991 ein anderer ehemaliger Spieler des FC Bayern traf.

Quelle: n-tv.de

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