Fußball

WM-Countdown (22) Wir müssen über die Matrjoschka reden

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Keine WM-Puppen, sondern "normale": Matrjoschkas bei einer Spielwarenmesse in Nürnberg im Jahr 2013.

(Foto: picture alliance / dpa)

Den Reinen ist alles rein. Alle anderen sehen im Bild einer pfeifenden Matrjoschka, die als Souvenir der Fußball-Weltmeisterschaft gedacht ist, etwas völlig anderes. Das Ergebnis: ein großer Spaß mit Photoshop.

Was ist klischee-russischer als eine Matrjoschka? Nicht viel. Ein Balalaika spielender Bär vielleicht oder ein Dokument, das erst dann gültig ist, wenn jemand 17 Stempel draufgemacht hat, die meisten davon rund. Aber dann haben wir es auch schon. Die Matrjoschka, eine hohle Holzpuppe mit anderen Holzpuppen im Inneren, ist das russische Souvenir, das unsere Besucher am liebsten für ihre Kinder mitnehmen. Manche Menschen sehen in dem Wesen, das immer wieder eine neue Variante von sich offenbart, je mehr man sich mit ihm beschäftigt, sogar eine Metapher für Russland selbst. Selbst russische Unternehmensberater setzen die Matrjoschka ein, um Ausländern zu zeigen, wo sie beim Investieren in Russlands Hilfe brauchen (Video unbedingt bis zum Schluss gucken wegen der unglaublich langen, gekünstelten Winkerei am Ende).

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Matrjoschkas gibt es nicht nur mit Frauengesichtern, sondern auch mit Trump und Putin, mit den Simpsons, mit Fußballspielern, Raumschiffen und sowjetischen Zeichentrickfiguren. Kein Wunder also, dass zur Fußball-Weltmeisterschaft findige Souvenirhändler eigene Varianten der Holzfigur ins Sortiment nehmen. Eine davon macht gerade als Foto die Runde auf russischen Internetseiten, ausgelöst von einem betont sachlich formulierten Tweet:

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"Souvenir zur WM 2018. Eine Matrjoschka mit Pfeife im Mund. ¯\_(ツ)_/¯" Der Shruggie am Ende sagt alles: dass die Sache vielleicht nicht ganz so simpel ist, wie sie hier präsentiert wird. Dass hinter dem betont harmlosen Text die Möglichkeit für ziemlich schmutziges Gelächter liegt. Dass, wer immer diese Pfeife gemalt hat, ein besonders reines Herz gehabt haben muss, damit ihm nicht auffällt, wonach sie durchaus auch aussieht. Wer noch nicht erkennt, was mit diesen Andeutungen gemeint ist: Ein Twitterer hat als Kontext mal einen Passanten hinzumontiert. Vielleicht wird es damit klarer.

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War ja klar, dass ein Bild wie dieses die Photoshopper und Meme-Bastler auf den Plan ruft. Die Sprecherin des Außenministeriums wurde matrjoschkifiziert, Präsident Putin ebenfalls. Es gibt eine Briefmarkenversion der Puppe mit der seltsamen Pfeife und dieses Gruppenfoto, auf dem drei solche Matrjoschkas zusammen posieren. "Besser, ihr wisst nicht, wo meine Pfeife ist", grinst die mittlere.

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Man sollte an dieser Stelle vielleicht kurz klarstellen, dass das hier keine offizielle, linzensierte, von der Fifa überprüfte und abgenickte Matrjoschka ist. Die gibt es auch, klar - mit mehr oder weniger hübsch aufgemaltem Maskottchen oder der Corporate Identity der WM. Bei einer anderen Variante steht jede Holzpuppe für eine andere Gastgeberstadt - auch, wenn mir da bitte mal jemand erklären müsste, warum Nischni Nowgorod mit mehr als einer Millionen Einwohnern von einer kleineren Puppe dargestellt wird als Sotschi mit nicht mal 400.000. Aber gut, vielleicht ist das aktuell jetzt nicht die dringlichste Frage. Sondern vielmehr: Wie bekomme ich bis zum Eröffnungsspiel Mitte Juni nun dieses Bild wieder aus dem Kopf, bei dem die komplette russische Nationalmannschaft das Gesicht der Pfeifenmatrjoschka trägt?

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Wie das halt immer so ist: Wenn man es einmal gesehen hat, dann kann man es nicht mehr ent-sehen - auch, wenn man es gerne möchte. Da hilft nur Ablenkung, wie bei einem Ohrwurm, der sich bloß durch einen anderen Ohrwurm vertreiben lässt. Darum hier also, als visuelles Gegengift, ein Bär mit einer Balalaika. Nichts zu danken.

Quelle: n-tv.de