Fußball

Wolverhampton richtig mies draufPleite-Klub könnte Liverpool doppelt zur Lachnummer machen

02.03.2026, 19:09 Uhr Bild-AnjaVon Anja Rau
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Rob Edwards jubelt wie bei der Meisterschaft. Dabei gab es gerade erst den zweiten Saisonsieg für die Wolverhampton Wanderers. (Foto: Action Images via Reuters)

29 Spiele, zwei Siege - diese verheerende Bilanz gehört zu den Wolverhampton Wanderers. Wahrscheinlich steht das Team noch im März als Absteiger aus der Premier League fest. Als Nächstes steht der FC Liverpool dem Klub gleich zweimal gegenüber.

Die Spieler tanzten, wirbelten ihre Trikots durch die Luft und lachten. Trainer Rob Edwards schrie durch die Kabine, forderte mehr Eskalation: Bei den Wolverhampton Wanderers herrscht Partystimmung.

Dabei ist der Klub 20. und damit Letzter der Premier League. Abgeschlagen. Der Abstieg sehr wahrscheinlich. Die Freude hatte einen grotesken Grund: Gegen Aston Villa gelang der zweite Sieg. Im 29. Spiel der Premier-League-Saison. Edwards sagte danach: "Ich glaube, alle erwarten, dass sie bei uns auftauchen und gewinnen, was angesichts des bisherigen Saisonverlaufs verständlich ist."

Das 2:0 im Derby gegen den überraschenden Aspiranten auf die Champions League ist ein Riesenerfolg. Trotzdem trennen die Wolves 14 Punkte vom Nicht-Abstiegsplatz, von Rang 17 - trotz bereits eines absolvierten Spiels mehr.

Erst im 20. Spiel hatten die Wolves den ersten Sieg feiern können, ein 3:0 gegen Mit-Abstiegskandidat West Ham United. Es brauchte neun weitere Spiele bis zum nächsten Erfolg. Die Bilanz ist verheerend: 20 Pleiten, 7 Remis, gerade einmal 13 Punkte.

Geht es nach dem Marktwert, wäre der Abstieg nicht verwunderlich. Obwohl zwölf A-Nationalspieler für den Klub auflaufen, ist der aktuelle Gesamtmarktwert der Wolves laut transfermarkt.de mit 278,35 Millionen Euro der zweitniedrigste der Liga. Nur Mit-Abstiegskandidat Burnley hat noch weniger (251,65 Mio.). Ligaführend sind Manchester City mit einem Gesamtmarktwert von 1,29 Milliarden Euro und der Tabellenführer FC Arsenal mit 1,27 Milliarden Euro. Mit dem FC Chelsea (1,16 Mrd.) und dem FC Liverpool (1,04 Mrd.) knacken zwei weitere Teams die Milliardengrenze. Zum Vergleich: Bundesliga-Krösus FC Bayern hat einen Gesamtmarktwert von 959,95 Millionen Euro, der BVB als Zweiter hat schon nur noch 484,40 Millionen Euro. Würden die Wolves in der Bundesliga spielen, hätten nur sechs Klubs einen wertigeren Kader.

Trainer Edwards war schon als Spieler bei den Wolves

Als Trainer Edwards den Job Mitte November übernahm, hatte das Team bis dahin als größte Erfolge zwei 1:1 in der Liga gegen Tottenham Hotspur und Brighton & Hove Albion stehen. Zu wenig für Vitor Pereira, der in der Saison 2016/17 mit dem TSV 1860 München aus der 2. Bundesliga abgestiegen war. Nach 38 Spielen war Schluss für den Portugiesen. In der laufenden Saison gab es unter ihm acht Pleiten und zwei Unentschieden in der Liga.

Es folgte also Edwards, der 2016 schonmal interimsweise beim Klub ausgeholfen hatte und von 2004 bis 2008 als Spieler für die Wolves aufgelaufen war. Die Wolves eisten ihn aus seinem laufenden Vertrag beim Zweitligisten FC Middlesbrough los. Doch es dauerte auch unter dem 43-Jährigen lange bis zum ersten Erfolg. Sieben Spiele, sieben Niederlagen waren der Einstieg des Walisers.

Die sportliche Krise hatte auch Auswirkungen auf den gesamten Klub. Die Kritik der Fans war im Dezember ins Unermessliche gewachsen. Zu viel für Geschäftsführer Jeff Shi. Nach mehr als acht Jahren beim Klub - Aufstieg 2018, FA-Cup-Halbfinale 2019, Viertelfinale der Europa League 2020 inklusive - ging er als Sündenbock. Mit dem Wissen, dass die Wolves das schlechteste Team der Premier-League-Geschichte seit 137 Jahren sind. Er blieb als Chef der Fosun Sports Group, ein chinesisches Investmentunternehmen, das die Wolves im Jahr 2016 gekauft hatte. Und auch sein Name blieb als Geschäftsführer, den Posten übernahm interimsweise Nathan Shi, der seit 2016 für Fosun arbeitet und trotz desselben Nachnamens nicht mit Jeff Shi verwandt ist.

Kleine "Erfolgsserie" endete nach fünf Partien

Ob damit zusammenhängend oder zufällig: Als Shi durch Shi ersetzt wurde, folgte sportlich ein kleines Aufatmen. Gegen Manchester United holten Edwards und sein Team beim 1:1 den ersten gemeinsamen Punkt - und starteten eine kleine "Erfolgsserie": Der Sieg gegen West Ham, dann das 1:1 gegen den FC Everton und das 0:0 gegen Newcastle United - dazu noch der 6:1-Sieg in der dritten Runde des FA-Cups gegen Viertligist Shrewsbury Town.

Fünfmal in Folge verloren sie nicht - dann war es auch schon wieder dahin. Drei Niederlagen in Folge, dann aber wieder zwei Unentschieden in der Liga - ein 2:2 dabei gegen Tabellenführer FC Arsenal - plus der 1:0-Sieg in der 4. Runde des FA-Cups gegen Viertligist Grimsby Town. Womöglich war der 2:0-Erfolg gegen Villa der Auftakt zu einer neuerlichen Serie? Dann müsste sich der FC Liverpool in Acht nehmen. Denn die beiden Teams treffen jetzt gleich doppelt aufeinander. Erst in der Liga (Dienstag, 21 Uhr/RTL+ und im ntv.de-Liveticker), am Wochenende dann im Achtelfinale des FA-Cups. Das Liga-Hinspiel hatte das Team um DFB-Star Florian Wirtz 2:1 gewonnen - Wirtz hatte dabei sein erstes Tor für die Reds geschossen.

Schlechte Nachricht für Liverpool, eine gute für die Wolves: Der deutsche Offensivmann wird die beiden Partien voraussichtlich verpassen. Der 22-Jährige hat Rückenprobleme, fiel zuletzt schon zwei Ligaspiele aus. "Das Spiel morgen kommt wahrscheinlich zu früh, und vielleicht auch das Spiel am Wochenende. Mal sehen, wie es ausgeht", sagte Teammanager Arne Slot. Als Tabellenfünfter hinkt der amtierende Meister seinen eigenen Ansprüchen weit hinterher. Alles andere als zwei Siege gegen Wolverhampton wären für Slot und Co. aber ein absolutes Desaster.

Historisch nicht das schlechteste Team

Allein schon, weil die Wolves einfach zu wenig Tore schießen. Mit 20:51 (-31) haben die Wolves die schlechteste Torbilanz der Liga. Das zeigt sich auch daran, dass Joao Gomes beim Sieg gegen Villa sein erstes Saisontor gelang, obwohl der zentrale Mittelfeldspieler 27 Saisonspiele absolvierte, zumeist über die volle Distanz. In der 61. Minute konnte er jubeln, ehe sein Teamkollege Rodrigo Gomes in der 90.+8 zum 2:0-Endstand vollendete. Für den Portugiesen war es immerhin schon das zweite Saisontor.

Nur noch neun Ligaspiele bleiben den Wolverhampton Wanderers, den Abstieg irgendwie zu verhindern. Immerhin: Alle Spitzenteams außer Liverpool haben sie bereits hinter sich gebracht. Gegen die beiden Klubs, die mit ihnen auf den Abstiegsplätzen stehen - FC Burnley und West Ham - geht es noch im direkten Duell. Immerhin: Das Team hat mit dem Erfolg gegen Aston Villa bereits einen Sieg mehr als das schlechtete Team der Premier-League-Historie. Derby County gewann in der Saison 2007/08 nur einmal, holte insgesamt nur elf Punkte und hatte schließlich eine Tordifferenz von -69. Southampton blieb in der Vorsaison bei zwölf Punkten, zwei Saisonsiegen und einer Tordifferenz von -60. Beide haben die Wolves jetzt schon überholt. Dennoch ist ein Abstieg noch in diesem Monat rechnerisch möglich.

Sollte andererseits das Wunder gelingen und die Wolves in der Liga bleiben: Gar nicht auszumalen, wie die Kabinenparty dann ausfällt.

Quelle: ntv.de

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