Fußball

Wenn RB in die Königsklasse will Zorniger ist das Opfer der Leipziger Logik

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Alexander Zorniger ist der Kündigung im Sommer zuvor gekommen und mit sofortiger Wirkung vom Traineramt bei RB Leipzig zurückgetreten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Alexander Zorniger ist nicht mehr Trainer von RB Leipzig. Die sportliche Krise gilt als Grund für die Trennung. Doch sie kaschiert nur die Differenzen zwischen Coach und Vorstand über die Entwicklung des Klubs.

Eigentlich ist doch nichts Großartiges passiert. Ein ambitionierter Zweitligist holt aus sechs Spielen nur einen Sieg. Das kommt vor. Der Trainer steht in der Kritik. Das ist dann eben so. Der Verein sagt ihm, dass im Sommer Schluss ist. Dem Trainer ist das zu blöd - er geht sofort. So läuft das Geschäft. Eine Meldung, die normalerweise vor allem die Fans des betroffenen Klubs interessiert - und die Konkurrenten im Ligabetrieb. Wenn aber RB Leipzig als Tabellensiebter seinem Trainer Alexander Zorniger die Kündigung ausstellt, dann ist der Aufschrei groß: Drehen Rangnick und Co. jetzt völlig am Kabel?

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Ralf Rangnick will mit Red Bull möglichst schnell in die Bundesliga aufsteigen.

(Foto: dpa)

Nein, tun sie nicht. Sie machen das, was sie tun müssen. Zumindest ihrer eigenen Logik folgend. Aufsteiger Leipzig kickt (noch) in der 2. Fußball-Bundesliga. Aber das ist auch wirklich das Einzige, was bei der hochgerüsteten Red-Bull-Filiale zweitklassig ist. Das Stadion top, das Trainingszentrum hochmodern, die Investitionen europapokalverdächtig - und selbst der Zuschauerschnitt ist mit 26.300 Besuchern pro Spiel oberhaustauglich.

Was also kann so ein Klub für ein Ziel haben, wenn nicht den direkten Durchmarsch in die 1. Bundesliga? Und was tut ein Klub, wenn er seine Ziele in Gefahr sieht? Er reagiert. Die Rasenball-Verantwortlichen haben das also auch getan. Und sie haben das gemacht, was jeder andere Profiverein auch gemacht hätte. Sie haben ihrem Trainer gekündigt. Zwar erst zum Sommer, aber was macht das für einen Unterschied? Denn um sein Gesicht zu wahren, blieb Zorniger eigentlich nichts anderes übrig, als sofort zu gehen. Das werden die Chefs möglicherweise so mit einkalkuliert haben. Da wo Geld regiert, ist für Dankbarkeit eben kein Platz. Das gilt nicht nur dort im Osten.

Die kleine sportliche Krise scheint ein willkommener Anlass, um den zurückhaltenden Zorniger frühzeitig loszuwerden. Leipzig steht nicht an der Spitze, nun gut. Aber das Team ist von Aufstiegsrang zwei nur sechs Punkte entfernt, auf den Relegationsplatz ist es noch ein Punkt weniger. Der Aufstieg ist bei noch ausstehenden 14 Spielen definitiv möglich. Doch der Trainer trat stets auf die Bremse. "Ein weiteres Jahr zweite Liga würde dem Umfeld guttun. Wenn du immer sofort den nächsten Schritt machst, bekommst du keine Demut", sagte Zorniger Ende November der "Sport Bild".

Rangnick und Red-Bull-Mäzen Dieter Mateschitz sehen das anders. Beide wollen ganz schnell nach oben. In die Bundesliga, in den Europapokal, in die Champions League. Und so stellte Rangnick gegenüber dem "Kicker" klar: "Ein Aufstieg kann nie zu früh kommen." Mateschitz unterstreicht das. "Wir haben das in Leipzig immer mit raschestmöglich definiert. Geplant wäre der Aufstieg für heuer", erklärte der Red-Bull-Mäzen gegenüber der "Kleinen Zeitung".

Zorniger konnte oder wollte das Tempo der großen Strippenzieher nicht mitgehen. Mit seiner ruhigen, besonnenen Art passt er nicht in die nach schnellem Glamour und internationalem Ruhm gierende Leipziger Fußball-Welt. Rangnick und Co. haben das erkannt. Sie haben die Reißleine gezogen - die kleine sportliche Krise war da sicher ein willkommenes Argument.  

Quelle: ntv.de