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Obacht: Auch die richtige Handyhülle dürfte in Russland kaum ausreichenden Schutz bieten.
Obacht: Auch die richtige Handyhülle dürfte in Russland kaum ausreichenden Schutz bieten.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 22. März 2018

WM-Countdown (84): Zur Fußball-WM besser ohne Smartphone?

Von Katrin Scheib, Moskau

Stell dir vor, es ist Weltmeisterschaft in Russland - und dein Handy fährt nicht hin. Dazu rät jedenfalls das NRW-Innenministerium seinen Mitarbeitern. Aber worauf müssen normale WM-Besucher in Sachen Datenschutz achten?

Das ist schon ein bemerkenswertes Rundschreiben, das das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen an seine Mitarbeiter geschickt hat. Es richtet sich auf drei Seiten gezielt an die Fans im Ministerium, um ihnen "Sicherheits- und Reisehinweise für private Reisen zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland" mit auf den Weg zu geben. Drei Knackpunkte hat das Ministerium dabei ausgemacht.

1. Dass die Fan-ID weniger ein kundenfreundlicher Visumsersatz und eher ein großflächiges Datenabschöpfprojekt ist, ist auch im Ministerium aufgefallen. "Die für die Beantragung der Fan-ID anzugebenden Daten sind umfangreich", heißt es in dem Schreiben, und zwar "Nachname, Vorname, Vatersname, Geburtsdatum, Geschlecht, Angaben zum Personaldokument (...), Staatsangehörigkeit, Eintrittskartennummer oder Bestellnummer, Foto, (...) Mobiltelefonnummer, E-Mailadresse und die Zustelladresse." Man kann förmlich sehen, wie beim Tippen dieser Liste die Augenbraue des Verfassers immer höher rutscht - mit Recht.

Katrin Scheib.
Katrin Scheib.(Foto: Pascal Dumont)

2. Weil diese Daten nicht bei irgendeinem freundlichen Kartenabreißer am Stadioneingang landen, sondern bei russischen Behörden, erinnert das Ministerium seine Mitarbeiter noch mal daran, dass sie für den Antrag auf die Fan-ID keine dienstliche Mailadresse, Handynummer oder Postadressen verwenden dürfen.

3. Am deutlichsten ist der letzte Hinweis: Es sei so, "dass auch private IT Ziel einer Ausspähung sein kann. Es wird daher empfohlen, auf die Mitnahme privater IT und Smartphones zu verzichten".

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Hinweise wie dieser sind nicht komplett ungewöhnlich. Kristian Frigelj schreibt in der "Welt" zum Beispiel, dass im Herbst 2017 ein ähnliches Rundschreiben verschickt wurde, bei dem es um Reisen in die Türkei ging. Zur gleichen Zeit wurde bekannt, dass auch der englische Fußballverband Regeln erlassen hat, damit seine Spieler und der Trainerstab nicht ausspioniert werden: Sie sind angewiesen, sich während des Aufenthalts in Russland nicht in öffentliche WLANs einzuwählen, auch nicht im Mannschaftshotel.

Was heißt das also für den durchschnittlichen WM-Reisenden? Für den, der weder beim Innenministerium arbeitet noch in der englischen Nationalmannschaft spielt? Er sollte sich zunächst einmal bewusst sein, dass es in Russland tatsächlich passieren kann, dass jemand versucht, auf seine Daten zuzugreifen. Das ist erst mal kein russisches Alleinstellungsmerkmal, das Risiko gibt es auch in anderen Ländern - wo es Kriminelle gibt, gibt es auch Interesse an deinem Online-Banking, deinen Passwörtern, deinen Daten in der Cloud. Wahrscheinlich ist in Russland aber die Gefahr größer als anderswo, dass staatliche oder staatsnahe Stellen versuchen, an die Daten von WM-Besuchern zu kommen.

Also: benutzen oder nicht?

"Was sollen die denn von mir schon wollen, ich hab keine interessanten Daten" ist hier ein ähnlich schwaches Argument wie "Ich hab nix zu verbergen" damals in der Debatte um die Vorratsdatenspeicherung. Anders gesagt: Als westlicher Journalist in Russland weißt du, dass du entweder abgehört wirst oder es, wenn du interessant wirst, werden kannst. Und schon sind auch deine Freunde interessant. Oder deren Freunde. Und was, wenn es nicht ein Journalist ist, den du kennst, sondern ein Anwalt, ein Menschenrechtler, ein Manager eines Unternehmens? Nur zu überlegen, ob man selber attraktive Daten zu bieten hat, reicht eben nicht.

Der Durchschnittsfan mit den Durchschnittsdaten muss abwägen - so, wie er das hoffentlich auch zu Hause tut, wenn er eine neue App auf dem Handy installiert oder seinen Standort für einen Dienstleister freigibt: Wie wichtig ist mir Komfort, und wie wichtig Datenschutz?

Als erste Übung kann ja mal jeder für sich die Frage beantworten: Kostenloses WLAN in der Moskauer Metro. Jeder kann sich per Fan-ID dort anmelden und ist damit dann hundertprozentig identifizierbar. Also: benutzen oder nicht? Keine Bange, es gibt nicht die eine richtige oder falsche Antwort. Es gibt nur Nachdenken. Und davon hoffentlich mehr als nur die paar Minuten, die man braucht, um ein dreiseitiges Rundschreiben zu lesen.

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de