Redelings Nachspielzeit

Schmähungen gegen HoppAls die BVB-Fans mit einem irren Gerät ausgeschaltet werden sollten

18.04.2026, 05:57 Uhr Ben-RedelingsVon Ben Redelings
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So sah die Appartur aus. (Foto: imago sportfotodienst)

Es war eine irre Aktion und ein echter Skandal. Vor 15 Jahren ertönt beim Heimspiel der TSG Hoffenheim gegen Borussia Dortmund immer dann ein "sehr lautes, schrilles Geräusch", wenn die BVB-Fans Schmähgesänge gegen Dietmar Hopp anstimmen. Schnell stellt sich heraus, dass das kein Zufall war.

"Bei allem, was mir heilig ist, kann ich schwören, das nicht gewusst zu haben. Stellen Sie sich doch mal vor, es wäre so gewesen und dann herausgekommen? Das wäre ja ultrapeinlich." Hoffenheims allmächtiger Vereinsboss Dietmar Hopp konnte vor 15 Jahren den Medien mit einem reinen Gewissen gegenübertreten. Denn tatsächlich sollte sich damals recht schnell herausstellen, dass der äußerst skurrile Skandal der Saison nicht auf seine Kappe ging. Und das war auch gut so. Denn das wäre in diesem Fall auch tatsächlich "ultrapeinlich" gewesen.

Schließlich hatte es so etwas in der langen Geschichte der Fußball-Bundesliga zuvor noch nie gegeben. Im Sommer des Jahres 2011 wurde beim Spiel zwischen der TSG Hoffenheim und Borussia Dortmund die Fankurve des BVB mit einem fiesen Störgeräusch beschallt. Jens Volke, der damalige Fanbeauftragte der Borussia, sagte nach der Partie: "Das war ein sehr lautes, schrilles Geräusch, das immer dann zu hören war, wenn Schmähgesänge angestimmt wurden." Und tatsächlich: Immer dann, wenn der Block der knapp 3000 mitgereisten Anhänger anfing, Schmähgesänge gegen den Mäzen Dietmar Hopp oder gegen die Heimmannschaft zu intonieren, wurde eine Maschine, die aus einem Sender und zwei Lautsprechern bestand und auf einem Rollbrett befestigt war, gestartet.

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Nach Protesten des BVB hieß es nach ersten Dementis aus Hoffenheim schließlich, ein einzelner Mitarbeiter habe nach "eigener Aussage 'ein Gegenmittel' gegen die aus seiner Sicht nicht mehr erträglichen Beleidigungen gegenüber Herrn Dietmar Hopp einsetzen" wollen. Er allein habe die Maschine entwickelt, ins Stadion geschmuggelt und eingesetzt. Deshalb habe auch nur er diese Tat zu verantworten. Niemand habe ihn beauftragt und er habe aus freien Stücken gehandelt, so der Mann. Und auch eine andere Frage klärte sich schnell: Seine Apparatur habe er deshalb ohne Probleme ins Stadion bringen können, weil er dort als Hausmeister beschäftigt gewesen sein sollte.

Da "hilft auch keine Hochfrequenz"

Beobachter vor Ort berichteten, dass offensichtlich die Maschine per Fernbedienung immer dann gestartet wurde, sobald die BVB-Fans ansetzten gegen Dietmar Hopp zu hetzen. Was allerdings Augen- und Ohrenzeugen dieser sonderbaren Aktion verwunderte und gegen die Einzeltäter-Theorie sprach: Die zahlreichen Sicherheitsleute, die im Umfeld der Lautsprecher-Apparatur eingesetzt waren, hatten allesamt Kopfhörer auf. Und dann musste Hoffenheim auch noch kurz darauf eingestehen, dass schon zuvor bei der Partie der vergangenen Saison gegen Borussia Dortmund und zudem bei den Spielen gegen den FSV Mainz 05, den 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt die Maschine im Einsatz gewesen sei.

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Die Aktion, die nach Aussage des Übeltäters einen eher "scherzhaften Charakter" gehabt haben sollte, sorgte natürlich in Fußballdeutschland für große Verwunderung. Nicht wenige (wie Thilo Danielsmeyer vom "Dortmunder Fanprojekt": "So etwas muss doch vom Verein bezahlt worden sein") vermuteten, dass auch die TSG Hoffenheim selbst von der Maschine gewusst haben musste. Die Liga jedenfalls reagierte insgesamt skeptisch. Doch die Anhänger des FC Augsburg konnten in ihrem Heimspiel gegen Hoffenheim mit einer sehr humorvollen Aktion punkten. Sie hingen ein Spruchband mit dem Slogan "Gegen mangelnde Fußballkompetenz hilft auch keine Hochfrequenz!" auf.

Gegen die Schmähgesänge hatte die Maschine trotz des unangenehmen Geräuschs nur wenig ausrichten können. Und so intonierten und zeigten die BVB-Fans auch in den Folgejahren mit zahlreichen Aktionen (von denen vor allem das "Hopp im Fadenkreuz"-Banner für großes Aufsehen sorgte) ihren Unmut gegen das Modell Hoffenheim des Klubmäzens Dietmar Hopp. Im Jahr 2020 war das Fass für Hopp, der selbst auch immer wieder Anzeige erstattet hatte, und den DFB schließlich und endgültig übergelaufen. Und so wurden die Anhänger der Borussia mit einer Auswärtsspiel-Sperre gegen Hoffenheim über drei Jahre belegt. Doch auch das änderte wenig. Die Feindseligkeiten halten bis heute an.

Quelle: ntv.de

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