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Nach unbestätigten Informationen, die sich n-tv.de exklusiv ausgedacht hat, müssen die Spieler des Hamburger SV im Falle des Abstiegs in der kommenden Saison diese Trainingsanzüge tragen.
Nach unbestätigten Informationen, die sich n-tv.de exklusiv ausgedacht hat, müssen die Spieler des Hamburger SV im Falle des Abstiegs in der kommenden Saison diese Trainingsanzüge tragen.(Foto: imago/Team 2)
Dienstag, 20. Februar 2018

Redelings über Abstiege: An den HSV: "Das erste Mal tut's noch weh!"

Von Ben Redelings

Abstiege sind immer blöd. Aber beim ersten Mal tut es besonders weh. Nach über 54 Jahren droht dieses Schicksal nun auch den Fans des Hamburger SV. Unser Kolumnist ist da erfahrener - und wird die Gefühle beim ersten Abstieg niemals vergessen.

"Das erste Mal tat es noch weh. Beim zweiten Mal nicht mehr so sehr. Und heute weiß ich, daran stirbt man nicht mehr." Als Stefan Waggershausen und Viktor Lazlo Anfang der 1990er-Jahre ihr Lied "Das erste Mal tat's noch weh" sangen, war ich gerade 15 Jahre alt geworden und mein VfL Bochum spielte zu dieser Zeit seit über 19 Jahren ununterbrochen in der Fußball-Bundesliga. Drei Jahre später feierte ich meine Volljährigkeit und wir, die "Unabsteigbaren", kickten plötzlich nur noch in der zweiten Liga. Und ja, das tat weh - denn mein ganzes Leben lang war ich daran gewöhnt gewesen, dass wenigstens einmal in der Saison der FC Bayern München bei uns zu Hause an der Castroper Straße Halt macht.

Es war ein eigenartiger, ein ungewöhnlicher und vielleicht für Bochum auch typischer Abgang in die zweite Liga. Groteske Szenen spielten sich am letzten Spieltag der Saison 1992/1993 im Ruhrstadion ab. Die Fans feierten die Mannschaft und Trainer Jürgen Gelsdorf, sie trugen Spieler wie Holger Aden unter dem Jubel der Zuschauer huckepack durch das Stadion. Durch die finanziellen Unregelmäßigkeiten bei Dynamo Dresden bestand noch ein kleines Stück Hoffnung, dass der DFB den Klub aus dem Fußball-Osten zum Zwangsabstieg verdonnern würde.

Als diese Hoffnung zerbrach, entwickelte sich eine Trotzreaktion, die in einer "Kultfahrt" am ersten Spieltag der zweiten Liga Ende Juli 1993 nach Meppen gipfelte. Ausgerechnet zum SV Meppen, dachten viele. Damals das Synonym für das Ende aller Fußballtage.

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Nur wenige Jahre zuvor hatte der ehemalige Nationaltorwart und damalige Schalke-Keeper Toni Schumacher fluchtartig das Land verlassen, als ihm eine Partie im Emsland drohte: "Ich spiele doch nicht in Meppen, da gehe ich lieber in die Türkei." Doch als der Tag gekommen war, fuhren an einem Wochentag über 8000 Bochumer ins Emsland. Aber was noch viel wichtiger war: Die Welle der Sympathie ebbte die ganze Saison lang nicht ab. Die Mannschaft schaffte den sofortigen und nie gefährdeten Wiederaufstieg.

Und doch weiß ich noch genau, dass sich zuerst alles falsch und ungewohnt anfühlte. Ich war 18 Jahre jung und hatte nie etwas anderes gekannt als die erste Liga. Fans des Hamburger SV können bis in den Sommer 1963 hinein geboren worden sein und haben mit ihrem Verein nie eine andere Liga gesehen. Doch leider gibt es auch für die traurigen Dinge im Leben immer ein erstes Mal. Momentan scheint dieser Augenblick für die Hanseaten so nah wie noch niemals zuvor in der langen Bundesliga-Historie zu sein.

Zelebriert den Moment!

Die Uhr läuft - noch.
Die Uhr läuft - noch.(Foto: imago/Jan Huebner)

Fußball prägt, sagt man. Und in der Tat habe ich auch durch den VfL Bochum gelernt, dass nichts im Leben selbstverständlich ist. Immer erste Liga? Vergiss es. Oder werde Bayern-Fan. Für alle anderen, die sich ihren Klub nicht selbst ausgesucht haben, sondern von ihrem Verein gefunden wurden, gilt: Je eher du akzeptierst, dass dein Schicksal vorbestimmt ist, desto eher wirst du die kleinen Erfolge zu feiern wissen.

54 Jahre ununterbrochen erste Liga. Das Urgestein der Bundesliga. Der Inbegriff eines Traditionsklubs. Man möchte den HSV-Anhängern zurufen: Zelebriert den Moment, feiert diesen großartigen Erfolg, so lange es noch geht. Oder wie es unser Bochumer Radio-Urgestein Günther Pohl einmal so treffend sagte: "Auch beim Abstieg muss man den Tag feiern, weil an dem Tag ist man ja noch Bundesligist, an dem Tag ist man ja noch dabei gewesen. Man weiß ja auch nicht, ob das noch einmal wieder kommt." Doch natürlich fällt das "Feiern" schwer in den Zeiten des Niedergangs und im Angesicht der Ungewissheit. Die Fans fragen sich voller Sorge, was kommen wird, wenn einmal alles zu Ende geht?

Damals, als wir nach dem direkten Wiederaufstieg zum zweiten Mal runter mussten, fühlte sich tatsächlich alles nicht mehr ganz so schlimm an. Man hatte sich an das Gefühl gewöhnt und Vertrauen entwickelt, dass es danach schon irgendwie weitergehen würde. Doch die Emotionen der HSV-Fans in diesen Tagen kann ich nur zu gut nachvollziehen. Leider.

Denn bei uns in Bochum steht auch wieder einmal ein "erstes Mal" klopfend vor der Tür. Es droht der Abstieg in die dritte Liga. Und damit sind alle Ängste und Sorgen wieder ganz frisch und neu. Ob es da helfen könnte, als Berührungsmantra an den letzten Spieltagen der Saison den alten Song von Stefan Waggershausen und Viktor Lazlo leise vor sich hin zu summen? Wohl eher nicht. Denn eins ist leider immer wieder aufs Neue so: Beim ersten Mal tut es noch weh - erst beim zweiten Mal nicht mehr so sehr!

Das Buch unseres Kolumnisten: "55 Jahre Bundesliga - das Jubiläumsalbum" bei Amazon bestellen. Ben Redelings ist mit seinen Comedy-Programmen unterwegs: Infos und Tickets.

Quelle: n-tv.de