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Kein Ball, nur ein Luftloch: Mainz-Torhüter Robin Zentner steigt mit seinem "Schuss" in die "Top fünf der Torhüterpannen" auf.
Kein Ball, nur ein Luftloch: Mainz-Torhüter Robin Zentner steigt mit seinem "Schuss" in die "Top fünf der Torhüterpannen" auf.(Foto: imago/Jan Huebner)
Dienstag, 07. November 2017

Redelings über Fehlgriffe: Die große Torhüter-Pannenshow

Von Ben Redelings

Torhüter und Linksaußen haben einen an der Klatsche, sagt man gerne. Am Wochenende liefert der Mainzer Keeper Zentner auf jeden Fall ein äußerst kurioses Kabinettstückchen ab - und landet damit ganz vorne in der "Top fünf der Torhüterpannen".

Eins ist mal sicher: So ein Ding wie das vom Mainzer Torhüter Robin Zentner am Wochenende bei der Partie der 05er in Mönchengladbach hat es in der fast 55-jährigen Geschichte der Fußball-Bundesliga noch nie gegeben. Wie Zentner statt des Balls, den er vor seinen Füßen vermutete, mit Feingefühl ein Loch in die feuchte Nachmittagsluft im Borussen-Park schoss - das macht ihm so schnell keiner nach.

Und deshalb hat sich Robin Zentner auch völlig zu Recht den Spitzenplatz in der illustren Ahnengalerie der Torhüter-Pannen-Show verdient. Und obwohl er vollkommen richtig vermutet, dass seine kuriose Einlage zum absoluten Alltime-Youtube-Hit werden wird (Pfostenschütze Frank Mill kann ihm ja mal in aller Ruhe erzählen, was das genau in der Realität bedeutet), hat der Mainzer Keeper dennoch einen Trumpf in der Hinterhand: Sein Missgeschick führte wenigstens nicht zu einem Gegentreffer!

Oliver Kahn spielt Faustball

Ebenso wie bei Platz fünf in der Hitparade der "Tops of Torhüterpannen". Einen der spektakulärsten Fehlgriffe in 55 Jahren Bundesliga lieferte niemand Geringeres als der Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn ab. Im März 2001 liegen die Münchner in Rostock 2:3 hinten, als der Bayern-Keeper in der Nachspielzeit beim Eckball nach vorne rennt und die Kugel im Strafraum mit beiden Fäusten ins Hansa-Tor boxt. Eine seltsam irritierende Situation für alle. Am schnellsten schaltet schließlich Schiedsrichter Dr. Markus Merk und zeigt dem Torhüter die Gelb-Rote Karte.

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Platz vier geht an Hertha-Keeper Sascha Burchert. Am achten Spieltag der Saison 2009/10 feiert Hertha-Trainer Friedhelm Funkel gegen den HSV (1:3) seinen Einstand in Berlin. Ein denkwürdiger Tag, vor allem deshalb, weil sein Keeper Sascha Burchert innerhalb kürzester Zeit traurige Berühmtheit erlangt. Nur fünf Minuten nach seiner Einwechslung für den verletzten Timo Ochs eilt Burchert aus seinem Tor und köpft den Ball weg. Leider direkt vor die Füße von David Jarolim. Aus knapp 35 Metern schießt der HSV-Profi die Kugel ins leere Gehäuse. Keine 100 Sekunden später fast die identische Situation. Burchert sprintet raus, köpft, der Ball landet bei Zé Roberto und der versenkt das Leder aus 44 Metern im Netz der Hertha. Nicht nur Trainer Funkel ist konsterniert ob dieser sonderbaren Ereignisse.

Den dritten Platz hat sich Eintracht-Keeper Jürgen Pahl redlich verdient, denn sein Missgeschick ist sicherlich das ungewöhnlichste Eigentor eines Torhüters in der Bundesligageschichte. Als Pahl am 16. Spieltag der Saison 1982/83 in Bremen den Ball abwerfen will, sieht er im letzten Moment, dass sein Adressat Ralf Falkenmayer gar nicht mehr zu ihm zurückschaut, sondern nur nach vorne. Doch der Keeper kann den abgebremsten Schwung nicht richtig kontrollieren. Pahl driftet mit dem ganzen Körper Richtung Boden ab und die Kugel kullert aus seiner Hand - ins Tor hinein. Die Spieler von Werder Bremen jubeln verhalten, aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht, und im Kasten steht ein verzweifelter Eintracht-Torwart. Bereits nach drei Spielminuten ist die Partie vorentschieden. Am Ende gewinnt Werder mit 3:0. Pahl hat sich zur Halbzeit auswechseln lassen. Trotzdem versucht er sich die spektakuläre Aktion im Nachhinein mit einem lockeren Spruch schönzureden: "Solche Eier passieren nur großen Torhütern."

Jörg Butt genießt den Jubel

Oliver Kahn verwechselt die Sportart ...
Oliver Kahn verwechselt die Sportart ...(Foto: imago/Camera 4)

Platz zwei geht an Hans-Jörg Butt. Der Leverkusener Torwart ermöglichte in der Spielzeit 2003/04 dem Schalker Mike Hanke beim Spiel des FC Schalke 04 gegen Bayer Leverkusen (2:3) einen äußerst spektakulären Treffer. Nachdem Bayer-Keeper Hans-Jörg Butt einen Elfmeter für seine Mannschaft wie gewohnt sicher im Tor des Gegners versenkt hat, trabt er gemächlich zurück in seinen Kasten. Unterwegs nimmt er die Glückwünsche seiner Teamkollegen freudig entgegen, winkt in aller Ruhe in die Kurve der Bayer-Fans und reckt seine geballten Fäuste gen Himmel. Schalkes Mike Hanke verfolgt Butts Jubel staunend am Mittelkreis. Zusammen mit Ebbe Sand soll er den Anstoß ausführen, doch sein Mannschaftskamerad hat es nicht eilig. Er ist noch dabei, seine Kollegen aufzumuntern und achtet selbst nicht auf Butt. Ganz anders Mike Hanke. Nervös fixiert er den Leverkusener Torwart, sieht immer noch nur seinen Rücken und denkt: Jetzt muss irgendjemand mal schießen. Und dieser Irgendjemand sollte am besten den Ball direkt auf den Kasten von Butt ballern. Und da Ebbe Sand ausscheidet, tippt Hanke die Kugel kurz an Sands rechtes Bein und haut von dort den Ball in die Gelsenkirchener Luft. Das Leder fliegt wunderschön, immer weiter, über Butt und seine Mannschaftskameraden hinweg, tickt im Fünfmeterraum noch einmal auf und landet dann schließlich und endlich tatsächlich im Tor der Leverkusener. Butt wird hinterher im Fernsehen erzählen, er sei "irgendwie aufgehalten worden"!

Der erste Platz geht völlig verdient an Robin Zentner. Der Mainzer Keeper reagierte nach seinem Missgeschick gegen Mönchengladbach übrigens bemerkenswert besonnen: "Es ärgert mich schon. Es ist schließlich eine Situation, die man nicht haben will. Aber es ist zum Glück nichts passiert. Deswegen kann man irgendwann mal darüber lachen." Wir tun das bereits seit dem letzten Wochenende - und sicherlich noch sehr lange. Aber nicht aus Häme, sondern weil wir Fußballfans uns freuen, dass es immer wieder etwas Neues zu bestaunen gibt - in dieser kunterbunten Bundesliga, die diese Spielzeit bereits unglaubliche 55 Jahre jung wird!

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Quelle: n-tv.de

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