Redelings Nachspielzeit

Irres Kompliment für Weltmeister Für Gerland ist Lahm wie eine Bratwurst

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Am Ende der Saison aßen Gerland (l.) und Lahm zwar keine Wurst zusammen, doch der Jugendtrainer konnte seinem Musterschüler immerhin eine kalte Dusche verpassen. Anlass war wieder einmal eine deutsche Meisterschaft für die Bayern.

(Foto: imago/DeFodi)

Saison 2016/17: Einer der sportlich ganz Großen beendet seine Bundesliga-Karriere - und erhält Lob von allen Seiten. Während Philipp Lahm aufhört, erscheint der bislang jüngste Bundesligatrainer aller Zeiten, Julian Nagelsmann, auf der Bühne - und erobert mit flotten Sprüchen sofort die Herzen der Medien und Fans.

Als die Spielzeit 2016/17 ins Finale ging, beendete einer der ganz Großen nach 385 Bundesligaspielen seine Karriere. Mehmet Scholl lobte Philipp Lahm live im Fernsehen: "Weil du gerade dastehst … jetzt hörst du es mal von mir persönlich: 75 Prozent aller Spiele, die du gespielt hast, hast du überragend gespielt. Und die anderen 25 Weltklasse." Lahms Entdecker und Förderer Hermann Gerland erinnerte sich an die Anfänge des Münchners: "Ich habe zu Felix Magath gesagt: 'Ich habe einen Spieler für dich. Der sieht aus wie 15 und spielt wie 30. Der kann jede Position außer Torwart spielen, weil er ein super Fußballer ist.' Und dann hat er Philipp Lahm genommen, ohne ihn gesehen zu haben. Ich bin nach Hause gekommen und habe meiner Frau jeden Tag von Philipp Lahm erzählt. Ich habe zu ihr gesagt: 'Wenn Philipp Lahm kein super Spieler wird, gebe ich meinen Fußballlehrer zurück und werde Volleyball- oder Wasserballtrainer.' Philipp Lahm Fußball spielen zu sehen, ist, wie jeden Tag eine leckere Bratwurst zu essen!"

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Und Lahm konnte beruhigt in den Ruhestand gehen, denn standesgemäß wurde der FC Bayern München am 31. Spieltag mit einem 6:0-Sieg bei stark abstiegsgefährdeten Wolfsburgern zum fünften Mal hintereinander Deutscher Meister. Nach der deutlichen Klatsche sagte der ehemalige Bayern-Stürmer Mario Gomez: "Am Ende war es vom Gefühl her wie Männerfußball gegen Jugendfußball." Kuriosität am Rande: Nun schon zum elften Mal in Folge machten die Münchner den Titel nicht in ihrer heimischen Arena, sondern bei einer Auswärtspartie klar. Da man jedoch sowohl im DFB-Pokal wie in der Champions League vorzeitig ausgeschieden war, entlud sich die Freude in geordneten Bahnen.

Mit dem Aufsteiger RB Leipzig schien damals eine neue Konkurrenz für die Bayern heranzuwachsen. Bis zum 14. Spieltag waren die Sachsen sogar ungeschlagen. Dann versprach Karl-Heinz Rummenigge dem Nachbarn FC Ingolstadt bei einem Sieg ein Weißwurst-Essen - und siehe da, es half. Nach Leipzigs 0:1-Niederlage bei den Schanzern und einem gleichzeitigen 5:0 der Bayern über Wolfsburg schoben sich die Münchner an die Tabellenspitze. Fast bis zum Schluss blieben die Leipziger der einzige ernst zu nehmende "Feind" (Uli Hoeneß) der Bayern.

Ich heiße jetzt 'Jan Delaney'."

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Als die beiden Topteams am 33. Spieltag aufeinandertrafen, endete die spektakuläre Partie mit 5:4 für die Alt-Bullen - nach einem zwischenzeitlichen 4:2-Vorsprung der Neu-Bullen. RB-Trainer Ralph Hasenhüttl war dennoch zufrieden: "Wir haben heute keine Punkte gewonnen, aber viel, viel mehr, wie ich finde: Herzen und Sympathien für das, was wir gespielt haben. Wir sind Zweiter in dieser Saison, das ist Wahnsinn."

Die Überraschungsmannschaft der Saison war jedoch noch ein anderes Team - die TSG Hoffenheim mit dem bislang jüngsten Bundesligatrainer: Julian Nagelsmann (nach Bernd Stöber, der am 23. Oktober 1976 mit 24 Jahren allerdings nur für ein Spiel den FC Saarbrücken coachte). Die Medien liebten den eloquenten Übungsleiter von Anfang an. Schnell wurde er als zukünftiger Bayern-Coach gehandelt. Wie wir heute wissen - zurecht. Nagelsmann parierte das Gerücht wie ein alter Hase: "Ich bin im Austausch mit Hasenhüttl und Tuchel. Wir einigen uns gerade, wer Trainer und wer Co-Trainer wird." Schon früh stand fest, dass Nagelsmann mit Rudy und Süle zwei seiner Spieler in der kommenden Saison an die Münchner verlieren würde. Doch auch das konnte den jungen Coach nicht aus der Ruhe bringen: "Ein Bauer muss sich auch ab und zu von seinen Kühen und Schweinen trennen. Das gehört dazu."

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Bestseller-Autor und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein legendäres Anekdoten-Schatzkästchen. Für ntv.de schreibt er montags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und seinem aktuellen Buch ("60 Jahre Bundesliga. Das Jubiläumsalbum") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

In der Rückrunde drehte eine Mannschaft ganz besonders auf. 40 Tore schoss das Team des SV Werder Bremen. Beim 5:2-Auswärtssieg in Freiburg netzte der dänische Nationalspieler und Winterneuzugang Thomas Delaney gleich dreimal ein. Der erfolgreiche Musiker und Werder-Fan Jan Delay war nicht mehr zu halten: "Das Bezirksamt Hamburg-Altona hat meinem Antrag stattgegeben. Ich heiße jetzt 'Jan Delaney'." Nach dem Spiel stand der gefeierte Däne den Journalisten allerdings nur kurz Rede und Antwort. Delaney hat Wichtiges vor: "Ich muss jetzt erst einmal schauen, ob mein Wikipedia-Eintrag auf dem neuesten Stand ist."

"Und dann fahren wir nach Mailand ..."

Schon früh in der Saison wurde Kölns Trainer Peter Stöger gefragt, was denn passieren würde, wenn sich der 1. FC Köln für die Europa League qualifizieren sollte. In der ihm eigenen Art antwortete der Österreicher nüchtern: "Dann würden wir daran teilnehmen." Dies taten sie nun auch - nach 25 Jahren zum ersten Mal. Beim Saisonfinale gegen Mainz stand ein ganzer Klub Kopf und trällert fröhlich den Klassiker: "Eines Tages, eines Tages, eines Tages wird's geschehen. Und dann fahren wir nach Mailand, um den FC Köln zu sehen."

Abseits des grünen Rasens sorgten dann noch Enthüllungen ("Football Leaks") aus dem Innersten des Fußballs für Aufregung. Doch manch pikantes Detail lud die Fußballfans schließlich auch zum Schmunzeln ein: Bayer-Stürmer Chicharito hatte sich tatsächlich für den Gewinn der Meisterschaft mit "Vizekusen" eine 100.000-Euro-Prämie in seinen Vertrag schreiben lassen. Das wusste er dann sicherlich spätestens zwei Jahre später bei seinem Weggang zu West Ham United besser über die Geschichte und Geschichten der Bundesliga.

Quelle: ntv.de

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