Redelings Nachspielzeit

Redelings übers Rauchen Mario Basler nimmt die Kippen mit ins Grab

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Mario Basler raucht und raucht - und will es sich nicht verbieten lassen.

(Foto: imago sportfotodienst)

Rauchen und Fußball, das passt doch eigentlich nicht zusammen. Aber in der Geschichte gab es schon immer paffende Spieler. Selbst Bundestrainer Löw steckt sich gerne eine an. Unser Kolumnist über eines der letzten Geheimnisse des Fußballs.

Als Trainer Peter Neururer zu Kölner Zeiten einmal ein Trainingsspielchen Raucher gegen Nichtraucher machen wollte, kam sein Kapitän Michael "Balu" Kostner ganz irritiert zu ihm angerannt: "20 gegen zwei? Trainer, glauben Sie, das geht?" Die Raucher hätten das Spiel beim FC also klar für sich entschieden.

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Am Wochenende hat Mario Basler im Sport1-"Doppelpass" mal wieder die Diskussion über den rauchenden Fußballprofi angefacht: "Heute darfst du ja keine Zigarette mehr rauchen. Das ist ja das Schlimmste, was es gibt. Es rauchen trotzdem noch ein paar Spieler." Damals zu Baslers Zeiten standen aber auch nicht alle Profis offen zu ihrer Sucht, wie sich Basler erinnert: "Wir saßen im Wasserbecken und haben mit acht Mann geraucht, da kam der Trainer um die Ecke - auf einmal waren sieben Kippen im Warmwasserbecken und ich habe halt weitergeraucht."

Mario Basler hat einmal auf die Frage eines Journalisten, seit wann er denn rauche, frank und frei geantwortet: "Och. Ich bin jetzt 37, seit 24 Jahren." Der Reporter hakte betont unbeeindruckt nach: "Und nie aufgehört?" Mario Basler zeigte sich völlig entrüstet: "Nee. Ich hör auch nicht auf. Ich habe gesagt, wenn ich irgendwann mal sterbe, möchte ich Zigaretten mit auf den langen Weg nehmen. Keine Blumen, die sollen mir stattdessen Zigaretten reinschmeißen." Lothar Matthäus fand das schon früher, dass das eine völlig falsche Einstellung sei: "Für mich als Leistungssportler ist Rauchen eine Frage des Stils. Ich meine, ich rauche auch nach dem Essen eine Zigarette, aber so Leute wie der Mario Basler, die rauchen ja schon eine ganze Schachtel vor dem Essen."

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Und Bundestrainer Berti Vogts machte sich lustig über Basler. Als dieser verspätet und noch nicht zu einem Länderspiel in Südafrika eingetroffen war, meinte der DFB-Trainer süffisant: "Der ist noch nicht hier. Der Flug nach Kapstadt war ein Nichtraucherflug. Da konnte er nicht."

Die Weltmeister von 1954 gingen rudern

Der Ex-Schalker Klaus "Boxer" Täuber erzählte einmal frei von der Leber weg, dass für ihn früher die Vorbereitung auf ein Bundesligaspiel am Wochenende zumeist schon am Mittwoch angefangen habe. Denn da habe er begonnen, ganz intensiv zu probieren, nur noch die Hälfte zu rauchen. Das Laster verfolgte den ehemaligen Profi schon seit den Anfängen seiner Karriere. Als junger Spieler beim 1. FC Nürnberg stand er einmal im Winter draußen auf dem Balkon des Spieltaghotels und rauchte. Als er seinen gestrengen Trainer Horst Buhtz im Augenwinkel aus dem Eingang kommen sah, schmiss er nicht etwa seine Zigarette auf den Boden, sondern schwang sich mit der Kippe im Mund über die Reling seines eigentlich ebenerdigen Balkons und landete ein Stockwerk tiefer in einem eiskalten und teilweise zugefrorenen Teich. Oberhalb des Grabens hörte Täuber seinen Trainer verzweifelt rufen: "Klaus, wo bist du denn?"

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Walter Frosch nahm die Zigaretten sogar mit auf den Platz.

(Foto: imago/Baering)

Bei der WM 1954 mussten die Raucher sogar hinaus aufs Wasser ausweichen, damit Sepp Herberger die Gelüste der Spieler nicht mitbekam. Eines Nachmittags, als man wieder einmal mit mehreren Booten auf den Thuner See gerudert war, planschte Heinz Kwiatkowski wie ein junger Hund im Wasser. Die Mitspieler des Torwarts lachten sich halbtot, bis Ottmar Walter endlich realisierte, dass der "Heini" nicht schwimmen konnte. Mit vereinten Kräften wurde der Dortmunder gerettet. Als jedoch seine Frau Käthe von dem Malheur erfuhr, drehte sie durch: "Da kommst du mir nicht mehr hin, die bringen dich bei der Nationalmannschaft noch um!"

Löw lässt seine Spieler rauchen

Die größte Raucher-Legende unter den Profis ist aber immer noch der Ex-Paulianer Walter Frosch. Als beim Charity-Event "Tag der Legenden" in Hamburg der kleine Mann mit Wuschelkopf und Schnauzbart auf dem Spielfeld interviewt wurde, fragte ihn der Reporter mit einem Blick hinunter an den schlanken Beinen des Verteidigers: "Was haben Sie denn da unten in Ihren Stutzen drin?" Frosch antwortete mit rauchig-knarzender Stimme kurz und knapp, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt: "Zigaretten." Der Reporter: "Bitte?" Frosch: "Zigaretten." Der Reporter jovial: "Jetzt erst einmal eine durchziehen?" Frosch: "Nachher." Der Reporter fordernd: "Warum haben Sie das dann mit auf dem Spielfeld?" Frosch logisch: "Ich bin schnell eingewechselt worden, da habe ich sie noch dabei gehabt."

Bundestrainer Jogi Löw glaubt übrigens nicht, dass es heute noch Nationalspieler gibt, die rauchen. Da er sich selbst aber auch gerne eine ansteckt, sagt er ganz kollegial: Ich würde es keinem Spieler verbieten - nur natürlich nicht beim Essen oder in einer Sitzung."

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Quelle: ntv.de