Redelings Nachspielzeit

Redelings über den Kovac-Umgang Menschlich ist das unter aller Sau

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Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und sein leitender Angestellter: Beziehungsstatus: Es ist kompliziert.

(Foto: imago/Revierfoto)

Was ist nur mit den Bayern los? Die Posse um Niko Kovac offenbart einmal mehr die desaströse Außendarstellung des Klubs in dieser Saison. Die beschämende öffentliche Demontage des Trainers zeigt, dass alle Menschlichkeit dem Leistungsprinzip untergeordnet wird.

Wir alle, die mit viel Interesse die Bundesliga verfolgen, haben schon Pferde kotzen sehen und wissen, dass im Fußball das Gestern bereits am nächsten Spieltag wie durch einen Filmriss nach einer durchzechten Nacht vergessen sein kann. Doch - und da denke ich, sind wir uns alle einig – ist es eigentlich undenkbar, dass der Trainer des FC Bayern München auch in der kommenden Saison noch Niko Kovac heißt. So viel Porzellan, wie die Bayern-Offiziellen in den letzten Tagen, Wochen und Monaten um diese Personalie herum zerschlagen haben, sieht man ansonsten nur nach Polterabenden auf dem Boden liegen. Und dort wird traditionell das zerbrochene Geschirr anschließend zusammengefegt - und entsorgt.

Was ist in dieser Spielzeit nur mit den Bayern los? Man fragt sich immer wieder inständig, ob es da niemanden gibt, der erstens die drei Männer der Führungs-Troika gemeinsam an einen Tisch setzt und zweitens dafür sorgt, dass alle drei im Sinne des Vereins mit einer Zunge sprechen. Auch wenn sie das in München selbstverständlich nicht gerne hören werden, aber so erbärmlich und vor allem auf der menschlichen Ebene katastrophal haben sich die Bayern in ihren mittlerweile 54 Jahren Fußball-Bundesliga noch nie präsentiert. Wenn man sich vor Augen hält, dass diese drei Männer ausgerechnet in dieser Spielzeit am mittlerweile schon legendären 19. Oktober des letzten Jahres gemeinsam auf der Bühne saßen und den ersten Artikel unseres Grundgesetzes ("Die Würde des Menschen ist unantastbar") zitierten und diesen für den Umgang mit sich selbst und ihren Klub einforderten, dann weiß man nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll.

Außendarstellung ist ein "Scheißdreck"

Das ist im Detail so grotesk absurd, dass man sich an die besten Zeiten der "Versteckten Kamera" mit Kurt und Paola Felix zurückerinnert fühlt. Und um es noch einmal klar und deutlich mit den (abgewandelten) Worten von Uli Hoeneß zu sagen: Was sich die Bayern in dieser Saison in der Außendarstellung zurechtstümmeln, ist wahrhaft ein einziger "Scheißdreck" - und in dieser Dimension auch in der langen Geschichte des Vereins völlig einmalig.

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Mit Jürgen Klinsmann spielten die Bayern-Verantwortlichen ihre Spielchen noch vor allem auf dem Rasen.

(Foto: imago sportfotodienst)

Selbst als man im Mai 2009 Jürgen Klinsmann nach dem 29. Spieltag entließ, lief die Trennung trotz eines tiefen Risses zwischen dem Trainer und den Bayern-Offiziellen zuerst verhältnismäßig fair ab. Erst als sich Klinsmann in eine Fernsehsendung von Günther Jauch - trotz der Vereinbarung beider Seiten "keine schmutzige Wäsche zu waschen" - setzte und über seinen Rauswurf in München sprach, reagierte Uli Hoeneß mit seinem berühmten Zitat - "Ich habe in Latein gelernt: Si tacuisses, philosophus mansisses - das bedeutet: Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben" - und schob anschließend via der lokalen Presse einige delikate Interna nach, die Klinsmanns Zeit bei den Bayern rückwirkend in keinem guten Licht erschienen ließen. Und dennoch: Wie diese Geschichte damals ablief, war durchaus in einem gewohnten Rahmen.

Anders verhält es sich heute beim Umgang des FC Bayern mit ihrem aktuellen (Noch-)Trainer Niko Kovac. Auch wenn das Fußballgeschäft ein kompliziertes "Drecksgeschäft" (Zitat Dr. Peter Kunter, ehemaliger Torwart und Funktionär bei Eintracht Frankfurt) ist, das es den Verantwortlichen nicht immer erlaubt, Dinge offen auszusprechen, so kann man neben aller geschäftlichen auch ein Mindestmaß an menschlicher Professionalität erwarten. Und genau dieses fehlende Fingerspitzgefühl im Umgang mit dem Menschen Niko Kovac ist es, das den Fußballfans - im Übrigen auch vielen Anhängern des FC Bayern - in Deutschland sauer aufstößt. Denn Karl-Heinz Rummenigge weiß genau, wie seine Worte in der Öffentlichkeit ankommen.

Vernünftiges menschliches Miteinander als fehlendes Prinzip

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Natürlich wird er zu Recht argumentieren, dass es zuallererst immer um die Interessen und den Erfolg des FC Bayern München gehe. Doch im Interesse des Vereins sollte es auch sein, dass es neben dem "Leistungsprinzip" ("Das ganze System bei uns ist auf dem Faktor Erfolg aufgebaut") auch eine Übereinkunft über ein vernünftiges menschliches Miteinander gibt. Und wenn das als soziales Argument noch nicht reicht, dann kann man durchaus noch anfügen: Auch ein Karl-Heinz Rummenigge sollte wissen, dass die öffentliche und beschämende Demontage des Trainers über den "weichen Faktor" Imageschaden durchaus bares Geld für den Klub bedeutet.

Spannend ist am Ende, was diese ganze Diskussion mit dem neutralen Fußballfan in Hinsicht auf das Saisonfinale am kommenden Samstag anstellt. Denn dem FC Bayern München dieser Spielzeit kann man den Titel eigentlich nicht gönnen - doch Niko Kovac wünscht man für den Saisonausklang insgeheim nur das Beste.

Quelle: n-tv.de

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