Fußball-WM 2018

"Deutsche Unternehmen verantwortlich" Blatter findet Schuldige für Tote in Katar

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Fifa-Präsident Sepp Blatter spricht von "schlechter Arbeitsorganisation" der Unternehmen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auf den Baustellen in Katar arbeiten Menschen unter widrigen Bedingungen, es gibt viele Tote. Trotzdem hat die Fifa die WM in das Emirat vergeben. Verantwortung für die Opfer will Präsident Joseph Blatter aber nicht übernehmen. Er präsentiert einen Sündenbock.

Fifa-Präsident Joseph Blatter führt die menschenunwürdigen Umstände beim Bau der Infrastruktur für die Fußball-WM 2022 in Katar und die Todesfälle unter den Arbeitern auch auf ein Versagen deutscher Unternehmen zurück. "Die Arbeitsorganisation ist schlecht. Das hat nichts mit dem Fußball zu tun. Die großen Unternehmen, vor allem aus Deutschland und Frankreich, sind verantwortlich", sagte der Chef des Weltverbands dem französischen TV-Sender "BeIN Sport".

Blatter rückte durch seine Vorwürfe erstmals Dritte in den Fokus, nachdem sich die weltweite Kritik bisher ausschließlich gegen den WM-Gastgeber Katar gerichtet hatte. In den vergangenen Monaten war angesichts wiederholter Meldungen über Todesopfer auf den WM-Baustellen mehrfach über einen Entzug der WM diskutiert worden. Besonders internationale Arbeiter-Organisationen forderten von der Fifa mehr Druck auf Katar und notfalls auch Konsequenzen.

Blatter weiter gegen Videobeweis

Hinsichtlich des gleichfalls umstrittenen Termins für die ursprünglich im heißen Sommer geplante WM in Katar unterstrich Blatter seine zuletzt geäußerte Präferenz: "Das Jahresende wäre der beste Termin. Meiner Meinung nach wird man den ursprünglichen Termin verändern, weil es unmöglich ist, in Katar im Sommer zu spielen." Die Terminierung des WM-Turniers im Wüstenstaat sorgt bereits seit der Vergabe der Endrunde im Dezember 2010 für Diskussionsstoff. Die meisten Nationalverbände, darunter der Deutsche Fußball-Bund (DFB), haben sich zuletzt aus klimatischen Gründen klar für eine Austragung im Winter ausgesprochen.

Nach der WM-Premiere der Torlinien-Technik in Brasilien schloss Blatter eine zeitnahe Einführung auch des Videobeweises im Profifußball aus. "Ich bin überaus konservativ eingestellt, wenn es um den Videobeweis geht. Das würde den Spielfluss beeinflussen", sagte der 78-Jährige. Der Fußball beziehe seine Größe "auch daher, dass ein Spiel 90 Minuten ohne Unterbrechungen läuft". Blatter steht seit 1998 an der Spitze der FIFA. Seine vierte Amtsperiode endet 2015. Allerdings deutete der Schweizer zuletzt an, noch ein weiteres Mal für das Amt des Weltverbands-Präsidenten kandidieren zu wollen.

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserinnen und Leser, in einer früheren Version dieses Artikels wurden Blatters Aussagen zu den deutschen Unternehmen auf die WM 2014 in Brasilien bezogen. Das ist falsch. Die Agentur sid hat das Interview Blatters nicht richtig übersetzt. Wir bitten, das zu entschuldigen.

Quelle: n-tv.de, lsc/sid

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