Fußball-WM 2018

"Müssen uns entschuldigen" Brasilien zerfließt vor Trauer

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Der gesperrte Thiago Silva tröstet David Luiz.

REUTERS

Die Spieler und der Trainer bitten um Vergebung beim Volk, die Staatspräsidentin teilt ihren Schmerz über Twitter, die Fans verlassen schon zur Halbzeit das Stadion: Die herbe Niederlage gegen Deutschland trifft Brasilien ins Mark. Kapitän David Luiz weint hemmungslos.

Entsetzen, Trauer, Wut: Nach vier Gegentoren in nur sieben Minuten und dem unglaublichen 1:7 (0:5)-Debakel im WM-Halbfinale gegen Deutschland verfiel ganz Brasilien in Schockstarre. "Ich wollte dem brasilianischen Volk Freude bereiten, das haben wir nicht geschafft. Wir müssen uns alle entschuldigen", sagte ein weinender David Luiz im ZDF.

Im Estadio Mineirao flossen bei gestandenen Männern und kleinen Kindern die Tränen, aber auch Fäuste flogen beim Frustabbau auf den Rängen. In Belo Horizonte machten sich einige Hunderte Fans schon vor dem Halbzeitpfiff auf den Heimweg - sie konnten das Desaster nicht mehr ertragen. Es war das abrupte Ende einer riesigen WM-Party, die am Dienstag wenige Stunden vor dem Spiel noch euphorisch begonnen hatte. Mit lauter Sambamusik hatten sich die Seleção-Stars bei der Ankunft des Mannschaftsbusses in Stimmung gesungen, am Ende eines katastrophalen Fußballabends erklang landauf, landab nur ein Trauermarsch. Noch nie hat ein Gastgeber in der WM-Geschichte eine solche Klatsche kassiert.

Presse schüttet Häme aus

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Die brasilianischen Fans können ihr Unglück nicht fassen.

(Foto: AP)

Dabei hatten die Fan-Feste in den WM-Städten weit vor Anpfiff wegen des Zuschauerandrangs die Pforten vorzeitig schließen müssen, doch nach dem Tor-Hagel der DFB-Elf in Durchgang eins suchten viele schnell das Weite. Nur die deutschen Schlachtenbummler feierten, wie im Mineirão, wo es hämisch "Ihr seid nur ein Karnevalsverein" aus dem Fanblock klang.

Brasiliens Presse reagierte noch während des Spiels mit verbitterten Schlagzeilen. "Schande im Mineirão" (Estadão), "Beschämende Leistung" (O Globo), "Erniedrigung" (Zero) war zu lesen. Im ZDF meinte Ex-Weltmeister Rivaldo: "Die Vorstellung der Selecao ist eine Enttäuschung für alle Brasilianer. Das ist nur schwer zu akzeptieren."
Den Frust über das Debakel bekam auch Staatspräsidentin Dilma Rousseff ab, die mit Schmährufen beschimpft wurde. Drei Monate vor der Präsidentenwahl hatte die Amtsträgerin nach den bisherigen Auftritten des fünfmaligen Weltmeisters bei den Wählern im Stimmungshoch gelegen. Das ist jetzt vorbei. Sie sei "sehr, sehr traurig", ließ Rousseff das brasilianische Volk nach der Demütigung wissen.

Als André Schürrle mit seinem Traumtor zum 7:0 die höchste Pleite einer brasilianischen Nationalmannschaft perfekt machte, wechselten die Fans in Gelb endgültig ins deutsche Lager über, bedachten die Elf von Bundestrainer Joachim Löw mit Standing Ovations und riefen "Ole!" beim Passspiel von Thomas Müller und Co.

Scolari entschuldigt sich

Brasiliens Trainer Luiz Felipe Scolari nahm das Debakel auf seine Kappe. "Das ist die schlimmste Niederlage aller Zeiten. Das Ergebnis fällt auf mich zurück, ich bin der Verantwortliche", sagte der 65-Jährige bei der Pressekonferenz in Belo Horizonte. Und ergänzte: "Dem brasilianischen Volk möchte ich sagen: Bitte entschuldigt diese Niederlage!".

Scolari erschien mit roten Augen, wahrte aber die Fassung. "Das Leben geht weiter, auch mein Leben geht weiter", meinte er, nachdem der Finaltraum für die Seleção geplatzt war. Zu seiner Zukunft sagte er nichts, meinte aber: "Vielleicht wird es in die Geschichte eingehen, dass ich die schlimmste Niederlage für Brasilien zu verantworten habe."

Quelle: n-tv.de, cba/dpa/sid

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