Fußball-WM 2018

Vorsicht, bissig! "Kannibale" Suárez brennt auf WM-Einsatz

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(Foto: dpa)

Luis Suárez ist im Toreschießen unersättlich. Der Uruguayer setzt in Duellen mit seinen Gegenspielern alles ein, was er hat, manchmal eben auch seine Zähne. Die WM sollte ihn zum Weltstar machen, doch im ersten Spiel fehlte er verletzt.

Ganz Uruguay hofft auf Luis Suárez und darauf, dass der bissige Stürmer nun endlich auch auf die WM losgelassen wird. Nach der Auftakt-Pleite gegen Costa Rica (1:3) soll der Torschützenkönig der englischen Premier League im zweiten Gruppenspiel am heutigen Donnerstag ausgerechnet gegen England sein Team vor dem frühen K.o. bewahren. Drei Wochen nach seiner Knie-Operation kein leichtes Unterfangen. Doch Suárez brennt darauf, denn die WM in Brasilien sollte eigentlich sein Turnier werden, sein Aufstieg zum absoluten Weltstar. "Wenn man ihn wirklich in einer Reihe mit Maradona, Pelé, Beckenbauer, Cruyff oder Pirlo sehen soll", sagt Englands Nationaltrainer Roy Hodgson, "dann ist das hier die Bühne, auf der er das beweisen muss". Das wird er, da ist sich Fußball-Ikone Diego Maradona sicher: "Er hat die Eier dafür, ohne Eier kommt man im Fußball nirgendwo hin."

Suárez ist zumindest einer, der ständig zwischen Genie und Wahnsinn agiert. Rote Karten und Skandale wie der Rassismus-Vorfall gegen Patrice Evra gehören genauso zu Uruguays Rekordtorschützen wie die angeborene Abgezocktheit vor dem Tor. 31 Liga-Treffer hat er in dieser Saison für den FC Liverpool erzielt, die Ausraster sind weniger geworden. "Ich denke mehr nach, bevor ich etwas tue", erklärt Suarez: "Die Leute in England können nicht mehr über mich lästern."

Die ganz Großen klopfen an

Der Wandel ist auch Real Madrid nicht verborgen geblieben. Der spanische Champions-League-Sieger, der sich bekanntlich nur mit der Crème de la Crème verstärkt, soll angeblich bereit sein, für den früheren Ajax-Torjäger 85 Millionen Euro zu bezahlen. Ein Wechsel dürfte an Suárez nicht scheitern, er hatte zuletzt schon versucht, einen 50-Millionen-Euro-Wechsel zum FC Arsenal durchzudrücken. Im Dezember bekam der Liverpooler aber als Lohn für seine grandiosen Leistungen einen neuen Vierjahresertrag, das Wochengehalt von angeblich 245.000 Euro dämpft Suárez Wechselstimmung - vorerst.

Geld ist wichtig für den in bescheidenen Verhältnissen im uruguayischen Dorf Salto aufgewachsenen Luis Alberto Suárez Díaz. Der Fußball war für ihn die Chance zum sozialen Aufstieg. Schon sehr früh zeigte sich, dass der kleine Luis viel mehr Talent hatte als alle anderen. "Meine Mutter musste sogar seine Geburtsurkunde mitbringen, da die Gegner nicht glaubten, wie alt er war", erinnert sich Bruder Paolo.

Bei Weltmeisterschaften konnte Suárez bislang noch nicht zeigen, dass er einer der weltbesten Stürmer ist. Seine auffälligste Szene vor vier Jahren in Südafrika war das unrühmliche Handspiel auf der Linie im Viertelfinale gegen Ghana. Suárez verhinderte damit zwar ein Gegentor und das sichere Aus des späteren WM-Vierten, aber wegen des fehlenden Fair Plays stand er auch wochenlang am Pranger. Doch von Kritik hat sich ein Luis Suárez noch nie aufhalten lassen. Der "Kannibale" biss sich bislang immer durch.

Quelle: n-tv.de, Jörg Soldwisch, sid

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