Fußball-WM 2018

Bundestruppen rücken an WM-Spielort Rio de Janeiro ist in Aufruhr

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Seit Jahresbeginn starben bei Angriff in Favelas vier Polizisten in Rio de Janeiro.

(Foto: AP)

Knapp drei Monate vor Beginn der Fußball-WM in Brasilien kommt es im Finalort Rio de Janeiro zu systematischen Übergriffen auf Polizeistationen. Das Ziel ist, die Friedenspolizei zu demoralisieren. Bundestruppen sollen nun helfen, die Unruhen niederzuschlagen.

Obwohl sie als befriedet gelten, kommt es im Vorfeld der WM in mehreren Armenvierteln von Rio de Janeiro zu gewalttätigen Attacken auf Polizeistationen. Es sind gezielte Angriffe, die zur Ausrufung der höchsten Alarmstufe in der kommenden Olympiastadt führen. Nachdem sich Gouverneur Sergio Cabral mit einem Hilfsgesuch an die brasilianische Regierung gewandt hatte, stimmte Staatspräsidentin Dilma Rousseff der Entsendung von Bundestruppen zu. Sie sollen die Einsatzkräfte vor Ort dabei unterstützen, der Unruhen Herr zu werden.

Bei Angriffen in den Armenvierteln Manguinhos, Camarista Méier und Complexo do Alemão waren in der Nacht zu Freitag zwei Polizisten schwer verletzt worden. Insgesamt kam es in diesem Jahr schon in sieben befriedeten Favelas zu Unruhen und Gewaltakten, bei denen vier Polizisten starben.

"Es ist klar, dass Verbrecher die Gebiete zurückerobern wollen, die jahrzehntelang in ihrer Hand waren", sagte Cabral. Um vor der WM und den Olympischen Spielen 2016 das Image als Verbrechenshochburg abzulegen, hatte Rio 38 sogenannte Befriedungseinheiten gebildet. Sie sollten die herrschenden Drogenbanden aus den Slums vertreiben. Alle sogenannten UPPs (Einheiten der Befriedungspolizei) in der Stadt sind mittlerweile in Alarmbereitschaft versetzt.

"Die Angriffe sind ein klarer Versuch, die Friedenspolizei zu demoralisieren", erklärte Gouverneur Cabral und versprach: "Wir werden weiter vordringen." Welche Einheiten nach Rio geschickt werden, wohin genau und in welcher Stärke, dazu gab es "aus Gründen der öffentlichen Sicherheit" keine Angaben.

Erst die Fußball-WM, dann Olympia

In Rio de Janeiro findet am 13. Juli das Finale der Fußball-WM statt (zum WM-Spielplan). Während des Turniers werden im ganzen Land Proteste erwartet, ähnlich wie beim Confederations Cup 2013. Damals waren Millionen Brasilianer aus Protest dagegen auf die Straße gegangen, dass für sportliche Großereignisse hohe Summen ausgegeben werden, während bei Sozial- und Bildungsausgaben gespart wird.

Im Jahr 2016 ist Rio zudem Gastgeberstadt der Olympischen Sommerspiele. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) zeigte sich besorgt von den jüngsten Unruhen und forderte "oberste Priorität" für die Sicherheit in der Stadt.

Quelle: ntv.de, cwo/dpa/sid