Kommentare

Der "Schnauzer der Nation" tritt ab Das Dilemma des Heiner Brand

In 14 Jahren als Handball-Bundestrainer feiert Heiner Brand große Erfolge, führt das Team zum Welt- und Europameistertitel und wird Olympia-Zweiter. Nun legt der 58-Jährige sein Amt nieder, auch weil der Erfolg ausbleibt. Und Brand hat keine Lust mehr, sich mit den Bundesligaklubs herumzuärgern.

24101642.jpg

Oft bemängelte Brand die fehlende Unterstützung der Vereine.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Wenn nicht jetzt, wann dann?" – so lautete der Titel des Songs der Kölner Band Höhner zur Handball-Weltmeisterschaft 2007. Eine Frage, die sich auch Heiner Brand nach dem Titelgewinn hätte stellen müssen. Wenn nicht jetzt ein Umbruch, wann dann? Die Einsicht kam zu spät, nun tritt Brand als Bundestrainer zurück.

Den personellen Kahlschlag hatte der Gummersbacher erst nach dem desolaten Abschneiden bei der WM 2011 in Schweden angekündigt – vier Jahre zu spät. Zwar verabschiedete sich nach dem Titelgewinn 2007 mit Kapitän Markus Baur der Schlüsselspieler aus dem Team, das Gerüst der Mannschaft besteht aber noch heute aus derselben Achse: Johannes Bitter, Oliver Roggisch, Holger Glandorf, Pascal Hens, Sebastian Preiß. Natürlich gehören die genannten Akteure noch immer zu den Besten ihrer Zunft. Es ist jedoch schade, wenn man bedenkt, dass jungen, hochtalentierten Handballern eine Karriere im DHB-Team durch ebendiese Platzhirsche verbaut wird. Doch haben wir in Deutschland überhaupt das Potenzial, kontinuierlich junge Spieler in die Nationalmannschaft zu integrieren?

Vereine bilden Basis für bundesdeutschen Erfolg

Im Moment sicher nicht. Spitzenklubs wie der THW Kiel, der HSV Hamburg oder die Rhein-Neckar Löwen bauen - bis auf wenige Ausnahmen - lieber auf ausländische Stars, als die eigene Jugend gewinnbringend zu fördern. Kleinere Vereine hingegen sind auf den Nachwuchs angewiesen, etwas anderes lässt die wirtschaftliche Situation oft nicht zu. Doch Wettkampfpraxis auf höchstem Niveau bekommen die Jungen hier nicht geboten.

Heiner Brand war über Jahre in der Zwickmühle und nicht zuletzt die mangelnde Kooperationsbereitschaft der deutschen Klubs hat ihn dazu bewogen, sein Amt niederzulegen. Sein Nachfolger steht nun vor der schwierigen Aufgabe, die Bundesligisten zur der Einsicht zu bewegen, dass bundesdeutscher Erfolg nur durch ihre Vorarbeit möglich und vor allem nachhaltig ist. Weg mit den teuren Spielern aus Schweden, Frankreich und Dänemark, rauf auf’s Parkett mit deutschen Talenten!

Denn schließlich würden davon alle profitieren. Brands alternde und satte Stars würden von einer jungen, hungrigen Generation abgelöst, die Vereine würden wirtschaftlich entlastet und der neutrale Zuschauer hätte eine realistische Chance, das Machtmonopol der großen Vereine der Liga langfristig schwinden zu sehen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema