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Nicht schwul, kein Toupet Joachim Löw packt aus

Joachim Löw ist nicht schwul und trägt auch kein Toupet. Das sagt der Fußballbundestrainer in einem Interview - und verpasst damit die Chance, der Unterstellung zu widersprechen, Homosexualität sei ein Makel. So aber befindet er sich in guter Gesellschaft mit Manager Oliver Bierhoff.

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"Was soll ich dazu sagen?" Joachim Löw.

(Foto: dpa)

Nun ist es raus: Fußball-Bundestrainer Joachim Löw ist nicht schwul und trägt auch kein Toupet. Hat er im Interview mit der "Welt" gesagt. Warum er das so betont? Wissen wir nicht, wahrscheinlich, weil Dagmar von Taube, Reporterin beim Axel Springer Verlag, ihn gefragt hat. Anlass war, dass Löw jetzt Werbung für Hautcremes in blauen Dosen macht. Was liegt da näher als die Frage, ob er mit Männern oder Frauen schläft?

Oder wie es die Interviewerin ausdrückt: "Bei den Fußballern, wo das ganze Volk bibbert und mitzittert, da will man natürlich genau wissen, wer da mit wem unter einer Decke steckt. Wie auch immer, ich sag's jetzt einfach mal: Sie selbst, Herr Löw, wurden auch schon mal in die homosexuelle Hälfte gedrängt, weil Sie sich gut anziehen. Was sagen Sie dazu?" Ja, was sagt der Bundestrainer dazu? Er sagt: "Was soll ich dazu sagen?" Er habe auch schon davon gehört. "Es ist wie mit dem Toupet. Auch das stimmt nicht. Fragen Sie gern meine Frau."

In guter Gesellschaft mit Oliver Bierhoff

Auf die implizite Unterstellung, schwul zu sein sei ein Makel, geht er nicht ein. Muss er auch nicht, wäre aber schön gewesen. Schließlich engagiert sich sein Arbeitgeber, der Deutsche Fußball-Bund, gegen die Diskriminierung von Homosexualität. So aber befindet sich Joachim Löw in guter Gesellschaft mit Oliver Bierhoff, dem Manager der Nationalelf. Auch für den gibt es offenbar wenig Schlimmeres im Leben, als mit dem Thema Homosexualität in Verbindung gebracht zu werden.

Bierhoff fühlte sich jüngst in seiner Ehre gekränkt und offensichtlich in "die homosexuelle Hälfte gedrängt", weil in einem Tatort der ARD tatsächlich die Wörter "schwul" und "Nationalmannschaft" in einem Satz vorkamen. "Ich finde es schade und ärgerlich, dass die Prominenz der Nationalelf missbraucht wird, um irgendein Thema zu entwickeln oder einen Scherz zu machen." Das sei, sagte Bierhoff der "Bild"-Zeitung, ein Angriff auf seine "Familie - die Familie der Nationalmannschaft". Bei so viel Abwehrhaltung muss sich nun wenigstens niemand mehr fragen, warum sich bis heute kein prominenter deutscher Fußballspieler als schwul geoutet hat.

Und sonst? Braucht Joachim Löw morgens im Bad nicht länger als eine halbe Stunde, geht schon mal mit nassen Haaren aus dem Haus, duscht seit jeher nackt, besucht alle sechs Wochen seinen Friseur und trägt Parfüm von Lagerfeld auf, manchmal auch Armani, mag Süßigkeiten und Rotwein, raucht gelegentlich, aber nur light, liebt das Risiko und war früher Messdiener. Nun ist es raus.

Quelle: n-tv.de

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