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Kuranyi ins Nationalteam? Löw hat ein Problem

Bundestrainer Joachim Löw hat ein Problem. Kevin Kuranyi schießt in dieser Bundesliga-Saison ganz viele Tore, mehr als jeder andere Fußballer. Nur: Löw hat Kuranyi aus der Nationalmannschaft geworfen – für immer. Was soll er nun tun?

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In der Form seines Lebens: Kevin Kuranyi.

(Foto: dpa)

Die gute Nachricht ist, dass Kevin Kuranyi nun stets brav mit dem Bus fährt. So ist er am Samstag nach dem Sieg in Leverkusen mit dem Schalker Mannschaftsbus nach Gelsenkirchen zurückgekehrt. Sein Problem ist, dass er das einmal nach einem Fußballspiel nicht getan hat.

Im Oktober 2008 ließ er eine ganze Mannschaft im Bus warten, ehe diese feststellen musste, dass er bereits nach Hause gefahren war – aus Ärger, dass er gegen Russland nur auf der Tribüne gesessen hatte. Dummerweise handelte es sich um die deutsche Nationalmannschaft. Und das ist die schlechte Nachricht. Seitdem darf er nicht mehr mitspielen. Bundestrainer Joachim Löw warf ihn raus – für immer, wie er betonte. Und das ist jetzt das Problem von Joachim Löw.

Die Konkurrenz ist nicht in Topform

Das wiederum liegt an Kevin Kuranyi, der in dieser Saison bisher den Ball so oft ins Tor geschossen hat wie kein anderer Spieler in der Bundesliga, nämlich 17 Mal. Aber nicht nur das: Kevin Kuranyi hat sich zu einem richtig guten Fußballspieler entwickelt, nur noch selten verspringt ihm der Ball. Sein Defensivverhalten ist vorbildlich, er erkämpft sich viele Bälle im Mittelfeld – und er trifft mit fast traumwandlerischer Sicherheit. Er ist, und das sagt er nicht nur selbst, in der Form seines Lebens. Das sind viele gute Gründe dafür, ihn mit zur Weltmeisterschaft nach Südafrika zu nehmen. Das weiß auch der Bundestrainer.

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Bundestrainer Joachim Löw weiß: Die anderen Kandidaten sind nicht gerade in Topform

(Foto: dpa)

Und er weiß auch: Die anderen Kandidaten sind nicht gerade in Topform. Allein der Leverkusener Stefan Kießling kann da mit 16 Treffern mithalten. Und sonst? Der Münchner Mario Gomez traf bisher zehnmal, der Stuttgarter Cacau achtmal. Bayerns Miroslav Klose und Kölns Lukas Podolski kommen auf je zwei Tore. Sportlich ist die Sache also geklärt.

Wenn nur Kevin Kuranyi mit dem Bus gefahren wäre – und Joachim Löw nicht "für immer" gesagt hätte. In der Rückschau erinnert das Ganze an eine Klassenfahrt, bei der der Lehrer einen ungezogenen Schüler nach Hause schickt. Nur dass der Schüler danach wieder zum Unterricht kommen darf. Was also tun? Journalisten haben es da leichter als Bundestrainer. Sie können ihre Meinung ändern, wen interessiert schon der Kommentar von vorgestern?

Mund halten und Tore schießen

Für Joachim Löw aber geht es darum, sein Gesicht zu wahren. Auch wenn an dieser Stelle daran erinnert sei, dass es niemals klug ist, nie zu sagen. Wie im richtigen Leben aber muss auch in der Welt des Fußballs ein "für immer" nicht auch "für immer" bedeuten. Genau das ist Kevin Kuranyis Chance. Er hat das getan, was er nach seiner kindischen Aktion hat tun können. Er hat mehrmals um Entschuldigung gebeten. Ansonsten, und das ist weitaus wichtiger, hat er den Mund gehalten – und Tore geschossen. Und sich unentbehrlich gemacht.

Die Diskussion jedenfalls ist eröffnet, die Frage steht im Raum: Darf Kevin Kuranyi wieder für die deutsche Nationalmannschaft spielen? Wir sagen: Ja. Das mit dem Gesichtwahren wird Joachim Löw schon irgendwie hinkriegen. Und in der vergangenen Woche soll er sich bereits zufällig mit dem Schalker Stürmer getroffen haben. Das wird schon. Schließlich weiß er: Kevin Kuranyi fährt wieder Bus. Wenn das keine Empfehlung ist.

Quelle: n-tv.de

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