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152 Millionen für halben Jordan Mega-Gehälter gefährden NBA-Teams

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Publikumsliebling Mike Conley bleibt den Memphis Grizzlies für weitere fünf Jahre erhalten.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Ein Großteil der Einnahmen aus dem 24 Milliarden TV-Deal der amerikanischen Basketballliga NBA fließt in die Kassen der Teams. Die Besitzer werfen mit diesen Geldern um sich - und gefährden so den langfristigen Erfolg.

Der Name Mike Conley sagt ihnen nichts? Sollte er aber. Denn der amerikanische Basketballer bekommt in den nächsten fünf Jahren von seinem Verein Memphis Grizzlies sage und schreibe 152,6 Millionen Dollar Gehalt. Damit stellt er den aktuellen MVP Stephen Curry mit dessen geradezu mickrigen Vertrag über 44 Million Dollar finanziell in den Schatten. Nur: Sportlich gesehen ist Conley alles andere als ein Schwergewicht.

Was ist die Gehaltsobergrenze?

Die Gehaltsobergrenze, auch Salary Cap bezeichnet, legt fest, wieviel ein Team an Gehalt in einer Saison ausgeben darf. Der Salary Cap ändert sich von Jahr zu Jahr, da seine Berechnung von den Vorjahres-Gesamteinahmen der NBA abhängt. Die Regelung soll die Gesamtausgaben für die Spieler begrenzen und verhindern, dass finanzstärkere Teams alle Stars einer Liga zu verpflichten. Die Spannung und Abwechslung der Liga soll so erhalten werden. Den Teams ist es aber erlaubt, mehr als den Salary Cap für Gehälter auszugeben. Hierfür müssen sie jedoch empfindliche Strafen zahlen. Diese halten selbst finanzstarke Besitzer von einer deutlichen Überschreitung des Salary Caps ab.

Ein Vergleich veranschaulicht das: Der beste Basketball-Spieler aller Zeiten, Michael Jordan, verdiente in seiner lukrativsten Saison einmal 33 Millionen Dollar. Jordan konnte zu dieser Zeit aber bereits vier MVP-Awards, fünf Meisterschafts-Ringe und zwei Olympiasiege vorweisen. Auch wenn in den 1990er Jahren insgesamt deutlich weniger für Gehälter ausgeben wurde, zeigt das: Conley ist nicht nur der bestbezahlte Spieler der NBA-Geschichte. Er ist auch überbezahlt, bis jetzt hat er keinen nennenswerten Titel gewonnen - und das dürfte auch so bleiben.

Denn mit Conleys Megavertrag setzen die Verantwortlichen der Grizzlies auch den langfristigen Erfolg ihres Teams aufs Spiel, auch wenn sie einen Publikumsliebling langfristig an Memphis binden konnten. Denn anders als zum Beispiel im deutschen Fußball gibt es in der NBA eine Grenze, die die Gesamtausgaben für Spielergehälter eines Teams einschränkt. Laut NBA liegt diese variable Obergrenze für die Saison 2016/17 bei rund 94 Millionen Dollar, Tendenz steigend. Für die Memphis Grizzlies bedeutet das: Wenn sie keine exorbitanten Strafen zahlen wollen, haben sie fast ein Drittel ihrer Gehaltkontingents für die nächsten fünf Jahre für einen einzigen Spieler aufgebraucht, dessen Star-Potenzial begrenzt scheint.

Auch wenn das Beispiel Stephen Curry zeigt, dass wundersame Leistungsexplosionen in der NBA möglich sind: Dass Conley in naher Zukunft zum Superstar und Titelbringer mutiert, ist nahezu ausgeschlossen. Die Karriere des mittlerweile 28-Jährigen gleicht einer Achterbahnfahrt mit wenigen hohen Gipfeln. Große Teile der letzten Saison verpasste Conley mit einer Achillessehnenverletzung. Der restliche Kader der Memphis Grizzlies ist zudem überaltert, verletzungsanfällig und in der Breite nicht stark genug, um die Meisterschaft zu gewinnen.

Weniger Geld - dafür Titel                                             

Doch die Grizzlies stehen nicht allein: Der Fall "Conley" ist in diesem Jahr mehr Regel als Ausnahme. Das liegt an der Gier der Spieler, die solche Verträge aushandeln. Es liegt aber auch an fehlender Planungskompetenz der Team-Besitzer, die mit den Einnahmen aus dem neuen milliardenschweren TV-Deal der NBA nur so um sich werfen. Sie verdrängen, wie wichtig es ist, in der Zukunft einen Kader flexibel gestalten zu können, um auf eventuelle Verletzungen reagieren oder neue, bessere Spieler verpflichten zu können. Mit ihren Mega-Deals risikieren Spieler wie Conley, die Chance auf Meisterschaften zu verspielen.

Wie man auch mit weniger Geld glücklich werden kann, hat der deutsche Basketball-Superstar Dirk Nowitzki gezeigt. Immer wieder verzichtete der Deutsche bei Vertragsverhandlungen mit den Dallas Mavericks auf ein höheres Gehalt. Die Gehaltsobergrenze wurde nicht erreicht und Raum für eine punktuelle Verstärkung des Kaders geschaffen. 2011 zahlte sich das aus: Nach dreizehn erfolglosen Jahren gewannen Dirk Nowitzki und seine Mavericks endlich die langersehnte Meisterschaft. Daran sollten Conley und Co. bei der nächsten Gehaltsverhandlung denken. Denn ausgeben können sie ihre Millionen sowieso nicht ganz.

Quelle: n-tv.de

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