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Chaos beim Hamburger SV Rettet den Dino!

Trainer Armin Veh ist weg, Vorstandschef Bernd Hoffmann ist weg, doch rasche Erfolge sind beim Hamburger SV nicht zu erwarten. Fast 24 Jahre nach dem letzten Titelgewinn ist beim Dinosaurier der Fußball-Bundesliga ein radikaler Neubeginn nötig – sportlich und führungsmäßig.

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Mit Felix Magath gewannen die Hamburger 1983 den Europapokal der Landesmeister. Der Ruhm ist längst verblichen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

25. Mai 1983, Athen, Olympiastadion Spyridon Louis: Es läuft die 8. Minute im Endspiel um den Fußball-Europacup der Landesmeister, dem Vorläufer der Champions League. Der Hamburger SV ist gegen Juventus Turin im Angriff. Felix Magath erhält den Ball und läuft in Richtung Strafraum. Vor der Linie zieht er aus halblinker Position ab. Juves Torwartlegende Dino Zoff ist chancenlos – 1:0 für den HSV. Magaths Tor sollte das einzige bleiben. Die Hanseaten schaffen unter ihrem österreichischen Trainer Ernst Happel den Sprung auf den europäischen Fußball-Thron.

Ja, lang ist es her. Fast 28 Jahre sind nun vergangen und vom Glanz der Vergangenheit ist bei den Hanseaten gar nichts mehr übrig geblieben. HSV-Anhänger konnten und können nach 1983 gegenüber gegnerischen Fans nur noch mit dem DFB-Pokal-Sieg 1987 (3:1 im Finale gegen die Stuttgarter Kickers) prahlen. Danach ist – was Titel angeht – Ebbe.

Flut schlechter Nachrichten

Dafür wurde der Bundesliga-Dinosaurier zuletzt von einer wahren Flut schlechter Nachrichten heimgesucht. Nicht einmal HSV-Ikone Uwe Seeler ging mehr gerne in die Hamburger Arena. Neben fußballerischer Magerkost präsentierte der Verein eine unterirdische Außendarstellung. Mit dem vorzeitigen Weggang von Vorstandschef Bernd Hoffmann erreicht die HSV-Krise nun einen weiteren Höhepunkt. Der 48-Jährige hatte nach seiner Ausbootung durch den Aufsichtsrat ohnehin nur noch einen Vertrag bis Ende dieses Jahres.

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In Hamburg fußballerisch gescheitert: Bernd Hoffmann, langjähriger Vorstandschef des HSV.

(Foto: dpa)

Hoffmanns Abgang kam nicht überraschend. Spätestens seit dem Rauswurf von Trainer Armin Veh – er hatte sich lobend über den Vorstandschef geäußert – war klar, dass Hoffmanns Tage als oberster HSV-Manager gezählt sind. Neben eigener Schuld ließen ihn aber auch Eitelkeiten und Inkompetenz im Aufsichtsrat scheitern.

Kaufmann, kein Fußballer

Er sei ein sehr guter Kaufmann, habe aber von Fußball keine Ahnung, hieß es in Hamburg. Hoffmann wurden Missgriffe bei Trainerverpflichtungen vorgeworfen. Ein weiterer Vorwurf an seine Adresse war, dass der aktuelle Kader – auch Legionärstruppe genannt – falsch zusammengestellt worden sei.

Obwohl seit Hoffmanns Amtsantritt im Februar 2003 sieben Coaches verpflichtet wurden, war Hoffmann kein "Trainerfresser". Erinnert sei an sein langes Festhalten an Thomas Doll 2006, obwohl der HSV ernsthaft in Abstiegsgefahr war. Auch, dass ein Bruno Labbadia nicht einmal ein Jahr auf dem Trainerstuhl saß, weil er sich mit der Mannschaft verkrachte, ist nicht Hoffmann anzulasten.

Richtig ist: Der von Hoffmann verantwortete Kader hat keine Perspektive. Der Weggang des fußballerisch kompetenten Dietmar Beiersdorfer tut dem HSV noch heute weh. Die Nach-Beiersdorfer-Ära ist – sportlich gesehen – trist und grau wie das Hamburger Wetter an vielen Tagen. Zudem laufen nach dieser Saison acht Spielerverträge aus, darunter die von Piotr Trochowski, Ze Roberto und Frank Rost. Letzterer wird wohl nach seinem verbalen Rundumschlag gegen die HSV-Spitze den Verein verlassen oder ganz aufhören.

Es muss sich etwas ändern

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Ersatz: Carl Edgar Jarchow.

(Foto: dapd)

Beim Traditionsklub ist ein radikaler Neubeginn nötig – sportlich und führungsmäßig. So, wie der Verein derzeit aufgestellt ist, ist das allerdings unmöglich. Das ständige Reinreden des Aufsichtsrats in das Tagesgeschäft muss aufhören. Ein starker Vorstandschef für den jetzt amtierenden FDP-Politiker Carl Edgar Jarchow muss her. Im Gespräch ist mit Björn Gulden wieder ein Mann aus der Wirtschaft.

Mit Frank Arnesen kommt zur kommenden Saison ein neuer Sportchef. Der überforderte Bastian Reinhardt wird ins zweite Glied zurücktreten. Der Däne Arnesen hat bereits seine eigenen Vorstellungen: Er möchte mit seinem Landsmann Morten Olsen einen gestandenen Trainer in Hamburg haben.

So oder so muss sich etwas ändern. Sonst kommt dem deutschen Fußball-Oberhaus irgendwann der Dino abhanden.

Quelle: n-tv.de

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