Olympia

Absprung von Politik geschafft Das Turnfieber lässt Gienger einfach nicht los

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Immer für einen starken Auftritt gut: Eberhard Gienger.

(Foto: picture alliance/dpa/Kessler-Sportfotografie)

Er war Weltmeister am Reck, gewann Olympia-Bronze, erfand seinen eigenen Salto - und war 19 Jahre lang für die CDU im Bundestag: Eberhard Gienger. Der Sport ist noch immer sein Ding, auch wenn er die aktuellen Topstars nicht immer versteht. Kurz vor Olympia feiert Gienger seinen 70. Geburtstag.

Irgendwann im zweiten Corona-Frühjahr nacheinander war selbst der über Jahrzehnte rastlose und immer agile Eberhard Gienger physisch und vor allem psychisch am Ende: "Ich habe mich immer ins Zeug gelegt, aber irgendwann waren alle Akkus leer." Und so brauchte Deutschlands einstiger Vorturner dringend eine Auszeit, der 70. Geburtstag heute wird nur in kleiner Runde gefeiert.

Dabei war "Ebse" immer mehr der Mann für den großen Bahnhof und nicht für das kleine Nebengleis. Einmal Weltmeister und dreimal Europameister am Reck, deutscher Rekord-Champion mit 34 nationalen Titeln, ehe ihn ein gewisser Fabian Hambüchen übertrumpfte. Mit Vollgas ging es nach der Sportlerlaufbahn weiter: Geschäftsmann, Sportfunktionär und eine Politkarriere, die ihn auf CDU-Ticket für 19 Jahre in den Deutschen Bundestag führte.

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1976 gewinnt Gienger Olympia-Bronze.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Dort loszulassen, diese Entscheidung fiel schon vor mehr als einem Jahr. Die Reckstange loslassen, das kann und will der Schwabe bis heute nicht. "Durch den Sport und das Turnen ist es besser geworden, ich fühle mich wieder auf dem Weg nach oben", sagte Gienger. Und präsentierte zu Wochenbeginn vor laufender Kamera zwar keinen Gienger-Salto, aber durchaus ansehnliche Riesenfelgen.

"Dann schlägt das Herz doppelt so schnell"

Mit der aktuellen Turn-Generation und deren Befindlichkeiten kann der zweimalige Sportler des Jahres mehr als gut mitfühlen. Denn vor 41 Jahren trainierte auch Gienger in eine olympische Unsicherheit hinein. Olympia in Moskau ja oder nein - darüber wurde in Deutschland höchst kontrovers debattiert. Letztlich entschied die deutsche Politik zwei Monate vor den Spielen, die Veranstaltung wegen der sowjetischen Truppen in Afghanistan zu boykottieren.

Daher war und ist der Vater von drei Söhnen für die Austragung der Spiele in Tokio, auch in Zeiten der Pandemie. "Wir müssen weiterhin lernen, mit diesem Virus zu leben. Ich glaube, dass Organisatoren und Sportler sich vernünftig verhalten werden", sagte Gienger.

Die olympische Medaille, die er in Bronze 1976 in Montreal am Reck gewann, traut er in der japanischen Hauptstadt sowohl Elisabeth Seitz am Stufenbarren als auch Lukas Dauser am Barren zu: "Sie können auf jeden Fall das Finale erreichen. Und dann schlägt das Herz doppelt so schnell wie normal, und es gibt nach vorne kein Halten mehr."

Quelle: ntv.de, ara/sid

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