Olympia

Großer Jury-Ärger für zweites DuoDeutsches Star-Paar brennt feurigen Olympia-Tango aufs Eis

15.02.2026, 23:37 Uhr
Minerva-Fabienne-Hase-and-Nikita-Volodin-of-Germany-react-to-their-scores-after-competing-during-the-pairs-figure-skating-short-program-at-the-2026-Winter-Olympics-in-Milan-Italy-Sunday-Feb-15-2026
Minerva Fabienne Hase und Nikita Volodin freuen sich über eine herausragende Punktzahl. (Foto: AP)

Mehr als drei Jahre haben Minerva Hase und Nikita Volodin auf die Olympischen Winterspiele in Italien hingearbeitet. Im Kurzprogramm zeigen sie eine starke Vorstellung - und dürfen von Gold träumen.

Minerva Hase gönnte sich ein paar Momente der Freude. Noch auf dem Eis strahlte sie und redete glücklich auf ihren Paarlauf-Partner Nikita Volodin ein. Die deutschen Eiskunstlauf-Stars wussten sofort, dass ihnen am Abend in der Milano Ice Skating Arena etwas Großes gelungen war. Vielleicht schon etwas, das ganz leicht Gold glänzt. Mit 80,01 Punkten beendeten sie das olympische Kurzprogramm. So gut waren sie in dieser Saison noch nicht gelaufen. Hase/Volodin gehen mit einem Vorsprung von viereinhalb Punkten auf die amtierenden Europameister Anastassia Metelkina und Luka Berulava in die Kür am Montagabend.

Nachdem die Wertung der Punktrichter gezeigt wurde, schaltete Hase direkt in einen anderen Modus. Abhaken, vorbereiten und dann im zweiten Teil des Paar-Wettbewerbs genauso weitermachen, wie sie aufgehört hatten. Sie hatten wirklich ein Weltklasse-Kurzprogramm aufs Eis gebracht. Nachdem sie sich zuvor abgeschottet hatten. Sie wollten nicht sehen, nicht hören, was ihre Konkurrenten um Gold aufs Eis brachten. Die Georgier lieferten ebenfalls stark ab, waren aber augenscheinlich verwundert, dass ihnen "nur" 75,46 Punkte zugeschrieben wurden. Dass sie damit nur knapp vor den Kanadiern Lia Pereira und Trennt Michaud lagen (74,60).

Es sollte sich wie Training anfühlen

"Wir sind aufs Eis gegangen und wollten gerne, dass es sich wie ein Training anfühlt. Wir wollten Olympia und den ganzen Stress ausblenden", sagte Hase: "Wir haben unseren Job gemacht, von daher sind wir natürlich sehr glücklich über den ersten Part. Aber die großen Emotionen sparen wir uns noch auf."

Die zweimaligen japanischen Weltmeister Riku Miura/ Ryuichi Kihara, im Teamwettbewerb noch brillant, erlebten einen Frustlauf. Kihara patzte bei der Hebung und war danach untröstlich. Noch auf dem Eis nahm ihn seine Partnerin in den Arm. Der Trainer baute ihn auf: "Es ist noch nicht vorbei". Mit 73,11 Punkten liegen sie im Medaillenkampf noch aussichtsreich. Und wie schnell es ein Top-Paar erwischen kann, hatten sie ja selbst gerade erst erlebt. Die Italiener Sara Conti/Niccolò Macii (Italien/71,70) belegten vor eigenem Publikum nur den enttäuschenden achten Platz. Das zweite deutsche Paar Annika Hocke/Robert Kunkel belegt nach einer guten Vorstellung ohne groben Fehler mit 67,52 Punkten den elften Rang.

Allerdings gab's darüber durchaus Ärger. Während das Publikum Hocke und Kunkel feierte, ging die Jury hart mit dem Duo doch überraschend ins Gericht. "Wir haben schon in den letzten Tagen gesehen, dass es hier ein paar zu hinterfragende Entscheidungen gab. Dem schließen wir uns leider an", sagte Kunkel: "Es ist eben ein sehr subjektiver Sport." Hocke ergänzte: "Wir schauen auf das Positive. Wir haben gezeigt, was wir zeigen konnten."

Den EM-Patzer bestens überwunden

Hase und Volodin waren dagegen ganz bei sich. Und das war alles andere als selbstverständlich. Ein Fehlerfestival trotz eines zweiten Platzes bei der Europameisterschaft in Sheffield vor rund einem Monat hatte an den Nerven gezerrt. Eine Konkurrenz in Topform machte den Traum von einer Olympia-Medaille, von Gold, ungleich schwerer. "Man hat die ganze Saison schon gesehen, dass alle Paare von Wettkampf zu Wettkampf immer ein bisschen besser wurden und auf den Höhepunkt hingearbeitet haben", sagte Hase vor wenigen Tagen in Mailand und schob nach: "Wir besinnen uns darauf, was wir beeinflussen können."

Im Kurzprogramm gelang das vorzüglich. Der Dreifach-Twist zum Auftakt gelang perfekt, ebenso der folgende Dreifach-Salchow. Auch beim Rittberger lief alles wie geschmiert. Es war ein Triumphzug zum eigens für sie komponierten Tango. Und das merkten sie. Das Lächeln wurde immer größer, das Selbstvertrauen auch. Ihr Trainer Dmitri Sawin pustete erleichtert durch. Während Volodin derzeit seine olympische Premiere erlebt, ist Hase zum zweiten Mal dabei. In Peking machte sie indes ein kleines Drama durch. Ihr Partner Nolan Seegert musste nach zwei positiven Corona-Tests mehrere Tage im Quarantäne-Hotel verbringen. Danach total erschöpft schleppte er sich durch die Programme. Am Ende stand ein 16. Platz für das Paar.

Seit fast dreieinhalb Jahren sind Hase/Volodin nun ein Eiskunstlauf-Paar. Seitdem eilt das Duo quasi von Erfolg zu Erfolg. Zwei WM-Medaillen, EM-Gold im vergangenen Jahr und eben die Silbermedaille in Sheffield zählen zur internationalen Medaillensammlung. Und nun vielleicht bald auch noch ein Erfolg bei Olympia. Ein goldener?

Quelle: ntv.de, tno

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