Olympia

22, gesperrt, Olympiasieger Ehemaliger Dopingsünder hebt Weltrekord

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Beeindruckende Kraftprobe.

(Foto: REUTERS)

Lascha Talachadse gewinnt die Königsdisziplin im olympischen Gewichtheben. Der Georgier hebt Weltrekord. Sein Sieg offenbart allerdings das Dilemma der Sportart: Talachadse ist ein ehemaliger Dopingsünder - ebenso wie der Silbermedaillengewinner.

Ein Blick auf das Podest genügte, um die ganze Absurdität des olympischen Gewichthebens schonungslos offenzulegen. Lascha Talachadse, 22: Olympiasieger und neuer Weltrekordler - schon mal gesperrt wegen der Einnahme von Stanozolol. Gor Minasjan, 21: Silber - einst erwischt mit Nandrolon. Ausgerechnet zwei frühere Dopingsünder haben sich zum Abschluss der Gewichtheber-Wettkämpfe bei den Sommerspielen in Rio mit außergewöhnlichen Leistungen die begehrtesten Medaillen gesichert. Der deutsche Starter Almir Velagic war als Neunter völlig chancenlos - und ist längst desillusioniert.

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Lascha Talachadse feiert sich, seinen Weltrekord und den Olympiasieg.

(Foto: REUTERS)

"Es ist immer sehr fragwürdig, wenn so junge Leute Weltrekorde aufstellen", sagte Velagic und meinte mit Blick auf Olympiasieger Talachadse: "Er war bis 2015 gesperrt, kommt zurück und ist noch stärker." Es war ein Witz, ein schlechter. Velagic hatte im olympischen Zweikampf 420 Kilogramm zur Hochstrecke gebracht. Von Talachadse und dem Podest trennten den 34-Jährigen aus Speyer Welten. Der Georgier verbesserte mit 473 Kilogramm den 16 Jahre alten Weltrekord um ein Kilo, der Armenier Minasjan kam immerhin noch auf 451 Kilogramm.

"Diese Leistungen sind für uns nicht machbar"

"Diese Leistungen sind für uns nicht machbar. Das werden wir nicht erreichen", sagte Bundestrainer Oliver Caruso. Der Olympia-Dritte von Atlanta und andere Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft hatten schon vor dem Wettkampf heftige Kritik an der Konkurrenz sowie am Anti-Doping-Kampf in ihrer Sportart geübt. Russland und Bulgarien waren bereits im Vorfeld disqualifiziert worden, Caruso forderte den Ausschluss weiterer Länder. Am Dienstag legte er nach. "Es muss sich etwas verändern. Fair Play gehört hier her. Das ist nicht der Fall", sagte der 42-Jährige: "Der Weltverband muss ein Zeichen setzen. Wir müssen das regeln, irgendwie."

Die Doping-Probleme im Gewichtheben sind eklatant. 31 Nachtests der Spiele in Peking und London fielen positiv aus, auch Medaillengewinnern wurde die Einnahme verbotener Substanzen nachgewiesen. Eine Fortsetzung nach Rio? Nicht auszuschließen. "Wir müssen abwarten, was jetzt dabei herauskommt, wenn die Kontrollen durch sind", sagte Caruso mit Blick auf Velagics Platzierung. Womöglich rutsche dieser im Ranking nachträglich noch nach vorne: "Das hat der Almir schon ein paar Mal erlebt."

Ob Velagic dies noch als Aktiver erlebt, ist fraglich. Er hob an der Seite von Matthias Steiner, als dieser 2008 in Peking sensationell Olympiasieger wurde. Damals wurde er Achter, genau wie 2012 in London. Doch Velagic wird am kommenden Montag 35 Jahre alt. Ob allein die Liebe zum Gewichtheben genügt, um sich im Training zu schinden - und gegen all die zermürbenden Probleme der Sportart anzukämpfen? "Wie lange ich es mir noch antue, das weiß ich nicht. Ich muss mich erst einmal neu sortieren", sagte er, ließ sich jedoch eine Hintertür offen: "Ich bin eigentlich noch zu gut in dieser Sportart."

Quelle: n-tv.de, Emanuel Reinke, sid

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