Olympia

Ende der unendlichen Geschichte Gold lässt Savchenkos Herz schmelzen

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Ihre Bronzemedaillen aus Vancouver und Sotschi versteckt Savchenko in ihrem Keller. Gold wird es wohl bis ins Wohnzimmer schaffen.

(Foto: REUTERS)

Fünf Olympische Winterspiele lang hat Aljona Savchenko auf diesen Moment gewartet: Eine Goldmedaille um den Hals hängen zu haben. Mit Bruno Massot gelingt es ihr nun in Pyeongchang. Es ist "eine unglaubliche Geschichte", sagt sie selbst.

Aufmunterung gehört nicht zu den Stärken von Eiskunstläuferin Aljona Savchenko. Verbissen arbeitet sie sechzehn Jahre lang an ihrer Goldmedaille bei Olympischen Winterspielen. In Pyeongchang verwirklicht sie nun ihren Traum: Gemeinsam mit Bruno Massot holt Savchenko den ersten deutschen Olympia-Sieg im Paarlauf seit 1952. Damals hatten Ria Baran und Paul Falk in Oslo triumphiert. "Es ist eine unglaubliche Geschichte", wie Savchenko selbst erklärt, denn bis zum Beginn der deutschen Kür war ein Triumph nicht absehbar.

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Im Teamwettbewerb stürzt erst die 34-Jährige beim dreifachen Wurf-Flip, im Kurzprogramm patzt ihr 29 Jahre alter Partner: Er springt nur einen zweifachen statt eines dreifachen Salchow. Zudem zeigen die Chinesen Sui Wenjing und Han Cong eine perfekte Vorstellung. Mit Platz vier ist die Aussicht auf Gold für die beiden Wahl-Oberstdorfer minimal. Selbst eine Bronzemedaille rückt zur Halbzeit in weite Ferne. Nachsicht mit ihrem Partner zeigt Savchenko nach dem misslungenen Sprung nicht. Auf die Frage, wie sie Massot vor der entscheidenden Kür wieder aufbauen wolle, kontert die kühle Blonde hartherzig: "Das muss er schon selbst machen."

Doch bei ihrem letzten Programm in Südkorea zeigen die deutschen Eiskunstläufer ihre Perfektion. Mit dem Symbol für Unendlichkeit - der liegenden Acht - beginnen Savchenko und Massot ihre Vorstellung und ahnen dabei noch nicht, dass diese Pose der Anfang vom Ende einer unendlichen Geschichte des Wartens sein wird. In Salt Lake City 2002 startete Savchenko bei Olympia noch für die Ukraine, vier Jahre später gab sie ihr deutsches Debüt mit Robin Szolkowy. Immer wieder rutschte das Paar knapp an einem Olympiasieg vorbei: 2010 in Vancouver und 2014 in Sotschi reichte es "nur" für Bronze.

"Mein Leben heißt kämpfen"

Nach den Spielen in Russland trennten sich Savchenko und Szolkowy nach elf gemeinsamen Jahren im Streit. Es ging um Geld, Savchenkos enormen Ehrgeiz und Szolkowys Zukunftspläne mit seiner Schweizer Lebenspartnerin. Auf den Greifswalder folgte der gebürtige Franzose Bruno Massot an der Seite von Savchenko. Auch Trainer Ingo Steuer, der unter anderem wegen Stasi-Verwicklungen in die Kritik geriet, wurde gegen Alexander König ausgewechselt.

"Mein Leben heißt kämpfen", sagt die verbissene Eiskunstläuferin. Beim gemeinsamen Silvesterfest beschlossen Savchenko und Massot, dass 2018 ihr Jahr werden soll - und so kommt es auch. Savchenko läuft "die Kür ihres Lebens", wie sie das vom britischen Olympia-Sieger Christopher Dean choreografierte Programm nennt. Mit dem Titel "La terre vue du ciel" (Die Erde vom Himmel aus gesehen) von Komponist Armand Amar hebt das deutsche Eiskunstlaufpaar tatsächlich in ungeahnte Höhen ab. Fehlerfreie Sprünge, fast perfekt synchrone Drehungen und viel Ausdruck verhelfen dem Duo zu 159,31 Punkten - ein Rekord.

Schon wenige Sekunden nachdem die letzten Klänge der Musik verklungen sind, stürzt sich Savchenko auf die Eisfläche: Anspannung und Erleichterung fallen von der zierlichen Eiskunstläuferin mit dem enormen Ehrgeiz ab. Massot steigen Tränen in die Augen, wie noch so oft an diesem Tag. Auf ihren Golderfolg angesprochen brechen bei beiden immer wieder die Dämme. Sie schluchzen und weinen und können sich selbst nicht so richtig erklären, wie sie von Platz vier auf eins gesprungen sind. "Wir haben uns gesagt: Wir müssen jetzt angreifen wie die Tiger", beschreibt Massot den Motivationsschub. Was genau in der Nacht zwischen seinem verpatzten Sprung und der gemeinsamen Goldmedaille passierte, wissen aber wohl nur Bruno Massot und die unendlich glückliche Aljona Savchenko, die erklärt: "Das ist der Moment meines Lebens."

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Quelle: n-tv.de

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