Olympia

"Alter, das Ding musst du kaufen" Hambüchen belohnt sich mit Gold und Reck

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Fabian Hambüchen krönte bei den olympischen Spielen in Rio de Janeiro seine beeindruckende Turnkarriere.

(Foto: REUTERS)

Fabian Hambüchen tritt als Erster ans Reck. Seine Übung: sehr gut. Doch dann heißt es lange warten. Es ist die letzte olympische Zitterpartie in seiner einzigartigen Karriere - aber vermutlich auch seine schönste.

Später ist Fabian Hambüchen noch einmal zurückgekehrt in die Turnhalle. Mit der Goldmedaille um den Hals wollte er das Gerät fotografieren, an dem ihm rund eine Stunde zuvor der größte Triumph seiner Karriere gelungen war, an dem sich sein Kindheitstraum vom Olympiasieg erfüllt hat. "Da kam mir der Gedanke: Hey Alter, das Ding musst du kaufen. Es wäre ja blöd, wenn ich das Ding hier stehen lasse", erzählte er. Im Überschwang der Gefühle hat er sich der deutsche Turner weder um Transport noch um die Kosten große Gedanken gemacht. Aber das spielte an diesem Abend auch keine Rolle.

Hambüchen stieß im Deutschen Haus auf den goldenen Abschluss seiner internationalen Karriere an. 26 Medaillen hatte er vor dem Erfolg im Reck-Finale von Rio de Janeiro gewonnen, zwei davon bei Olympischen Spielen. Nach seinem Debüt in Athen 2004 war er vier Jahre später in Peking als großer Favorit gestartet. Doch der Druck wurde zu groß, er wäre beinahe gestürzt und hat immerhin noch Bronze gerettet.

In London 2012 wurde es Silber und nun gelang ihm bei seinem letzten internationalen Auftritt der "total runde Abschluss", wie er selbst findet, mit einer seiner besten Vorstellungen am Reck. Vater Wolfgang nannte es "die Komplettierung seiner Sammlung." Hambüchen wird vielleicht noch in der Bundesliga turnen, "aber das hängt alles von der Gesundheit ab", sagt er.

Schmerzhafter Weg nach Rio

Dreizehn Jahre Turnsport auf höchstem Niveau haben Spuren hinterlassen. Noch im Frühjahr war gar nicht klar gewesen, ob er überhaupt bei Olympia würde starten können. Im Februar hatte sich Hambüchen im Training an der Schulter verletzt. Bei einer Drehung am Reck verfehlte er die Stange und stürzte. Die Sehne, die schon seit längerer Zeit angerissen war, bereitete ihm wieder Probleme. Zu Beginn war es so schlimm, dass er beim Autofahren nur unter Schmerzen die Gänge einlegen konnte und er beim Umzug seiner Freundin die schweren Kartons schleppen lassen musste.

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Vater Wolfgang Hambüchen durfte Sohn Fabian in Rio mit einer Sondergenehmigung als Personal Coach betreuen.

(Foto: imago/Eibner)

An Training an den Geräten war nicht zu denken. Er habe sich "nur ein bisschen gedehnt und bin aufs Trampolin", erzählte er vor Beginn der Olympischen Spiele. Aber die Strahlentherapie schlug an. Seit Anfang Juni konnte er wieder "Vollgas geben", wie er erklärte.

Kein Spektakel um jeden Preis

Physisch nicht in bester Verfassung, aber mental sah er sich vor seinem finalen Wettkampf "stabiler denn je". Zusammen mit seinem Vater, der ihm auf seiner gesamten Karriere als Trainer begleitet hat und der dieses Mal ihn in Rio mit einer Sondergenehmigung als Personal Coach betreuen durfte, hat er die Kür seinen körperlichen Befindlichkeiten angepasst.

Schon seit längerem verzichtet er auf Spektakel um jeden Preis. Sein Motto ist, die Übung "so stabil, so safe wie möglich zu halten" - selbst, wenn er damit aus der Rolle fallen würde. Denn die Sportart hat sich in eine Richtung entwickelt, die dem 28 Jahre alten Hambüchen nicht mehr gefällt. "Es ist zum Teil zu riskant. Das ist nicht in Ordnung so." Deshalb war ihm auch gar nicht in den Sinn gekommen, jene Kür, die er in Rio bereits zweimal perfekt geturnt hat, vor dem Finale noch einmal zu verändern und ein zusätzliches Flugelement aufzunehmen, um einen höheren Schwierigkeitsgrad zu erzielen. Es war ihm wichtig, bei sich zu bleiben, das hat er gelernt in den vergangenen Jahren.

Anders als Epke Zonderland, der sowohl ewiger Rivale als auch guter Freund ist und Hambüchen in London vor vier Jahren den Olympiasieg weggeschnappt hatte. Der Niederländer wollte in seine Kür extra für das Finale noch ein Flugelement einbauen, um seine Siegchancen im Duell mit dem Deutschen zu erhöhen. Aber er griff nach einem Flug über die Reckstange daneben und stürzte auf den Boden. Der Weg war frei nun frei für Hambüchen.

Im olympischen Reck-Finale schloss sich auch ein Kreis für die beiden Kontrahenten. In London hatte Zonderland gewannen, vor Hambüchen. Nun schnappte sich der Deutsche die Goldmedaille, allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass sein Gegner leer ausging. Bei diesem letzten Duell der Freunde, gibt Hambüchen zu, "wäre ich gerne mit ihm noch einmal da oben gestanden." Die Wehmut hält jedoch nicht lange an. "Die Freude über den Sieg", sagte er, "trübt das aber nicht."

Quelle: ntv.de

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