"Hat mir das Rennen versaut"Unfair weggeblockt: Deutscher verliert Medaillenchance

Ausgerechnet der Olympiasieger benimmt sich daneben - und verwehrt damit einem Deutschen die Chance auf eine Medaille bei den Olympischen Winterspielen. Skicrosser Tim Hronek ist mächtig sauer, die Bestrafung des Übeltäters hilft ihm gar nichts.
Tim Hronek brauchte ein paar Minuten, um sich zu beruhigen. "Ich war schon sehr aufgeladen, aber was soll ich machen. Ich hatte es nicht in der Hand", sagte der 30 Jahre alte Skicrosser mit einem Achselzucken, nachdem ihm ein Star der Szene auf unsportliche Weise den Einzug ins olympische Finale verwehrt hatte. "Der hat sich", brummte Hronek, "wahrscheinlich gedacht: Wenn ich nichts ins Finale fahre, dann fahren die anderen auch nicht ins Finale. Mir hat er damit das Rennen versaut."
Es war Ryan Regez, Olympiasieger von Peking und Weltmeister, der Hronek im Halbfinale illegal eingebremst hatte: Der Schweizer beging einen Fehler, fuhr den linken Arm aus und hinderte den Deutschen damit daran, auf den zweiten Platz vorzurücken. Hronek verlor an Tempo, kam nur als Dritter ins Ziel und verpasste damit den Finaleinzug. Da half es auch nicht, dass Regez erst disqualifiziert wurde und sich danach zögerlich bei Hronek entschuldigte.
"Das bringt mir genau gar nichts, er hat es gemacht, in meinen Augen ziemlich unsportlich, da kann ich mir jetzt auch nichts davon kaufen. Aber das ist halt Skicross", sagte Hronek, der anschließend im kleinen Finale Rang zwei und damit Rang sechs im Endklassement belegte - unmittelbar vor seinem Mannschaftskollegen Florian Wilmsmann, der sich ebenfalls Hoffnungen auf eine Medaille gemacht hatte.
Wilsmann kommt "nicht so richtig vom Fleck"
"Natürlich geht man mit großen Erwartungen in den Tag", sagte Wilmsmann. Und tatsächlich begann auch sein Tag gut: starker Vierter im Platzierungslauf am Vormittag, souverän im Achtelfinale und im Viertelfinale - "das ist noch so gelaufen, wie man sich das vorstellt". Aber dann: Im Halbfinale kam der WM-Zweite von 2023 "nicht so richtig vom Fleck, dann mache ich Fehler, und dann gehts halt schnell, dass man nur im kleinen Finale steht", sagte er.
Wilmsmann belegte nur Rang vier in seinem Halbfinale, der Erste und der Zweite dieses Laufs waren auch am Ende Erster und Zweiter: Simone Deromedis aus Italien, Weltmeister von 2023, siegte vor seinem überraschend starken Teamkollegen Federico Tomasoni. Bronze ging an Altmeister Alex Fiva: Der 40 Jahre alte Schweizer hatte vor vier Jahren in Peking hinter Landsmann Ryan Regez Silber gewonnen.
Alle vier gestarteten Deutschen hatten zunächst das Viertelfinale erreicht: Cornel Renn schied dort im selben Lauf wie Wilmsmann aus - ihm fehlten dabei nur 0,05 Sekunden zum Weiterkommen. Florian Fischer konnte sich in seinem Viertelfinale gegen Regez und Fiva durchsetzen.