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München, 5. September 1972: Ein Scharfschütze geht auf einem Dach im Olympischen Dorf in Stellung, nachdem palästinensische Terroristen israelische Sportler während der Spiele 1972 als Geiseln genommen haben.
München, 5. September 1972: Ein Scharfschütze geht auf einem Dach im Olympischen Dorf in Stellung, nachdem palästinensische Terroristen israelische Sportler während der Spiele 1972 als Geiseln genommen haben.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 23. Juli 2012

Olympia-Attentat von München 1972: IOC schweigt nicht für Israelis

Hier kommt der Autor hin

40 Jahre nach dem Olympia-Attentat von München gehen die Diskussionen um eine Schweigeminute während der Eröffnungsfeier in London weiter. IOC-Präsident Jacques Rogge lehnt die Geste ab, Israel hadert mit seinem Vertreter im Internationalen Olympischen Komitee.

Bob Costas ist nicht irgendwer. Bob Costas ist der vielleicht bekannteste Sportmoderator im amerikanischen Fernsehen, vor allem aber genießt er ein enorm hohes Ansehen. Costas ist so etwas wie das Gesicht der Olympischen Spiele in den USA. Und nun hat er sich entschieden, ein Zeichen zu setzen: Wenn am Freitag bei der Eröffnungsfeier in London die israelische Olympia-Mannschaft ins Stadion einmarschiert, wird Costas während der Live-Übertragung eine Minute lang schweigen. Zu Ehren der Toten des Olympia-Attentats von München 1972. Und aus Protest gegen das IOC, das Internationale Olympische Komitee.

Costas, der populärste Mitarbeiter des größten Geldgebers des IOC, kann nicht verstehen, warum die Herren der Ringe den Israelis keine Schweigeminute während der Eröffnungsfeier gewähren wollen. Selbst US-Präsident Barack Obama hatte sich dafür stark gemacht, doch auch der Friedensnobelpreisträger konnte IOC-Präsident Jacques Rogge nicht umstimmen. "Wir glauben", sagte der Belgier am Wochenende, "dass eine Eröffnungsfeier nicht die Atmosphäre bietet, um an einen solch tragischen Moment zu erinnern." Rogge versicherte, man habe die Bitten sehr wohl zur Kenntnis genommen. Trotzdem: Es bleibe beim Nein.

Palästinensische Terroristen töten elf Israelis

Offensichtlich trägt auch das israelische IOC-Mitglied Alex Gilady die Entscheidung gegen eine Schweigeminute mit. Eine Haltung, die dem 69-Jährigen in Israel Kritik eingebracht hat. Gilady sollte "an vorderster Front" für diese Sache kämpfen, sagte die israelische Sportministerin Limor Livnat. Neben vielen anderen Politikern weltweit hatte auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle ein derartiges Gedanken als angemessen bezeichnet. "Nur der einzige Israeli im IOC, der Israeli, von dem die Gesellschaft erwartet, dass er die Hinterblieben vertritt, ist davon nicht überzeugt", klagte Livnat.

Bei den zuvor "heiteren" Spielen in München hatten palästinensische Terroristen am 5. September 1972 insgesamt elf israelische Athleten und Betreuer sowie ein Polizist umgebracht. Seitdem kämpfen die Hinterbliebenen, allen voran die Witwe des getöteten israelischen Fechttrainers André Spitzer, um die Schweigeminute bei der Eröffnungsfeier. In diesem Jahr will das IOC während einer Veranstaltung am 4. August in London an die Toten erinnern. Darüber hinaus wollen Rogge und weitere IOC-Mitglieder am 40. Jahrestag des sogenannten Massakers von München an einer Gedenkfeier am Flughafen Fürstenfeldbruck bei München teilnehmen.

Der Verteidigungsminister sagt: "Wir sind auf jeden Fall wachsam"

Unterdessen sind israelische Sicherheitskräfte anscheinend in erhöhter Alarmbereitschaft. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak betonte am Sonntag: "Wir erinnern uns an München." Baraks Berater Amos Gilad dementierte aber einen Bericht der "Sunday Times", wonach Israel eigens eine Spezialeinheit nach London geschickt habe, um mögliche Attentäter zu jagen. "Man schickt nicht so einfach Dutzende Agenten los, um Phantome zu jagen", sagte Gilad, ergänzte aber, dass Israel "selbst ohne konkrete Warnungen" wachsam sein müsse: "Vor allem, weil solche Dinge in der Vergangenheit ja bereits geschehen sind."

"Solche Dinge" sind angeblich erneut zu befürchten. Die "Sunday Times" hatte unter anderem behauptet, der israelische Geheimdienst Mossad werte den tödlichen Anschlag auf israelische Touristen am vergangenen Mittwoch im bulgarischen Burgas als Vorbote eines Attentats in London. Ein Selbstmordattentäter hatte in dem Ferienort am Schwarzen Meer fünf Israelis und deren Busfahrer mit in den Tod gerissen. Israel hat dafür Iran sowie die schiitische Hisbollah verantwortlich gemacht. Teheran wiederum verurteilte den Anschlag in Burgas öffentlich. "Wir müssen kühlen Kopf bewahren und abwägen", sagte Gilad. Die 38 israelischen Athleten sind bereits am 10. Juli im Olympischen Dorf in London eingezogen. "Wir sind auf jeden Fall wachsam", versicherte Barak.

Quelle: n-tv.de

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