Olympia

Eisenbichler war "sehr sauer" Im Team findet Freitag sein Olympiaglück

52478ca9a632c092dc8243c3614e9848.jpg

Die deutschen Silber-Springer: Karl Geiger (L.-R.), Stephan Leyhe, Richard Freitag und Andreas Wellinger.

(Foto: dpa)

Dritter Wettkampf, dritte Medaille: Deutschlands Skispringer beenden die Olympischen Spiele in Pyeongchang im Teamwettkampf erfolgreich. Dafür baut Bundestrainer Werner Schuster überraschend seine Formation um.

Richard Freitag, Karl Geiger und Stephan Leyhe guckten so bedröppelt, als müssten sie gleich einen der größeren Unfälle der jüngeren deutschen Sportgeschichte erklären. Als wäre diese Pressekonferenz nach dem olympischen Teamevent ein Gericht, das als Urteilsspruch nur schuldig kennt. Dabei waren Freitag, Geiger, Leyhe und natürlich auch Andreas Wellinger von jeder sportlichen Fahrlässigkeit freizusprechen. Sie hatten der jüngeren deutschen Sportgeschichte gar ein erfolgreiches neues Kapitel hinzugefügt: Skisprungsilber bei den Winterspielen in Pyeongchang. Deutlich geschlagen von Norwegen zwar, dafür aber knapp vor den Polen, bei denen ausgerechnet der sonst so stabile Großschanzensieger Kamil Stoch im letzten Sprung gepatzt hatte.

  Nein, nein, man solle das jetzt nicht falsch verstehen. Die drei deutschen Jungs da oben auf dem Podium - Kleinschanzen-Olympiasieger Wellinger war zur Dopingkontrolle abbestellt - die seien schon glücklich mit Silber, das betonten sie jetzt nochmal. So wie sie es in unzähligen Interviews zuvor schon getan hatten. Außerdem seien sie doch total entspannt. Und gefreut hatten sie sich doch auch, als sie bei der "Tiger Ceremony" wuchtig aufs zweithöchste Stockerl gehüpft waren, oder nicht? Grummelig? Niemand ist grummelig. Und die Medaille, die habe man natürlich auch gewonnen. Und nicht etwa Gold verloren. So etwas wird ja nach zweiten Plätzen gerne mal geschrieben. Also sagte Freitag: "Die Teammedaille ist völlig okay, wenn die Silber ist. Es spiegelt einfach ein unglaublich starkes Team wider." Darauf später ein Weißbier.

Freitag fühlt mit Eisenbichler

Etwa 13 Meter fehlten der Mannschaft von Bundestrainer Werner Schuster auf die überragende Gold-Equipe aus Norwegen mit Daniel-Andre Tande, Andreas Stjernen, Daniel-Andre Forfang und Dreifach-Abräumer Robert Johansson. Nicht episch viel, aber doch zu viel für einen einzelnen Athleten. Auch für einen wie Team-Stammkraft Markus Eisenbichler? Diese Personalie musste ja jetzt kommen, dass wusste natürlich auch Schuster. Am Vorabend der letzten Entscheidung hatte der Bundestrainer den 26-Jährigen aus dem Team genommen, stattdessen den bis dato wettkampfbefreiten Stephan Leyhe nominiert. "Markus war natürlich sehr sauer. Aber er war zuletzt nicht so stabil. Und wir wollten Stabilität haben." Er habe viele Sprünge gehabt, um sich zu zeigen und "sich aufdrängen." Hat er offenbar nicht getan. Also Zuschauer.

Einer, der diese Situation bestens kennt, ist Freitag. In Sotschi vor vier Jahren war's ihm so ergangen, da war er es, der an der Schanze stand, mit ansah, wie seine Teamkollegen Gold gewannen und er leer ausging. "Das ist sehr bitter. Aber ich kann wirklich nur den Hut vor Markus ziehen. Er hat das Team heute unterstützt. Er hat das unglaublich stark gemacht."

Stark, so fand der Bundestrainer, auch die Leistung seines zuletzt auf immer noch gutem Niveau schwächelnden Vorfliegers. Sowohl von der kleinen, als auch von der großen Schanze war Freitag in Pyeongchang Neunter geworden. Fun Fact: Auch im Teamwettkampf wäre er in einer Einzelwertung Neunter gewesen (zweimal 134,5 Meter). "Er hat heute einen entscheidenden Beitrag geleistet. Das freut mich ganz speziell. Er hat so lange auf diese Medaille warten müssen." Bei seinen ersten Spielen in Sotschi war er 20. und 21. gewesen, fürs Team war er damals "geeisenbichlert" worden.

Medaille plus Erinnerung

Kurz vor der Abreise nach Pyeongchang hatte Freitag, der in dieser Saison bereits drei Springen gewonnen hatte, im Interview mit n-tv.de noch jeden Druck von sich gesprochen: "Bei Olympia geht es mir auf keinen Fall um eine Wiedergutmachung. Ich fahre nach Korea und kann eigentlich nur gewinnen. Wenn eine Medaille herausspringt, ist es super. Wenn nicht, dann werde ich sehr viele schöne Erinnerungen mit nach Hause nehmen." Nun ist's beides geworden. Die Erinnerungen bereits zum zweiten Mal, die Medaille als Premiere. Das gilt auch für Geiger, der herausragend sprang (136 und 134 Meter), und für Lehye, der es laut Schuster "so weit gut machte" (128 und 129 Meter), aber nicht über sich hinauswachsen konnte, wie man es sich im Trainerteam erhofft hatte. Für einen konstanten Angriff auf die Norweger über acht Sprünge reichte das eben nicht. Wohl aber, um sich gemeinsam mit den Polen vom Rest der Welt maximal zu entfernen. Die einst so erfolgreichen Österreicher hatten als Vierter bereits fast 100 Punkte Rückstand. Ein Wahnsinn.

Dennoch blieb so halt "nur" der Kampf um Silber. Und der wurde zu einem Last-Minute-Showdown: Mit einem Vorsprung von 0,6 Punkten war Polen in den letzten Sprung gegangen. Wellinger legte einen ordentlichen, aber keinen herausragenden Satz von 134,5 Metern hin (140 Meter im ersten Durchgang), Stoch folgte mit der gleichen Weite, hatte aber bessere Windverhältnisse und bekam daher weniger Punkte. "Dass es für uns noch so ausgegangen ist, ist natürlich der Hammer. Das werden wir schön feiern", sagte der bereits erprobte Dreifach-Medaillen-Abstauer Wellinger. Das Ziel natürlich wieder: Der olympische Weißbier- und Party-Hotspot, das Deutsche Haus. Auch für die drei glücklich Bedröppelten.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.