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Gus Kenworthy küsst seinen Lebensgefährten - und die Welt ist live dabei.
Gus Kenworthy küsst seinen Lebensgefährten - und die Welt ist live dabei.(Foto: Screenshot NBC)
Sonntag, 18. Februar 2018

"Schmatzer" gegen Homophobie: Kenworthys Olympia-Kuss bewegt die Welt

Schon 2014 überlegt Gus Kenworthy, die USA zu schockieren. Er will im Olympia-Zielraum seinen Lebensgefährten küssen und seine Homosexualität öffentlich machen. Was er sich damals doch nicht traut, holt er nun in Pyeongchang nach - live vor TV-Kameras.

Gus Kenworthy konnte es selbst kaum glauben - aber er hatte es diesmal getan. Wirklich und wahrhaftig, flüchtig und absolut selbstverständlich. Bevor der US-Freestyler im Phoenix Snow Park von Pyeongchang auf den Berg fuhr, um seinen Qualifikationslauf im olympischen Slopestyle anzugehen, küsste der 26-Jährige seinen Lebensgefährten Matthew Wilkas auf den Mund. Der US-TV-Gigant NBC übertrug live.

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In weiten Teilen des immer noch recht prüden Amerika war das eine Sensation. "Wow", sagte Kenworthy anschließend überwältigt. "Das tun zu können, ihn zu küssen, dass unsere Zuneigung um die Welt geht, ist unglaublich!" Schon vor dem Start der Spiele hatte sich Kenworthy stolz darüber gezeigt, sein Heimatland USA als homosexueller Athlet bei den Olympischen Winterspielen zu vertreten. "Wir sind hier. Wir sind schwul. Gewöhnt euch dran", twitterte der 26-Jährige.

Der Slopestyle-Silbermedaillengewinner von Sotschi veröffentlichte daszu ein Foto, auf dem er den amerikanischen Eiskunstläufer Adam Rippon auf die Wange küsst. Den Kuss für seinen Freund feierte die LGBT-Gemeinde nun als besonderen Moment der Befreiung für die Homosexuellenbewegung und eine Liebe, die nicht versteckt werden muss. Besonders bei Twitter gab es tausendfachen Zuspruch mit vielen bunten Herzchen. LGBT ist die aus dem Englischen entlehnte Abkürzung für Lesben, Schwule (Gay), Bisexuelle und Transgender.

"Der einzige Weg, Vorurteile einzustampfen"

Dies sei "der einzige Weg, Vorurteile einzustampfen, Mauern einzureißen, die Homophobie zu bekämpfen", sagte Kenworthy nach dem kurzen Kuss. "Ich wollte es 2014 schon im Zielraum tun. Aber damals habe ich mich nicht getraut." Nun hielt er lachend eine Stars-and-Stripes-Fahne in den Farben des Regenbogens in die Kamera, auch seine Fingernägel waren quietschbunt lackiert. Und dann: noch ein Kuss. Und noch einer.

In Sotschi hatte er noch größere Bedenken wegen der in Russland verbreiteten Homosexuellenfeindlichkeit gehabt, zudem wussten Freunde und Familie noch nicht Bescheid. Sein Coming-out hatte er erst 2015. Diesmal feierten alle am Fuße der Strecke einfach mit, selbst in die Regenbogenflagge gehüllt und berstend vor Stolz. Der Moment vor dem Start war hingegen ungeplant. "Es war ein Mini-Schmatzer", sagte Wilkas, der sein T-Shirt mit dem Aufdruck "USGay" (statt USA) trug, recht überrascht. Was er da noch nicht wusste: NBC hatte just in dieser Sekunde draufgehalten.

Gus Kenworthy beendete den Slopestyle-Wettbewerb auf Platz zwölf. Einen besonderen Olympia-Moment aber hat er geschaffen. Ohnehin hatte er angekündigt, eine Einladung ins Weiße Haus in Washington nach den Winterspielen abzulehnen oder Mike Pence die Hand zu schütteln: Der Vizepräsidenten sei homophob.

Quelle: n-tv.de