Olympische NoKo? Nur für MännerNathalie Armbruster darf nicht starten, weil sie eine Frau ist

Die Kombiniererinnen müssen auch diesmal zuschauen: Die Frauen-NoKo fehlt im olympischen Programm. In diesem Jahr entscheidet sich die Zukunft des Sports.
Ein kleines Mädchen steht vor einem Mikrofon. Mit ihrer quietschgelben Jacke vom Deutschen Ski-Verband sticht sie aus dem Publikum heraus. Schaulustige stehen um sie herum, sie läuten mit Kuhglocken, weil man das bei Ski-Events halt so macht. Im Hintergrund lässt sich eine Schanze erkennen. Das Mädchen, Nathalie Armbruster, wird gefragt, was denn ihr großer Traum ist. Sie wird da vermutlich etwa zehn Jahre alt sein, kann schon klar formulieren, was sie irgendwann erreichen will: "Ich möchte zu Olympia." Kurze Pause. "Mit der Nordischen Kombination."
Heute ist Nathalie Armbruster 20 Jahre alt. Und eigentlich sollte sich in diesen Tagen ihr großer Traum erfüllen. Zahlreiche Athletinnen und Athleten machen sich gerade auf den Weg nach Mailand und Cortina zu den Olympischen Winterspielen oder sind schon da. Eigentlich sollte auch Armbruster diese Woche im Zug sitzen. Sportlich hätte auch die dreimalige WM-Zweite locker die Qualifikation geschafft. Doch es gibt ein Problem: In der Nordischen Kombination starten nur die Männer.
"Niemandem sollte die Möglichkeit verwehrt werden, seine Träume zu leben, nur weil sie eine Frau ist", schreibt Armbruster zu dem Instagram-Video, das sie als kleines Mädchen zeigt. Es gehe ihr nicht einmal ums Prinzip: als Frau bei Olympia zu starten, nur weil sie eine Frau ist. Sondern: "Wir haben uns unseren Platz dort verdammt ("fucking" im Original) noch mal verdient, weil wir hochprofessionelle Weltklasse-Athletinnen sind und alle Anforderungen erfüllen, die das IOC einst festgelegt hat."
Das Sterben eines Traditionssports
Man reibt sich verwundert die Augen: Insgesamt stehen 16 Sportarten auf dem Programm dieser Spiele, mit 116 Medaillenentscheidungen. Allesamt werden sie paritätisch (oder zumindest im Mixed) ausgetragen, nur die Nordische Kombination nicht. Und das 2026? Immerhin: Wenn alles schlecht läuft, dann erreicht das IOC schon in vier Jahren die anvisierte Geschlechtergleichheit - wenn die Sportart komplett aus dem Programm fliegt.
Die NoKo, also der Mehrkampf aus Skispringen und Skilanglauf, steht insgesamt auf dem Prüfstand. Früher war das mal eine Königsdisziplin, sie ist seit den ersten Spielen 1924 im französischen Chamonix dabei. "Nicht viele Athleten haben den Mut, zwei völlig unterschiedliche Sportarten zu vereinen und auf Weltklasseniveau zu performen", schreibt Armbruster. Die Herren springen in Mailand/Cortina erst von der Schanze, dann folgt das Langlaufrennen über 10 Kilometer oder zweimal 7,5 im Zweierteam.
Und die Frauen dürfen nur zuschauen. Sommer wie Winter ist es immer das Gleiche: Der olympische Kalender ist eng getaktet. Neue Sportarten tauchen auf, altbewährte kämpfen um ihr Überleben. Beim Frauen-NoKo hat das IOC gleich mehrere Einwände. Den Weltcup gibt es noch nicht allzu lange, erst seit 2020. Das IOC moniert dazu die Einschaltquoten - und da ist das Dominanzproblem.
"Es wird schwierig"
Die Weltcup-Rennen machen vor allem Norwegerinnen, Österreicherinnen oder Deutsche unter sich aus. "Ich kann kaum daran denken, weil ich dann sehr traurig werde. Es wird schwierig sein, die Olympischen Spiele von zu Hause aus zu verfolgen", sagte die Noko-Dominatorin Ida Hagen. Auch sie ist irgendwie Teil des Problems: Mit 20 Siegen in Weltcup-Rennen ist sie die zweiterfolgreichste Athletin der Geschichte. Wenn immer die gleichen gewinnen, geht das eben auf Kosten der Spannung.
Das IOC hatte zuletzt betont, in Italien genau hinschauen zu wollen - eben wieder bei den Männern. "Wir werden die Informationen und Daten der Spiele nutzen, um unsere zukünftigen Entscheidungen zu treffen", hatte der neue IOC-Sportdirektor Pierre Ducrey am Sonntag gesagt. Angeblich hatte sich sogar Präsidentin Kristy Coventry für die Einzel-Wettbewerbe am 11. und 17. Februar angekündigt.
Eine Entscheidung für die nächsten Spiele 2030 wolle das IOC "im Mai oder Juni" verkünden, sagte DSV-Sportdirektor Horst Hüttel. Eine Tendenz gebe es nicht: "Die halten sich komplett bedeckt." Dabei geht es um die gesamte Sportart: Hüttel sieht eigentlich nur zwei Möglichkeiten. "Entweder die Damen kommen rein - oder die Herren kommen raus." Sollten auch die Männer auch bei Olympia rausfliegen - es könnte für die gesamte Sportart eine fatale Kettenreaktion auslösen.
Das weiß auch Armbruster, die Weltcup-Gewinnerin von 2025. Ihre Instagram-Botschaft beschließt sie mit einem letzten Appell: "Liebe Fans, bitte schaut die Männerwettbewerbe bei Olympia. Das IOC wird sich die TV-Quoten genau anschauen."