Olympia

Tischtenniskollege Boll nur auf Tribüne Ovtcharov greift nach Medaille

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"In mir ist Leere, Glück": Dimitrij Ovtcharov.

AP

Der Deutsche Dimitrij Ovtcharov kämpft beim olympischen Tischtennis-Turnier in London um eine Medaille. Er gewinnt im Viertelfinale gegen den Dänen Michael Maze nach dramatischer Partie. Deutschlands Top-Spieler Timo Boll, der auf der Aktiventribüne sitzt, war im Achtelfinale gescheitert.

Als ihm sein Teamkollege Dimitrij Ovtcharov vormachte, wie man ein olympisches Tischtennis-Halbfinale erreicht, konnte Timo Boll nur anerkennend Beifall klatschen. Der 23-jährige Ovtcharov nutzte am Tag nach Bolls bitterem Achtelfinal-Aus die Gunst der Stunde und greift nach einem nervenstarken Auftritt im 4:3-Viertelfinal-Krimi gegen den dänischen Ex-Europameister Michael Maze nach einer olympischen Medaille. "In mir ist Leere, Glück, einfach nur Happyness. Es war eins der aufregendsten Spiele meines Lebens", sagte Ovtcharov. In der Vorschlussrunde trifft der Weltranglistenzwölfte nun am Donnerstag auf den chinesischen Weltmeister und Topfavoriten Zhang Jike.

Für Bundestrainer Jörg Roßkopf war es keine Überraschung, dass sein Schützling Mühe hatte. "Wir wussten, dass es gegen Maze extrem schwer wird. Dimi ist nach gutem Kampf zurückgekommen, am Ende hat sein Wille den Unterschied gemacht." Ovtcharov war nach zwei 4:0-Auftakterfolgen mit reichlich Selbstbewusstsein in die Box gegangen. "Das Ziel Medaille ist realistisch. Ich habe schon alle Topspieler geschlagen", hatte der Mann vom russischen Champions-League-Sieger Fakel Orenburg, der im Februar beim Europe-Top12-Turnier triumphiert hatte, vor den Spielen gesagt.

Und Timo Boll fiebert auf der Tribüne mit

Ovtcharov fand auch besser als sein guter Freund Maze in das Spiel und sicherte sich die knappen ersten beiden Sätze. Sein Gegenüber, der "David Beckham des Tischtennis", wurde von den 6000 Zuschauern in der ExCel-Arena angesichts des Rückstands nur noch frenetischer angetrieben. Die Kulisse schien Ovtcharov im dritten Durchgang zu beeindrucken, als der Team-Olympiazweite von 2008 beim 1:11 komplett den Faden verlor. Nervenstark erzwang er nach 2:3-Rückstand den Entscheidungssatz und verwandelte eiskalt seinen zweiten Matchball zum 11:9.

Gegen seinen sieben Jahre älteren Kontrahenten hatte sich Ovtcharov vor dem Duell nach zwei 4:0-Siegen zum Auftakt eine "50:50-Chance" ausgerechnet. Der über Jahre immer wieder von Verletzungen geplagte WM-Dritte von 2005 hatte in einem grandiosen Achtelfinal-Auftritt Mitfavorit Jun Mizutani aus Japan nicht den Hauch einer Chance gelassen. Der am Vorabend gefallene Held Boll, der von Bundestrainer Jörg Roßkopf zum Abschalten vor der Vorbereitung auf den Team-Wettbewerb einen tischtennisfreien Tag verordnet bekam, hatte seinem Kumpel die Unterstützung sofort nach seinem Aus versprochen. "Erstmal drücke ich Dima die Daumen. Alles ist möglich", schrieb Boll auf seiner Facebook-Seite und feuerte Ovtcharov mit dem Rest der deutschen Tischtennis-Mannschaft unermüdlich von den Rängen aus an.

Quelle: n-tv.de, sid/dpa

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