Olympia

Das schnellste Großmaul der Welt Usain Bolt, Popstar und Legende

Er ist ein Mann des großen Spektakels, ein Popstar - und der schnellste Mensch der Welt. Usain Bolt gewinnt bei den Olympischen Spielen in London das Finale über die 100 Meter und bespielt dabei virtuos die größtmögliche Bühne, die der Sport zu bieten hat. Und Bolts Gold-Show ist noch nicht zu Ende.

Diese Show vor dem Start. Er trägt eine seltsam wirkende, schwarze Skimütze. Er mimt den Schattenboxer, feixt in die Kameras, scherzt mit seinem Kumpel Yohan Blake. Dieses Gehampel nach dem Lauf. Er küsst die Laufbahn. Er schlägt einen Purzelbaum. Er schneidet Grimassen. Er zeigt der Welt seine berühmte Siegerpose, den Blitzewerfer. Nur: Usain Bolt beachtet die wichtigste Regel. Der Sprinter aus Jamaika wählt den Königsweg, um als Großmaul stilvoll durchs Leben zu gehen. "Wenn es um Titel geht, dann bin ich da. Ich wusste, was ich kann." Hier spricht der Olympiasieger. Der schnellste Mensch der Welt.

36c01530.jpg4016380558749853070.jpgExakt 9,63 Sekunden hat er an diesem denkwürdigen Sonntagabend vor 80.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion zu London für die 100 Meter gebraucht. Damit war er schneller als seine sieben Konkurrenten in diesem Hochgeschwindigkeitsfinale. Und schneller als jeder andere Olympionike vor ihm. Nur sechs Hundertstel fehlten Usain Bolt, 25 Jahre alt, dann hätte er auch noch seinen Weltrekord von 9,58 Sekunden unterboten. Aber auch so war es die zweitbeste je gelaufene Zeit. Sein Landsmann Yohan Blake hatte als Zweiter zwölf Hundertstel Rückstand. Bronze ging an den Dopingsünder Justin Gatlin aus den USA in 9,79 Sekunden. Erstmals in der Geschichte der Olympischen Spiele bleiben alle Läufer unter zehn Sekunden. Und Usain Bolt? Fand, ganz Großmaul, tröstende Worte für die Konkurrenz: "Es kann nicht jeder der schnellste Mann der Welt werden."

Ein Schock für einen, der sich für den Größten hält

Er hat das in der Gewissheit gesagt, dass er der Beste ist. Und er weiß, dass er sich die größtmögliche Bühne für seinen Auftritt ausgesucht hat. Das Finale über 100 Meter ist seit jeher der Höhepunkt der Spiele. Und wer erlebt hat, wie still 80.000 Menschen sein können, wenn sich die Protagonisten zum Start begeben, und gehört hat, wie laut sie danach werden, der weiß warum. Der Sport wird hier auf seine Essenz verdichtet und kehrt zu seinen archaischen Ursprüngen zurück. Die Regeln sind schlicht, jeder kann sehen, was geschieht. Acht Männer laufen um die Wette, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und ziehen damit Millionen auf der ganzen Welt in ihren Bann, auch wenn nach weniger als zehn Sekunden alles vorbei ist. Der Sieger ist der König.

Dabei hatten vor diesem Rennen längst nicht mehr alle daran geglaubt, dass das Usain Bolt sein würde. Nicht wenige hatten darauf spekuliert, dass Yohan Blake das Rennen macht. Der ist immerhin Weltmeister, vor einem Jahr holte er im südkoreanischen Daegu den Titel. Usain Bolt hingegen hatte sich im Endlauf einen Fehlstart geleistet und war disqualifiziert worden. Ein Schock für einen, der sich für den Größten hält. Aber offenbar eine heilsame Lehre.

"Einen Schritt näher an den Legendenstatus gebracht"

"Das hat mich lange beschäftigt", gab er nun zu und wirkte in diesem Moment gar nicht wie der selbstbewusste Sprücheklopfer. "Erst als ich im Stadion war, die Menschenmassen hörte und sie mich bejubelt haben, da war das alles vergessen." Er ließ sich auch dadurch nicht stören, dass ein betrunkener Mann ihn kurz vor dem Start lauthals beschimpfte und eine Plastikflasche in seine Richtung warf, die hinter ihm auf der Tartanbahn landete. "Ich habe nur von anderen nach dem Lauf davon erfahren, davon bemerkt habe ich nichts."

Zwar kam er, im Vergleich zu den anderen, langsam wie stets aus dem Block. Aber diesen Rückstand holte er wieder einmal scheinbar spielend leicht auf. "Ich war nie ein großer Starter, und ich werde nie ein großer Starter sein. Ich hole das einfach im Rennen raus."

Usain Bolt ist ein Popstar. Und nach seinem zweiten Olympiasieg auf der kürzesten aller Sprintstrecken auf dem besten Weg zu einer absoluten Sportgröße. Der Jamaikaner zog mit dem US-Amerikaner Carl Lewis gleich: Nur der hatte in der Geschichte der Spiele bis zum Sonntagabend zwei Olympiasiege hintereinander auf dieser Strecke gefeiert, 1984 und 1988. In London startet er noch am späten Donnerstagabend über die 200 Meter und am Samstag, dem vorletzten Tag der Spiele, mit der jamaikanischen Staffel über viermal 100 Meter. Die große Usain-Bolt-Show ist noch nicht zu Ende. Nach dem Sieg über die 100 Meter hat er gesagt: "Dieser Sieg hat mich einen Schritt näher an den Legendenstatus gebracht." Er dürfte recht behalten.

Quelle: n-tv.de, mit dpa und sid

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