Olympia

Nach Sperre von Sprint-Hoffnung Wird Marihuana von Dopingliste gestrichen?

c2d802f088ddb25dec4b47b4ab422c1d.jpg

Richardson konsumierte Marihuana und muss nun von zu Hause aus zusehen, wer in Tokio zu Gold sprintet.

(Foto: USA TODAY Sports)

Das wohl derzeit größte Sprint-Talent fehlt bei den Olympischen Spielen. Sha'Carri Richardson wird kurz vor Tokio gesperrt, weil sie Marihuana konsumiert hat. Dabei hilft die Droge nicht, sportliche Höchstleistungen zu verbessern. Deswegen beginnt nun eine Debatte über die Legalisierung.

Nach dem Fall von US-Sprinthoffnung Sha'Carri Richardson hat Sebastian Coe, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes World Athletics, eine Debatte darüber angeregt, ob Marihuana-Konsum weiterhin als Doping gewertet werden soll. Es sei "vernünftig" darüber zu sprechen, sagte der 64-Jährige: "Nichts ist in Stein gemeißelt." Coe kündigte an, die Unabhängige Integritätskommission AIU des Weltverbandes werde das Problem mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und anderen nationalen Anti-Doping-Agenturen besprechen.

Richardson, die sich in dieser Saison über 100 Meter auf 10,72 Sekunden gesteigert hatte, war bei den US-Trials im Juni in Eugene/Oregon positiv auf Marihuana getestet worden und ist für die Olympischen Spiele in Tokio gesperrt. Grund für die Einnahme der Droge sei "ein Zustand emotionalen Schmerzes" gewesen, den die Nachricht vom Tod ihrer leiblichen Mutter verursacht habe, begründete die 21-Jährige.

Risikobereiter im Wettkampf

"Es tut mir leid für sie", sagte Coe und bezeichnete sie als "ein herausragendes Talent", das man für die Spiele verloren habe. Er betonte aber auch, dass die Anti-Doping-Regeln korrekt angewendet worden seien. Auch der US-Verband hatte gesagt, dass er "unglaublich mitfühlend" sei. Allerdings müsse man den anderen Athletinnen gegenüber fair bleiben, die ihrerseits für den Traum einer Olympia-Teilnahme gearbeitet hätten.

Das Internationale Olympische Komitee hatte von Januar 1999 an die Anwendung von Cannabis für alle Sportarten als Dopingsubstanz für den Wettkampf verboten. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat dieses Verbot seit 2004 beibehalten. Die Droge ist derweil in vielen US-Bundesstaaten legalisiert. Die großen US-Sportligen haben ihre Bestimmungen gelockert. Die NHL testet noch auf Cannabis, behandelt die Substanz jedoch ähnlich wie Alkohol. Ähnlich verfährt auch die Baseball-Liga MLB.

Die Anwendung von Cannabis führt nach einer Erklärung des Instituts für Biochemie in Köln "nicht zu einer Verbesserung sportlicher Höchstleistungen". Allerdings könne aufgrund der beruhigenden Wirkung von Cannabis ein Athlet risikobereiter in den Wettkampf gehen.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/sid

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen