Technik

Megatrend auf der Gamescom Cloud-Gaming krempelt Spieleindustrie um

Immer und überall zocken zu können - das ist der Traum jedes leidenschaftlichen Gamers. Google, Microsoft und Co. wollen diesen nun wahr werden lassen. Auf der weltgrößten Spielemesse zeigen sie die Zukunft des Gaming. Und die liegt in der Cloud.

Netflix, Spotify und Co. haben vor einigen Jahren die Musik- und Filmbranche auf den Kopf gestellt. Nun bahnt sich in der Gamingwelt die gleiche Revolution an: Cloud-Gaming heißt der neuste Trend, der das klassische Computerspielgeschäft fundamental verändern dürfte.

Das Prinzip ist dabei leicht erklärt: Statt auf einer Disk oder Festplatte liegen die Spiele auf Servern irgendwo auf der Welt, der sogenannten Cloud, und können dann via Internet an jedem beliebigen Ort auf ein mobiles Endgerät gestreamt werden. Teure Spielekonsolen und hochgerüstete PCs könnten so überflüssig werden. Und auch Speicherplatzprobleme würden mit Cloud-Gaming der Vergangenheit angehören. Der Haken: Man benötigt eine schnelle und stabile Internetverbindung.

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Games-Marketing-Chef Aaron Greenberg.

(Foto: Michael Bauer)

Eigentlich existiert Cloud Gaming bereits seit zehn Jahren, doch richtig durchgesetzt hat es sich bislang nicht. Das könnte sich in diesem Jahr ändern, wenn man auf die Stände der großen Hersteller auf der Gamescom schaut. Sony bietet mit "Playstation Now" einen solchen Dienst an, auch Chiphersteller Nvidia testet Geforce Now schon länger in der Beta-Version. Google will mit seinem Streamingdienst Stadia Gamer mit einer Art Netflix für Spiele überzeugen.

Und auch Microsoft will mit seiner "Project Xcloud" ab Oktober seine Inhalte auf mobile Geräte bringen. "Wir wollen noch viel mehr Menschen, die Freude am Spielen ermöglichen", sagt Marketing-Chef Aaron Greenberg n-tv.de. Er will die Gamer erreichen, die bislang ohne Konsole oder High-End-PC keinen Zugang zu aktuellen Produktionen haben.

"Eine Konsole in der Cloud"

Anders als Googles Stadia soll Microsofts neuer Streamingdienst die Konsole allerdings nicht ersetzen. "Es ist eher wie eine Konsole in der Cloud", sagt Greenberg. Man wolle die Entscheidung den Spielern überlassen, wie sie ihre Titel am liebsten konsumieren. Schließlich hat Microsoft mit Project Scarlett eine Next-Generation-Konsole für Ende 2020 in Planung. Die Vision sei, dass auch technisch anspruchsvolle Spiele problemlos auf dem Smartphone oder dem Laptop gestreamt werden können.

Die Freiheit, Videospiele immer und überall spielen zu können - das ist das große Versprechen der Streaming-Anbieter. Doch der Spaß am Cloud-Gaming steht und fällt mit einer stabilen Internetverbindung. Denn beim Zocken können schon wenige Sekunden Verzögerung spielentscheidend sein. Laut Greenberg sollen 4G für "Xcloud" ausreichend sein. Allerdings muss dieser stabil anliegen. Das ist in weiten Teilen Deutschlands nicht gegeben. Sitzt man beispielsweise im Zug von Berlin nach München dürften die Dutzenden Funklöcher den Spielspaß mächtig verderben.

Der kommende Mobilfunkstandard 5G könnte das Problem lösen und dem Cloud-Gaming durch Datenraten im Gigabit-Bereich auch hierzulande einen immensen Schub verleihen. Das wird allerdings noch einige Zeit dauern. So steckt Videospiel-Streaming trotz großem Potenzial noch in den Kinderschuhen. Allerdings hat auch Netflix mehrere Jahrzehnte benötigt, bis es sich etabliert hat.

Quelle: n-tv.de

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