Technik

Alarm in Gundremmingen Computervirus in Kernkraftwerk entdeckt

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Das Kernkraftwerk Gundremmingen soll 2021 abgeschaltet werden.

(Foto: KGG)

Im Kernkraftwekt Gundremmingen wird bei Routinekontrollen auf einem Computer der Steuerungsanlage für Brennelemente ein Virus entdeckt. Der Betreiber stuft den Vorfall als "normal" ein, die Sicherheit des Kraftwerks sei nie gefährdet gewesen.

Im bayerischen Atomkraftwerk Gundremmingen ist ein Computervirus entdeckt worden. Die Schadsoftware sei bei der Vorbereitung der Revision in Block B aufgefallen, teilte das Kraftwerk mit. Eine Gefährdung des Personals oder der Bevölkerung habe es nicht gegeben, da alle sensiblen Bereiche des Kraftwerks entkoppelt und nicht mit dem Internet verbunden seien. Das Vorkommnis sei daher gemäß den Meldekritierien in die Kategorie N (normal) eingestuft worden. Dennoch seien die Aufsichtsbehörde und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik informiert worden.

Spezialisten des Betreibers RWE sollen nun herausfinden, wie das Virus in das Computersystem gelangte. Es wurde laut Pressemitteilung des Kernkraftwerks am 24. April bei einer Prüfung von Wechseldatenträgern und Programmiergeräten gefunden. Der betroffene Rechner sei bereinigt worden. Das System zur Datenverarbeitung und -visualisierung gehört den Angaben zufolge zur einer 2008 nachgerüsteten Brennelemente-Lademaschine. Der "Bayerische Rundfunk" berichtet, die Lademaschine hebe beispielsweise alte Brennelemente aus dem Reaktorkern und transportiere sie zum Lagerbecken. Der befallene Rechner selbst habe aber keinen Einfluss auf die Steuerung der Anlage, betont der Kraftwerksbetreiber. Die entdeckte Software sei "in der Fachwelt schon länger bekannt" und ziele unter anderem darauf ab, ungewollte Verbindungen zum Internet herzustellen.

Aufklärung gefordert

Als Reaktion auf den Fund seien die Vorkehrungen zur IT-Sicherheit ausgeweitet worden. Nach der Bekanntmachung des Vorfalls forderte eine regionale Initiative von Atomkraftgegnern unter anderem Aufklärung darüber, wie lange die Schadsoftware unentdeckt auf dem Rechner war. Am Wochenende hatten rund 750 Menschen vor der Anlage im Landkreis Günzburg für eine baldige Stilllegung der beiden verbliebenen Blöcke demonstriert. Gundremmingen soll 2021 endgültig abgeschaltet werden.

Eugene Kaspersky, Gründer und Chef des gleichnamigen Herstellers von Sicherheits-Software, ist von dem Vorfall nicht überrascht. "Mich überrascht eher, dass wir nicht häufiger von solchen besorgniserregenden Fällen hören." Der Vorfall zeige ganz deutlich, dass kritische Infrastrukturen verwundbar seien. "Betreiber und Regulierungsbehörden müssen verstehen, dass in Zeiten, in denen wir mehr als 310.000 neue Schadprogramme täglich entdecken, ein paar dieser Schädlinge auch Systeme schädigen können, die niemals das eigentliche Ziel dieser Schadsoftware waren. Wir müssen uns auf solche Fälle, und natürlich ebenso auf zielgerichtete Attacken, vorbereiten."

Quelle: ntv.de, kwe/dpa