Technik

Smartphone mit 21:9-Format Das Sony Xperia 1 hat den Längsten

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Das Sony Xperia 1 hat eine Triple-Kamera auf der Rückseite.

(Foto: kwe)

Irgendeine Besonderheit muss ein Oberklasse-Smartphone haben, sonst sind nur wenige Nutzer bereit, fast 1000 Euro dafür auszugeben. Sony setzt bei seinem Xperia 1 auf einen mächtig langen Kino-Bildschirm im 21:9-Format. Ob das ein Erfolgsrezept sein kann, hat n-tv.de ausprobiert.

Das Sony Xperia 1 ist ein sehr spezielles Oberklasse-Smartphone. Mit einem 6,5 Zoll großen Display im 21:9-Format ist es viel schmaler und länger als die Konkurrenten, deren Bildschirme gewöhnlich das Seitenverhältnis 18:9 haben. So überragt es beispielsweise das iPhone XS Max, das ebenfalls ein 6,5-Zoll-Display hat, um rund einen Zentimeter, hat aber eine 5 Millimeter schmalere Taille. Sony versucht damit, sich eine eigene kleine Nische zu erobern, die das Unternehmen bitter nötig hat.

Sony muss umdenken

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Bei der Länge kann das iPhone XS Max nicht mithalten.

(Foto: kwe)

Das Smartphone-Geschäft lief für Sony in den vergangenen Jahren nämlich alles andere als gut, bei Statista werden seine Geräte bei den Marktanteilen seit 2013 nur noch unter "Andere" geführt. Im vergangenen Geschäftsjahr verkauften die Japaner laut Reuters weltweit gerade mal 6,2 Millionen Smartphones und die Mobil-Sparte machte fast 780 Millionen Euro Verlust. Sony hat daher im Frühjahr radikale Schritte unternommen, Strukturen verändert und sich aus einigen Märkten zurückgezogen.

Das Unternehmen will sich auf Europa und Japan konzentrieren, wo es noch vergleichsweise stark ist. Dabei will Sony vor allem junge Neukunden gewinnen. "Wir sehen Smartphones als Unterhaltungs-Hardware an, die wir unbedingt benötigen, um unsere Marke nachhaltig zu etablieren", so Sony-Chef Kenichiro Yoshida. "Und jüngere Generationen schauen nicht mehr fern. Ihr erster Berührungspunkt ist das Smartphone."

Spielfilme sehen klasse aus

Deshalb ist das Xperia so, wie es ist. Die Frage ist nur, ob Sony damit ins Schwarze trifft. Zweifelsohne ist das OLED-Display eine Wucht. Es ist mit einer Pixeldichte von 643 ppi extrem scharf und liefert ausgezeichnete Farben und Kontraste. Dazu ist es nicht nur HDR-fähig, sondern hat auch einen speziellen Creator-Modus, mit dem Filme und Serien exakt so aussehen sollen, wie sich deren Macher das vorstellen. Und für den guten Ton unterstützt das Xperia 1 Dolby Atmos, was mit guten Kopfhörern einiges hermacht.

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Fast wie im Kino.

(Foto: kwe)

Ob man vom 21:9-Format profitiert, hängt allerdings davon ab, dass man am liebsten Spielfilme auf dem Smartphone anschaut. Tatsächlich sind bei Streaming-Diensten aber besonders die Serien sehr beliebt und die werden gewöhnlich im Seitenverhältnis 16:9 gedreht.

Entwickler müssen mitspielen

Als Playstation-Unternehmen setzt Sony aber auch stark auf Spiele. Hier wünschen sich die Japaner in Zukunft ein großes Angebot für ihr Super-Display. Tatsächlich gibt es bereits mit "Asphalt 9: Legends" und "Fortnite" zwei große Titel im 21:9-Sortiment. Aber Zweifel sind angebracht, dass viele Entwickler ohne finanzielle Anreize ihre Spiele an das selten verwendete Seitenverhältnis anpassen.

Egal, welches Format ein Film oder eine Serie hat, ist der Creator-Modus ein schönes Extra - wenn es entsprechende Inhalte gibt, die ihn unterstützen. Bisher scheint dies nur bei Netflix zu funktionieren. Dann wirkt das Bild etwas kräftiger, vor allem die Kontraste werden noch stärker herausgearbeitet. Wie bei OLED-Fernsehern bringt das aber nur in abgedunkelten Räumen etwas. Bei Tageslicht bleibt man besser beim Normal-Modus, da das Display nicht allzu hell leuchten kann.

Liegt gut in der Hand

Wenn man gerade keinen 21:9-Film sieht, hat das langgestreckte Format des Xperia 1 Vor- und Nachteile. Weil es schmal ist, kann man das Gerät trotz seiner Größe gut halten. Im geteilten Display haben zwei Apps übereinander viel Platz und wenn man den einhändigen Modus aktiviert, kommt der Daumen in jede Ecke des Bildschirms. Auch der Fingerabdrucksensor im Einschalter trägt seinen Teil zur Handlichkeit bei. Ein so langes Smartphone überfordert allerdings so manche Hosentasche. Manchmal passt das Xperia 1 einfach nicht hinein oder man kann sich nicht hinsetzen, wenn man das Handy vorher nicht herausnimmt.

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Alle Tasten sind auf der rechten Seite.

(Foto: kwe)

Neben dem Kino-Display soll die Triple-Kamera auf der Rückseite ein Highlight ein. Sie hat eine Hauptkamera, die bei Blende f/1.6 Aufnahmen mit 12 Megapixeln macht. Dazu kommen ein Superweitwinkel- und ein Tele-Objektiv mit zweifacher optischer Vergrößerung. Beide Kameras machen ebenfalls Bilder mit 12 Megapixeln, ihre Blende f/2.4 ist allerdings nicht so lichtstark und die Sensor-Pixel sind kleiner. Haupt- und Tele-Kamera sind optisch stabilisiert.

Gute Triple-Kamera

Vor allem die Hauptkamera macht bei Tageslicht bis in die Dämmerung hinein sehr gute Fotos und ein Augen-Autofokus ist sehr hilfreich, um die Schärfe bei Personen im Gesicht zu halten. Auch die Aufnahme-Qualität der beiden anderen Kameras kann sich bei ausreichend Licht sehen lassen. Schön ist, dass bei den Superweitwinkel-Fotos auf Wunsch eine Software die typischen Verzerrungen automatisch korrigiert. Ein zweifaches optisches Zoom ist gut, aber beispielsweise andere Top-Geräte erreichen hier drei- oder fünffache Vergrößerungen.

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Statt einer microSD-Karte kann man auch eine zweite SIM-Karte einstecken.

(Foto: kwe)

Nicht ganz mithalten kann das Xperia 1 bei Dunkelheit. Es gibt keinen speziellen Nachtmodus und entsprechend wenig ist auf Aufnahmen zu erkennen, die bei sehr wenig Licht gemacht wurden. Allerdings sehen die Fotos des Xperia 1 natürlicher aus als die extrem aufgehellten Bilder der Nacht-Experten.

Videoausstattung nicht komplett

Die Videos des Xperia X1 sehen grundsätzlich prima aus. Am besten nutzt man dafür die vorinstallierte Cinema-Pro-App, denn nur mit ihr kann man Videos in 21:9 drehen. Sie erlaubt es auch, für jede Szene Objektiv, ISO, Weißabgleich, Verschlusszeit und Fokus neu zu wählen.

Technische Daten

  • System: Android 9
  • Display: 6,5 Zoll, AMOLED, (1644 x 3840 Pixel), 643 ppi
  • Prozessor: Snapdragon 855
  • Arbeitsspeicher: 6 GB
  • Interner Speicher: 128 GB, erweiterbar
  • Kamera: 12 MP, f/1.6 + 12 MP + 12 MP (f/2.4)
  • Frontkamera: 8 MP, f2.0
  • WLAN ac, Bluetooth 5.0, NFC
  • IP68
  • USB-C, USB 3.1 (1. Gen.)
  • Akku: 3330 mAh
  • Abmessungen: 167 x 72 x 8,2 mm
  • Gewicht: 178 g

Nervig ist aber, dass man in Cinema Pro zwar verschiedene Stile wählen, aber nicht innerhalb eines Projekts wechseln kann. Außerdem ist in dieser App auch bei Full-HD-Aufnahmen schon bei 30 Bildern pro Sekunde (fps) Schluss, obwohl in der normalen Kamera-App 60 fps möglich sind. Bei 4K geht es grundsätzlich nicht höher als 30 fps. Und was dem Xperia 1 wirklich fehlt: Man kann das aufgenommene Video-Material nicht direkt auf dem Gerät bearbeiten, mehr als ein Aneinanderreihen von geschnittenen Szenen erlaubt die Galerie-App nicht.

Bescheidener Akku

Die weitere Ausstattung des Sony Xperia 1 ist weitgehend so, wie man das bei einem Smartphone, das 950 Euro kosten soll, erwarten darf. Es wird von Qualcomms derzeit stärkstem Prozessor Snapdragon 855 angetrieben, der Arbeitsspeicher ist 6 Gigabyte (GB) groß. Intern stehen 128 GB Flash-Speicher zur Verfügung, der durch microSD-Karten erweitert werden kann. Der Akku ist mit einer Kapazität von 3330 Milliamperestunden allerdings nicht allzu üppig ausgefallen. Das Gerät haushaltet zwar so gut, dass man damit über den Tag kommt, wenn man das Handy nicht intensiv nutzt. Andere Top-Smartphones sind aber deutlich ausdauernder.

Insgesamt ist Sony mit dem Xperia 1 ein sehr gutes Smartphone gelungen, das in vielen Bereichen mit der Oberklasse-Konkurrenz mithalten kann. Vor allem das Display überzeugt, allerdings muss man das 21:9-Format wirklich mögen. Tut man es nicht, fehlt dem Xperia 1 ein Alleinstellungsmerkmal und für wesentlich weniger Geld bekommt man bessere Smartphones, beispielsweise das Samsung Galaxy S10+, das OnePlus 7 Pro oder das Huawei P30 Pro.

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Quelle: n-tv.de

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