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Mehr Tablet braucht kaum einer Das neue iPad ist günstig und gut

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Das günstige neue iPad ist auch mit dem Apple Pencil kompatibel, der allerdings 100 Euro extra kostet.

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Spektakulär ist das neue iPad nicht, aber trotzdem etwas Besonderes, weil es relativ günstig ist und trotzdem alles bietet, was Nutzer von einem guten Tablet erwarten. Die Frage ist nur, ob sich Apple damit nicht selbst einen Bärendienst erweist.

Das Gute an einem iPad ist, dass man es fast so lange nutzen kann, bis es auseinanderfällt. Nutzer kaufen sich daher wesentlich seltener ein neues Apple-Tablet als ein iPhone. Und so muss Apple damit leben, dass seine Verkaufszahlen seit 2013 laut Statista von rund 73 Millionen auf knapp 44 Millionen gesunken sind. Was bleibt, sind neue Käufer zu finden. Deshalb bietet Apple das neue iPad schon ab 350 Euro an. n-tv.de hat ausprobiert, was man dafür bekommt.

Optisch nichts Neues

Optisch hat sich im Vergleich zum Vorgängermodell aus dem vergangenen Jahr nicht sehr viel getan, das Gehäuse entspricht nach wie vor weitgehend dem des iPad Air aus dem Jahr 2013. Es gibt einen Klinkenanschluss und einen Fingerabdruckscanner unterm Bildschirm. Das Display ist gut. Es ist hell, die Auflösung mit 2048 x 1536 Pixel hoch genug, Farben werden natürlich dargestellt und auch die Kontraste sind nicht schlecht.

Mit dem Top-LCD des iPad Pro kann es allerdings nicht mithalten. Auch die Blickwinkel sind nicht so stabil und man sieht von der Seite deutlich einen Abstand zwischen Deckglas und Display. Es fehlt außerdem eine automatische Farbanpassung an das Umgebungslicht und der Bildschirm des neuen iPad spiegelt stärker. Die Unterschiede fallen allerdings nur auf, wenn man vorher ein Pro genutzt hat.

Starke Leistung

Auch bei der Leistung gibt es keinen Grund, zu meckern. Das 2018er iPad wird vom A10-Chip angetrieben, der zwar nicht Apples neuester Prozessor ist und schon mit dem iPhone 7 eingeführt wurde. Aber er hat immer noch Dampf genug, um grafisch aufwändige Spiele zu spielen oder auch Augmented-Reality-Apps ohne Einschränkungen zu nutzen. An der Laufzeit hat sich praktisch nichts geändert, je nach Nutzung sind bis zu zehn Stunden Dauerbetrieb möglich. Der Arbeitsspeicher ist immer noch 2 Gigabyte klein, erstaunlicherweise gibt es aber normalerweise auch keine Päuschen oder Ruckler, wenn man mehrere Apps gleichzeitig geöffnet hat.

Das wäre auch traurig. Denn die größte Besonderheit des neuen iPad ist, dass es jetzt auch Pro-Funktionen beherrscht, was ohne starkes Multitasking nur der halbe Spaß wäre. Und Apples bisher günstigstes Tablet kann wie sein teurer Kollege per Stift bedient werden. Auch hier gibt es keine Einschränkungen. Das Display reagiert zackig auf die Eingaben und erkennt auch in Zeichen-Apps unterschiedliche Haltungen.

Praktischer, teurer Stift

Man muss aber kein Künstler sein, um den Apple Pencil zu mögen. Sehr praktisch ist er auch in Pages und anderen iWorks-Apps, die Nutzer kostenlos erhalten. Hier kann man mit dem Stift sehr einfach und zielsicher beispielsweise mit Textbausteinen arbeiten, Bereiche markieren oder kommentieren. Und natürlich ist der Pencil perfekt, um handschriftliche Notizen zu machen. Leider kostet der digitale Stift nach wie vor 100 Euro.

Die 8-Megapixel-Kamera auf der Rückseite ist gut genug, um Dokumente einzuscannen und man kann auch mal einen Schnappschuss bei Tageslicht wagen. Mehr sollte man von ihr nicht erwarten, jedes günstige Mittelklasse-Handy macht bessere Aufnahmen. Eine tolle Kamera werden aber die wenigsten Nutzer bei einem Tablet vermissen. Das gilt auch für die schwächere Lautsprecher-Ausstattung im Vergleich zum Pro, das mit vier Speakern einen für ein Tablet außergewöhnlich tollen Sound erzeugt. Nutzt man Kopfhörer, spielt das aber keine Rolle.

Für die meisten Nutzer das richtige iPad

Apple hat sich mit seinem neuen iPad vielleicht keinen Gefallen getan. Denn weil es die meisten Aufgaben ebenso gut erfüllt wie das mehr als doppelt so teure Modell, könnte es das Pro kannibalisieren, das eigentlich nur einen Mehrwert für Nutzer darstellt, die einen Notebook-Ersatz suchen. Dann ist auch relevant, dass der innere Speicher bei der günstigsten Variante nur 32 Gigabyte groß ist.

Andererseits dürfte das Unternehmen sein Ziel erreichen, neue Käuferschichten zu erschließen. Schüler, wie in den USA erhofft, sind das in Deutschland mit eher weniger fortschrittlichen Schulen nicht unbedingt. Aber jeder andere Nutzer, der ein gutes und günstiges Tablet haben möchte, kommt an dem neuen iPad kaum vorbei. Schade ist, dass Apple nicht auch den Pencil günstiger gemacht hat, der mit seinen 100 Euro vergleichsweise völlig überteuert wirkt.

Quelle: n-tv.de

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