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Dünner, leichter, schneller iPad Air fliegt der Konkurrenz davon

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Das iPad Air ist federleicht, aber bärenstark.

(Foto: kwe)

Manchmal braucht man viele Worte, um zu beschreiben, was an einem neuen Gerät besser als beim Vorgänger ist. Beim iPad Air kann man sich kurz fassen: Es ist leichter, dünner und viel stärker als das iPad 4.

Für Apple war es eine bittere Pille, dass es das iPad 3 dicker und schwerer als den Vorgänger machen musste, um einen Akku unterzubringen, der ausreichend Energie für das neue Retina-Display lieferte. Beim iPad 4 konnte diese Scharte noch nicht ausgewetzt werden. Erst die fünfte Generation ist so leicht und dünn, wie sich das Chefdesigner Jony Ive und sein Team sicher schon zwei Jahre zuvor gewünscht hätten. Der Unterschied zwischen iPad 4 und dem neuen iPad Air ist gewaltig, die Veränderungen genau das, was Apples Tablet-Computer gebraucht hat, um der Android-Konkurrenz - vorerst – wieder davonzueilen.

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Das iPad Air ist vor allem wesentlich schmaler als das iPad 4.

(Foto: kwe)

Das Design wurde vom iPad mini übernommen und sieht man das Air ohne Vergleichsgerät, könnte man es leicht mit seinem kleinen Bruder verwechseln. Die Werte sprechen für sich: Während das iPad 4 stolze 241,2 x 185,7 x 9,4 Millimeter misst und bis zu 662 Gramm schwer ist, bietet das neue Air s chlanke 240 x 169,5 x 7,5 Millimeter und bringt im schwersten Fall nur 478 Gramm auf die Waage. Anders ausgedrückt: Das iPad Air ist 28 Prozent leichter, 20 Prozent dünner und hat 24 Prozent weniger Volumen als das iPad 4.

Hätte Apple noch etwas Platz übrig gehabt, um die Seiten und Ecken des Air so stark wie bei den Vorgängermodellen abzuflachen, sähe das das neue Tablet noch dünner aus. Bei einer 7,5-Millimeter-Taille konnte Apple auf diesen optischen Trick diesmal aber verzichten. Sehr gut steht dem iPad Air die geschliffene Kante, die das Display einfasst und das ohnehin sehr hochwertige Gerät noch edler aussehen lässt. Wie das iPad mini hat auch das Air zwei Lautsprecher links und rechts des Lightning-Anschlusses. Der Klang ist rund und satt; um einen Stereoeffekt im Querformat zu erzielen, müssten die Speaker allerdings oben und unten sitzen.

Das Air hält man locker mit einer Hand

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Erst im richtigen Blickwinkel sieht man, wie sehr Apple das iPad abgespeckt hat.

(Foto: kwe)

Apple hat bei seinem neuen Tablet hauptsächlich den seitlichen Rahmen um den Bildschirm schmaler gemacht, während die schwarzen Flächen an den Stirnseiten praktisch gleich breit geblieben sind. Durch die gestreckte Form und das geringe Gewicht ist es erstmals bei einem iPad auch ohne gefaltetes Smart Cover angenehm, das Gerät hochkant mit einer Hand zu halten. Damit kann man die Vorteile, die das 4:3-Format des Displays durch zusätzliche Anzeigefläche bei der Darstellung von Webseiten bietet, besser und vor allem länge r nutzen. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass der Daumen durch den schmaleren Rahmen ungewollt auf dem Touchscreen liegt, da die Software dies erkennt und die Berührung einfach ignoriert.

Auch wenn man bei Spielen das Gerät im Querformat mit zwei Händen bedient, merkt man deutlich, welch großen Unterschied rund 180 Gramm machen können. Außerdem erreichen die Daumen durch den dünnen Rahmen auch Touchscreen-Bereiche, die beim iPad 4 außerhalb der Reichweite sind.

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Apple bietet das iPad Air in Silber und Grau an.

(Foto: kwe)

Die Größen- und Gewichtsreduzierung hat Apple unter anderem durch einen kleineren Akku erreicht, der mit 32,4 Wattstunden deutlich weniger leistet  als die 42,5-Wattstunden-Batterie des iPad 4. Möglich macht dies vor allem der neue A7-Chip, der nicht nur enorm leistungsfähig, sondern unter anderem durch seinen für Lagesensoren zuständigen M7-Gehilfen auch sehr sparsam ist. Vielleicht schluckt auch das Display selbst weniger Strom, Apple hat dazu aber keine näheren Angaben gemacht. Was die Laufzeit betrifft, scheint das Air zumindest gleichauf mit dem iPad 4 zu sein, erste Labortests bestätigen dies. Aufgeladen ist der Akku nach etwa vier Stun den.

Man hört, wie leicht es ist

Erstaunlich ist, dass unter dem Retina-Bildschirm trotz der geballten Elektronik offenbar noch Luft ist. Denn wenn man auf das Display klopft, gibt es Stellen, an denen es hohl klingt. Insgesamt ist das iPad Air durch seine Leichtbauweise bei der Bedienung etwas "lauter" als das iPad 4. Für eine Touch ID im Home-Button wäre sicher auch noch Platz gewesen. Vermutlich hat Apple auf den Fingerabdruck-Sensor verzichtet, weil die Produktion derzeit nur fürs iPhone 5S ausreicht.

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Wie das iPad mini hat das Air zwei Lautsprecher links und rechts des Lightning-Anschlusses.

(Foto: kwe)

Neben dem schlanken und leichten Design ist der 64-Bit-Chip A7 die zweite wichtige Neuerung des iPad Air. Auch wenn er schon ein paar Wochen im iPhone 5S werkelt, hat man den Eindruck, dass bisher noch nicht annähernd absehbar ist, was er tatsächlich zu leisten vermag. Laut Apple sind Prozessor und Grafikeinheit des A7 bis zu doppelt so schnell wie im A6X des iPad 4.

Benchmark-Tests scheinen dies zu belegen, sind aber nicht erst nach bekannt gewordenen Tricksereien von Herstellern mit Vorsicht zu genießen. So erreicht das iPad 4 in Geekbench 779 beziehungsweise 1417 Punkte, das Air 1481 und 2694 Punkte. 3DMark hat das Vorgängermodell mit 10810 Punkten absolviert und damit bereits fast so gut wie das neue Nexus 7 abgeschnitten. Das iPad Air, das inzwischen korrekt erkannt wird, schafft in diesem Benchmark-Test 14857 Punkte, wird aber überraschenderweise noch vom LG G2 und dem Asus Transformer Pad TF701T übertroffen.

Grafisch noch viel möglich

Selbst bei "Call of Duty: Strike Team" oder "Infinity Blade 3", die laut Apple "bereits die Möglichkeiten des A7 Chip mit 64-Bit Architektur des iPad Air" nutzen, sieht man im direkten Vergleich bei Gameplay und Grafik zum iPad 4 Unterschiede nur auf den zweiten Blick. Am deutlichsten ist die überlegene Grafikleistung des A7 noch bei "Infinity Blade 3" zu erkennen, wo die Details feiner ausgearbeitet sind und Metall metallischer glänzt. Außerdem sind die Ladezeiten beim Air erheblich kürzer und bei "Call of Duty" sind Schrift und Symbole beim neuen iPad wesentlich kleiner und schärfer.

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Das 39 Euro teure Smart Cover dockt jetzt fast auf der gesamten Länge per Magnet-Kontakt an.

(Foto: kwe)

Im direkten Vergleich mit dem alles andere als langsamen iPad 4 sieht man auch, wie rasend schnell das Air bei allen anderen Aufgaben zur Sache geht. Das liegt neben dem neuen Chip auch am neueren WLAN-Standard und der erstmals eingesetzten MIMO-Technik, bei der zwei Antennen gleichzeitig senden und empfangen können. LTE-M odelle unterstützen jetzt insgesamt 14 Frequenzen, auch das in Deutschland auf dem Land eingesetzte 800-Megahertz-Band. Apps öffnen sich schneller, Webseiten lädt das iPad Air deutlich flotter und wenn die Arbeit – beispielsweise beim Videoschnitt – etwas härter wird, sieht das ein Jahr ältere Gerät nur noch die Rücklichter des iPad Air. Das ist beeindruckend, aber die Apps, die das Air wirklich herausfordern, müssen erst noch geschrieben werden.

Die Kamera auf der Rückseite hat Apple unverändert gelassen, sie macht nach wie vor Bilder mit bis zu fünf Megapixeln, die eine gute Qualität haben, auch die 1080p-Videos können sich sehen lassen. Wichtiger für ein Tablet ist, dass Apple die Frontkamera etwas verbessert hat. Ein rückwärtig beleuchteter Sensor sorgt bei schwächerem Licht für sichtbar bessere Aufnahmen. Außerdem hilft jetzt ein zweites Mikrofon auf der Rückseite, Hintergrundräusche bei Gesprächen zu unterdrücken. Man sieht und hört die Veränderungen leicht, spektakulär ist der Fortschritt zum Vorgängermodell allerdings nicht.

Apple kann sich nur selbst schlagen

Alles in allem ist Apple mit dem iPad Air wirklich ein großer Fortschritt gelungen und ein besseres Tablet ist derzeit nicht zu finden. Gefährlich kann dem Air in naher Zukunft eigentlich nur das neue iPad mini werden, das Ende November auf den Markt kommen dürfte. Zwar gibt es Android-Geräte wie Samsungs 2013er-Modell des Note 10.1, die vielseitiger sind oder Displays mit höherer Auflösung bieten. Aber kein anderes Tablet dieser Größenklasse ist so handlich, lässt sich so fantastisch bedienen und arbeitet so flüssig wie das iPad Air. Hinzu kommt, dass es unter Android immer noch deutlich weniger richtig gute Tablet-Apps als optimierte Anwendungen für iPads gibt und Apple jetzt sogar einige seiner zuvor teuer verkauften Anwendungen für Neugeräte gratis anbietet. Was die Tablet-Optimierung betrifft, hat aber auch Apple noch Luft nach oben, da das iPad Air mit iOS 7 meistens wie ein großes iPhone aussieht.

Wie schon bei den Vorgängern ist allerdings der größte Nachteil des iPad Air der hohe Preis, der für ausreichend Speicher gezahlt werden muss. Das einfachste WLAN-Modell für 479 Euro hat nur 16 Gigabyte, was ohne Erweiterungsmöglichkeit durch microSD-Karten zu wenig ist. Für die 32-Gigabyte-Variante sind 569 Euro fällig, mit 64 Gigabyte kostet das iPad Air 659 Euro. Möchte man ein LTE-Gerät, muss man jeweils noch 120 Euro drauflegen. Außerdem bietet Apple Modelle mit 128 Gigabyte an, die für 749 oder 869 Euro zu haben sind.

Quelle: n-tv.de

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