Amazons bester, teuerster ReaderDer Kindle Scribe Colorsoft ist eine starke Nummer 1
Von Klaus Wedekind.webp)
Der neue Kindle Scribe Colorsoft bringt nicht nur Farbe auf den Bildschirm, sondern macht sich auch als digitales Notizbuch und großer E-Book-Reader richtig gut. Allerdings muss man für Amazons bisher besten E-Book-Reader auch sehr viel Geld hinlegen.
Bisher gab es für Amazon-Kunden zwar bereits einen E-Book-Reader mit der Möglichkeit, darauf zu zeichnen, handschriftliche Notizen zu machen oder Anmerkungen hinzuzufügen, aber nur in Schwarz-Weiß. Jetzt gibt es den Kindle Scribe als Colorsoft auch mit farbigem E-Ink-Display. ntv.de hat ausprobiert, was das Gerät kann, das mit 32 oder 64 Gigabyte Speicher knapp 650 oder 700 Euro kostet.
Hochwertig, aber nicht wasserdicht
Der Kindle Scribe Colorsoft macht einen dem Preis angemessenen hochwertigen Eindruck, ist allerdings nicht als wasserdicht zertifiziert. Er hat ein mattes Aluminiumgehäuse, wiegt lediglich 400 Gramm und ist 5,4 Millimeter dünn. Auf der Rückseite hat das Gerät in den Ecken kleine Gumminoppen, wodurch es auf glatten Flächen nicht wegrutscht.
Der Bildschirm des Kindle Scribe Colorsoft ist 11 Zoll groß und von Mini-LEDs im Rahmen sehr gleichmäßig beleuchtet. Die Helligkeit kann man manuell einstellen oder zuverlässig automatisch anpassen lassen. Die Farbtemperatur lässt sich mit einem Schieberegler, per Zeitplan oder nach Tageszeiten regeln.
Scharfer Text, vergleichsweise schöne Farben
Schwarz-Weiß-Inhalte kann das matt entspiegelte E-In-Display mit 300 Pixeln pro Zoll (ppi) darstellen. Das macht das Lesen von Büchern auf dem großen 11-Zoll-Bildschirm zum Vergnügen. Wenn man schlecht sieht und die Darstellung daher vergrößert, passt darauf auch noch deutlich mehr als bei einem kleinen Kindle.
Kommt Farbe ins Spiel, sind es nur 150 ppi, was aber nicht weiter ins Auge fällt. Schrift in bunten Comic-Panels ist dann zwar nicht knackig scharf, aber scharf genug. In Sprechblasen oder in Büchern wird schwarzer Text auf weißem Hintergrund immer in hoher Pixeldichte abgebildet.
Auch der Kindle Scribe Colorsoft kann bei Farbdarstellung nicht mit einem Gerät mit LCD oder gar OLED-Bildschirm mithalten, auch bei seinem E-Ink-Display sieht man etwas ausgebleichte Pastelltöne. Im Vergleich zu vielen Konkurrenten wirken sie aber ein wenig kräftiger. Das gilt speziell dann, wenn man in den Einstellungen "Brillant" statt "Standard" wählt.
Was beim Lesen auffällt, ist, dass man auf dem Kindle Scribe Colorsoft deutlich schneller umblättert als auf anderen E-Book-Readern. Außerdem ist kein sogenanntes Ghosting erkennbar, bei dem auf dem Display noch "Schatten" von zuvor dargestellten Inhalten zu sehen sind.
Funktioniert wie der Schwarz-Weiß-Scribe
Was Schreiben und Zeichnen betrifft, ist vieles beim Alten geblieben. So haftet der 17 Gramm leichte Stift magnetisch an der rechten Seite des Readers und benötigt nach wie vor keinen Akku. Der Stylus hat in Reichweite des Zeigefingers eine Kurzbefehl-Taste, mit der man ohne Umweg auf Funktionen wie Textmarker oder Lassoauswahl zugreifen kann. Eine Radiergummi-Funktion steht ebenfalls zur Auswahl, man kann den Stift aber auch einfach umdrehen, um mit dem gummierten Ende geschriebenen Text et cetera zu löschen.
Schreibt oder zeichnet man mit dem Stift auf dem Display, fühlt sich das fast so wie auf Papier an, nur weicher. Dazu gehört auch, dass sich die Spitze abnutzt. Fünf Ersatz-Aufsätze gehören daher zum Lieferumfang, zehn Austausch-Spitzen kosten aktuell 17 Euro.
Notizen an erster Stelle
Um die Stift-Funktionen besser zu integrieren, hat der Kindle Scribe Colorsoft wie sein Schwarz-Weiß-Kollege eine besonders sortierte Startseite. Ganz oben kann man hier unter anderem über ein Plus-Zeichen Schnellnotizen anlegen. Es gibt aber auch zahlreiche Vorlagen, um strukturiertere Notizen anzufertigen. Das reicht über Checklisten über einen Monatsplaner bis zum Storyboard.
Handschriftliche Notizen kann man so behalten, wie sie sind oder aber mit KI-Unterstütung "verfeinern" lassen. Das bedeutet, dass sie in ordentlichen Zeilen in eine handschriftähnliche Schriftart umgewandelt werden, von denen vier zur Auswahl stehen. Möchte man sie in eine Textdatei (.txt) umwandeln, hat man grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Man kann sie sich selbst als E-Mail schicken oder man lädt die Notiz zu einem Cloud-Dienst hoch. Hier hat man die Wahl zwischen Google Drive, Microsoft OneDrive oder Microsoft OneNote.
Teilen und Importieren über Cloud-Dienste
Letzter Dienst dient nur zum Teilen. Dagegen hat man bei Microsoft OneDrive und Google Drive auch Zugriff auf dort abgelegte Dateien und kann sie importieren. Der Kindle Scribe Colorsoft lässt sich so in einen Workflow einbinden. Möchte man direkt auf einzelne Einträge zugreifen, kann man sie als Favorit markieren oder einem Ordner im Arbeitsbereich zuordnen. Prima ist, dass dies auch mit Büchern oder (bearbeitbaren) PDFs möglich ist. So kann man beispielsweise Recherche-Sammlungen anlegen.
Für die KI-Funktionen muss man grundsätzlich online sein. Das gilt auch für Zusammenfassungen von Notizen. Die Ergebnisse fallen hier unterschiedlich aus. Sind die Einträge einigermaßen strukturiert und leserlich, sind die Resultate gewöhnlich ziemlich gut. Das gilt auch für die universelle Suche der Startseite, die meistens in handschriftlichen Notizen eingegebene Schlagwörter findet.
Fazit
Wer sich in der weitgehend geschlossenen Amazon-Welt wohlfühlt und ein Gerät zum Lesen und Schreiben sucht, findet im Scribe Colorsoft eine sehr gute Lösung. Ob man Farbe benötigt und für das Upgrade 130 Euro drauflegen möchte, steht auf einem anderen Blatt. Möchte man auch noch eine passende Lederhülle dazu, kostet das Gesamtpaket mindestens rund 770 Euro.
