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Google, das geht so nicht Die Pixel Buds sind eine Enttäuschung

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Ohne Case kann man die Pixel Buds nicht koppeln.

(Foto: kwe)

Ja, man kann die Pixel Buds unter bestimmten Bedingungen tatsächlich zum Übersetzen von Sprachen nutzen und sie klingen ganz okay. Aber ansonsten sind Googles In-Ear-Kopfhörer eine ziemliche Enttäuschung.

Die Pixel Buds sollen nicht nur simple In-Ear-Kopfhörer sein. Mit ihnen soll es möglich sein, jederzeit unkompliziert Googles digitalen Sprachassistenten Fragen zu stellen oder Kommandos zu geben und seine Antworten zu hören. Und als Höhepunkt soll man die Buds sogar als eine Art Simultan-Dolmetscher verwenden können. Theoretisch ist das eine feine Sache, in der Praxis können die Buds aber nicht überzeugen.

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Nervig: Die Google-App stürzte bei Verbindungsversuchen im Test ständig ab.

(Foto: kwe)

Die Bluetooth-Kopfhörer kommen in einer kleinen, schicken Transporttasche, die gleichzeitig als Ladegerät dient - auch ohne Netzteil, sie hat einen integrierten Akku. Nachdem man den Plastikschutz an den Kontakten der Buds entfernt hat, genügt es theoretisch, das Case mit eingelegten Kopfhörern in der Nähe eines Android-Smartphones mit aktiviertem Bluetooth aufzuklappen, um die Einrichtung zu starten. Theoretisch.

Verbindungsprobleme

Im Test klappte dies weder mit Googles brandneuem Pixel 2, noch mit dem Huawei Mate 10 Pro, noch mit dem Samsung Galaxy Note 8. Auch die für diesen Fall vorgeschlagene manuelle Kopplung scheiterte. Erst nachdem die Kopfhörer zurückgesetzt wurden, ließen sie sich am Pixel 2 einrichten - wobei der Google Assistant mehrmals abstürzte, bevor die Verbindung stand und die Buds eingerichtet waren. Software und Apps der Geräte sind auf dem neuesten Stand, daran kann es nicht gelegen haben. Und n-tv.de scheint nicht alleine solche Probleme gehabt zu haben, "c't" schreibt ebenfalls über "Verkoppelungsprobleme".

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Legt man die Buds nicht in ihre Tasche, schalten sie sich nicht ab.

(Foto: kwe)

Der Klang der Kopfhörer ist nicht schlecht, bedenkt man, dass sie nicht fest im Gehörgang stecken, sondern locker davor in der Ohrmuschel hängen. Es gibt sogar deutlich wahrnehmbare Bässe. Was das betrifft sind sie durchaus vergleichbar mit Apples Airpods. Um die Buds zu fixieren, zieht man eine Schlaufe der Strippe, die beide Lautsprecher verbindet, größer oder kleiner. So sitzen die Buds normalerweise recht sicher. Aber das Tragegefühl ist nicht sehr angenehm und mit manchen Ohren sind sie überhaupt nicht kompatibel. Dass Umgebungsgeräusche bei der Trageweise nicht abgeschirmt werden, ist gewollt. Schließlich stellt sich Google vor, dass man die Pixel Buds im Alltag trägt, um immer auf den Assistenten zugreifen zu können. Den ganzen Tag kann man sie allerdings nicht im Ohr lassen, nach rund vier Stunden müssen sie geladen werden.

Abschalten will gelernt sein

Die Bedienung erfolgt über eine Touchfläche auf der Außenseite des rechten Kopfhörers. Viel kann man mit ihr aber nicht anfangen. Lauter oder leiser wischen, pausieren und den Assistenten starten. Songs kann man nicht überspringen. Nervig ist, dass die Pixel Buds nicht wie die Airpods ausgehen, wenn man sie aus dem Ohr nimmt. Erst wenn man sie ins Case legt, schalten sie sich wirklich ab oder man entkoppelt sie. Nimmt man die Buds wieder raus, verbinden sie sich nicht, sondern sie müssen erstmal in der Hülle bleiben, bis die Verbindung steht. Automatisch hat das im Test nicht ein einziges Mal funktioniert, die Kopfhörer mussten immer manuell gekoppelt werden. Das ist einfach nur umständlich und nervig.

Die Nutzung des Google Assistant klappt dagegen vorzüglich. Um ihn zu starten, drückt man die Touchfläche länger. Man muss nicht laut werden, um sich beim Assistenten Gehör zu verschaffen, die Mikrophone sind empfindlich genug. Auch telefonieren klappt so gut. Um Benachrichtigungen abzuhören, tippt man die Touchfläche zweimal an. Mit iPhones verbinden sich die Buds übrigens ebenso und man kann über eine Berührung der Touchfläche dann auch Siri starten und mit ihr sprechen.

Simultan übersetzen kann man auch ohne

Gefeiert wurden die Pixel Buds im Vorfeld für ihre Fähigkeit, simultan zu übersetzen. Das klappt auch tatsächlich, aber nur, wenn man ein Google-Pixel-Smartphone hat. Dann sagt man beispielsweise einfach, "OK Google, hilf mir Englisch zu sprechen" und es kann losgehen. Aber das ist gar nichts so Besonders. Denn wie alle anderen Assistenz-Aufgaben erledigt das Übersetzen über die Google-Cloud das Smartphone. Die Buds sind eigentlich nur Mikrofon und Lautsprecher. Das Gespräch in zwei Sprachen kann man auch nur mit dem Handy führen, auf dem der Google Übersetzer geöffnet ist. Dafür benötigt man kein Pixel, man kann das auch mit dem iPhone tun.

Die Pixel Buds kosten rund 180 Euro. Das ist ganz schön viel Geld für passable In-Ear-Kopfhörer, die umständlich zu bedienen sind und deren zusätzliche Funktionen wahrscheinlich bald auch andere, bessere Headsets beherrschen werden - beispielsweise der Bose QuietComfort 35 II. Den Assistenten alleine kann man auch mit herkömmlichen Kopfhörern ansprechen. Nein Google, die Pixel Buds sind kein großer Wurf.

Quelle: ntv.de

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