Technik

Schnell, leise, kompatibel Die Xbox Series X ist ein leises Biest

Xbox Series X Test-4.jpg

Die Xbox Series X ist keine Schönheit, aber mächtig gut.

(Foto: kwe)

Mit der Xbox Series X bringt Microsoft eine Konsole auf den Markt, die Höchstgeschwindigkeit nicht nur verspricht, sondern tatsächlich in jeder Hinsicht mächtig auf die Tube drückt. Dabei bleibt sie mucksmäuschenstill und ist voll rückwärtskompatibel. Spieler, was willst du mehr?

Okay, PC-Gamer, die tausende Euro für die perfekte Hardware ausgeben, wird man vielleicht nie von Konsolen überzeugen. Und irgendwie hatten sie ja bisher auch recht, die Leistung der Geräte reichte meistens nicht aus, um das Optimum aus Spielen herauszuholen. Die Xbox Series X könnte Hardcore-PC-Gamer aber in Versuchung führen. Denn die Konsole ist unter anderem so stark, dass man nicht mehr zwischen hoher Auflösung und hoher Bildwiederholfrequenz wählen muss. Auch sonst hat Microsoft bei seiner neuen Top-Konsole fast alles richtig gemacht, wie ntv.de in einer ersten knappen Test-Woche feststellen durfte.

Die Kühlung hat Vorrang

XboxSeriesX_Tech_Explode_MKT_1x1_RGB.jpg

Was von außen einfach aussieht, ist innen ziemlich raffiniert.

(Foto: Microsoft)

Bei der rund 4,5 Kilogramm schweren Xbox Series X folgt das Design ganz klar der Funktion. So ist die Konsole schlicht ein 30 Zentimeter hoher Quader, dessen quadratische Grundfläche 15 Zentimeter lange Kanten hat. Das optisch Spannendste ist die Oberseite, die aus einem leicht nach innen gewölbten grobmaschigen Gitter besteht. Unter ihm sitzt ein großer Ventilator.

Mit diesem Design ist es nicht ganz leicht, ein Plätzchen für die Konsole zu finden, am besten ist sie hinter dem Fernseher aufgehoben, falls dies möglich ist. Man kann die Xbox auch auf die Seite legen, was die Angelegenheit etwas vereinfacht. So oder so gilt es darauf zu achten, dass die Gitterseite freien Blick in den Raum hat.

Denn schön ist die Xbox Series X zwar nicht, aber ihre Bauweise ist ideal, um die heiße Abluft effizient nach draußen zu befördern. Um dabei die Luftströme zu optimieren, hat die Konsole ein geteiltes Motherboard. Dazu kommt am Prozessor eine Vapor Chamber, in der Flüssigkeit verdampft, in einem Vakuum zu Kühlrippen aufsteigt, Wärme abgibt, kondensiert und zurückfließt.

8K bei 120 Hz möglich

Xbox Series X Test-6.jpg

Die Oberseite ist durch etwas grüne Farbe auch optisch interessant.

(Foto: kwe)

Eine gute Kühlung ist auch dringend notwendig, denn Microsofts neues Flaggschiff hat eine viermal so hohe Leistung wie die Xbox One X, die bisher die stärkste Konsole war. Damit kann sie unter anderem Spiele in 4K-Auflösung nicht nur bei einer konstanten Bildwiederholfrequenz von 60 Hertz (Hz) darstellen, möglich sind sogar bis zu 8K und 120 Hz.

Dazu kommen Technologien, die besonders realistische Beleuchtungen, Reflexionen und Akustik ermöglichen sollen. Schließlich kann die Konsole auch noch selbstständig älteren Spielen zu modernem HDR-Glanz verhelfen und für neue Titel bietet sie Entwicklern KI-Unterstützung.

Was die Xbox Series X wirklich alles auf dem Kasten hat, zeigt sie wohl erst mit speziell für sie entwickelten Spielen, und kommende Blockbuster wie "Assassin's Creed Walhalla" oder "Watchdogs: Legions" darf ntv.de erst nach deren Release in der optimierten Version spielen. Aber auch aktuelle Spiele erhalten Series-X-Updates und ältere Games pimpt die Konsole ja selbstständig auf. Und so konnte ntv.de bereits einen ziemlich guten Eindruck von der Leistungsfähigkeit der Konsole gewinnen.

Vorbildliche Kompatibilität

Xbox Series X Test-8.jpg

Man kann die Konsole auch hinlegen.

(Foto: kwe)

Ältere Games? Ja, genau, Microsoft hat auch seiner neuen Konsolen-Generation volle Rückwärtskompatibilität verliehen. Umgekehrt funktionieren auch Xbox-One-Controller an der Series X. Der neue Controller sieht passend dazu fast unverändert aus. Er hat aber einen neuen Teilen-Button, das Steuerrad erlaubt zusätzliche Zwischenschritte und er ist etwas griffiger. Dazu gibt's jetzt einen USB-C-Anschluss, über den man Akkus im Controller aufladen kann - allerdings nur mit einem Play-and-Charge-Kit für rund 20 Euro. Geliefert wird er mit gewöhnlichen AAA-Batterien.

Wenn man Spiele installiert, die vorher auf einer älteren Xbox liefen, erhält man automatisch die optimierte Version, falls vorhanden. Umgekehrt werden neue Titel auf Vorgänger-Konsolen nur mit den nötigen Features installiert.

Xbox Series X Test-2.jpg

Beim Controller hat sich nicht viel verändert.

(Foto: kwe)

Als allererstes Spiel kam im Test "Titanfall 2" aus dem Jahr 2016 zum Einsatz, das auf der Xbox One angespielt und dann auf der Series X weitergespielt wurde. Alle Spielstände wurden übernommen, man konnte dort weitermachen, wo man auf der Vorgänger-Konsole aufgehört hatte.

Rasante Ladezeiten

Zwei Unterschiede fielen auf. Zum einen sieht das Spiel durch die technischen Tricks der Konsole noch etwas besser aus als auf der "alten" One X. Viel krasser sind aber die viel schnelleren Ladezeiten. Das liegt neben der höheren Leistung vor allem an dem neuen SSD-Speicher. Gefühlt dauert alles nur noch Sekunden, Messungen ergaben ungefähr halbierte Ladezeiten. Auch der Bootvorgang der Konsole geht selbst im Energiesparmodus rasant vonstatten - und endet nicht wie bei der One X mit einem großen Knall, sondern einer etwas dezenteren Fanfare.

Xbox Series X Test-9.jpg

Mit HDMI 2.1 ist die Xbox Series X auch für kommende TV-Auftritte gut gerüstet.

(Foto: kwe)

Das rund ein Jahr alte "Gears 5" ist bereits für die Series X optimiert. Dadurch wirkt das Spiel viel geschmeidiger und Sturmläufe, die vorher schon optische Leckerbissen des Microsoft-Exklusivtitels waren, machen jetzt so viel Spaß, dass man gelegentlich aus Übermut ins Verderben rennt. Auch optisch macht das Spiel etwas mehr her, vor allem, wenn der Fernseher HDR gut darstellen kann: Die Series X beherrscht auch Dolby Vision. Das Gleiche gilt für den guten Ton mit Dolby Atmos.

Auch unter Höchstlast leise

Bei den lautstarken Actionspielen fällt eine weitere Besonderheit zunächst gar nicht auf, in Pausen dafür umso mehr: Man hört von der Kühlung praktisch nichts. Die Xbox Series X ist flüsterleise, auch wenn sie Höchstleistungen bringen muss. Befindet sich ein Spiel auf einer Disk, vertreibt das Laufwerk vorübergehend die Stille, gibt aber dann Ruhe.

SSD und Leistung ermöglichen außerdem, dass man schnell zwischen verschiedenen Spielen wechseln kann, die im Ruhezustand auf ihre Fortsetzung warten. Das klappt nicht nur mit neuen Titeln, sondern auch mit 360-Games.

Die SSD ist ein Terabyte groß, was schon recht großzügig ist. Rund 800 Gigabyte (GB) stehen frei zur Verfügung. Wer mehr benötigt, kann gewöhnliche Festplatten anschließen, genießt dann aber bei Spielen, die dort installiert sind, kaum Geschwindigkeitsvorteile. Wer die haben möchte, kann spezielle SSDs in einen proprietären Einschub auf der Rückseite der Konsole stecken. Bisher gibt es aber nur eine 240 Euro teure Speichererweiterungskarte von Seagate.

Technischer Leckerbissen wartet auf exklusiven Input

Mehr zum Thema

Die Xbox Series X ist ein Gerät, das zeigt, dass die Zeit der Konsolen noch lange nicht vorbei ist. Für 500 Euro kommt sie an die Leistungsfähigkeit viel teurerer PC-Systeme heran und sie belohnt treue Microsoft-Spieler mit Rückwärtskompatibilität.

Technisch ist die Xbox Series X ein Leckerbissen, aber ob sie erfolgreich sein wird, hängt auch vom Angebot an Exklusivtiteln ab, wo Sony in den vergangenen Jahren die Nase vorne hatte. Aber Microsoft hat kräftig zugekauft, unter anderem Bethesda, das unter anderem für die "Fallout"-Serie verantwortlich ist. Und jetzt muss Sony erstmal mit der Playstation 5 gleichziehen, die Xbox Series X hat die Latte ziemlich hoch gelegt.

Quelle: ntv.de